Kein bisschen Wirtschaftsweise

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Um an der „Logik“ unserer Wirtschaftsweisen nicht zu scheitern, muss man entweder verrückt, Politiker oder Volkswirtschaftsprofessor sein – einen anderen Schluss lässt das soeben vorgestellte Jahresgutachten des Sachverständigenrates kaum zu.

Auf der einen Seite sind sie, was das viel beschworene „Wachstum“ angeht, optimistischer als die Regierung selbst, auf der anderen Seite warnen sie vor Euphorie und kritisieren die Regierung scharf – indirekt dafür, weiterhin ihre Vorschläge aus dem vergangenen Jahr umzusetzen…

Die „Experten“ wollen mit ihrem Jahresbericht der Bundesregegierung klar machen, dass Wachstum allein nicht ausreichen werde, um die Wirtschaftskrise zu meistern – es müsse auch noch strikt gespart werden. Das ist ungefähr so, als ob ein Ratgeber im Motorsport einem Formel-1-Piloten den „heißen Tipp“ gibt, immer mit beiden Füßen gleichzeitig auf Gas und Bremse zu treten…

Im „Prognosezeitraum“ erwarten die Sachverständigen eine „Erholung der gesamtwirtschaftlichen Produktion“ – die allerdings wohl nicht ausreichen werde, um „Entlassungen in erheblichem Umfang zu vermeiden“, heißt es in dem Gutachten. Die Zahl der Arbeitslosen werde daher im Jahresdurchschnitt um weit über eine halbe Millionen Menschen ansteigen. Zwar gehen die „Wirtschaftsexperten“ davon aus, dass „eine Kreditklemme auf breiter Front vermieden werden kann“ – sie erwarten jedoch laut Spiegel Online insbesondere dann „Probleme bei der Kreditvergabe“, wenn die Unternehmen wieder verstärkt investieren wollen…

Angesichts dieser Zeilen vermissen wir in erster Linie eine seriöse Ursachenanalyse. Wie können Menschen, die als „weise“ bezeichnet werden, mit einem halben Satz auf Wachstum setzen, mit dem nächsten Halbsatz dann aber auf einen strikten Sparkurs? Wo sollen sich diese Kurven schneiden? Und was soll die Regierung mit diesem „weisen Rat“ anfangen? Einerseits soll sie die Wirtschaft ankurbeln, Konjunkturprogramme auflegen und „Wachstumsbeschleunigungsgesetze“ verabschieden – alles Maßnahmen, die zwangsläufig Mehrausgaben bedeuten. Gleichzeitig soll sie die Ausgaben zurückgefahren und die Etats der einzelnen Haushaltsressorts kürzen, was dann euphemistisch „sparen“ genannt wird.

Nach dieser Logik können natürlich auch die Bürgerinnen und Bürger ihr Vermögen mehren. Es ist ganz einfach: Gehen Sie ins nächste Autohaus und suchen Sie sich Ihren Traumwagen aus. Nehmen wir mal an, das Fahrzeug kostet 43.000 Euro. Jetzt beschließen Sie, dieses Auto NICHT zu kaufen – und schon haben Sie 43.000 Euro gespart! Einfacher geht’s doch nun wirklich nicht, oder? Idealerweise kaufen Sie jetzt von der Hälfte des so gesparten Geldes „langlebige Wirtschaftsgüter“ (Möbel, Technik, etc.), um den „Aufschwung“ zu unterstützen – und die andere Hälfte investieren Sie in Ihre Altervorsorge. So werden Sie Ihrer Zukunftsängste Herr und sparen auch noch die Kosten für den Psychiater… zumindest solange, bis der Selbstbetrug irgendwann auffliegt.

Man packt sich an den Kopf und glaubt gerne das geflügelte Wort, demnach „nur Narren wirklich weise“ sind. Anders sind Jahresgutachten, die eine „seriöse Finanzpolitik vermissen“ nicht erklärbar. Wie kann man etwas vermissen, was es noch nie gegeben hat? Kann man eine schleichende Inflation, die von den Zentralbankern im „Korridor von 1,5 bis 2 %“ gehalten werden soll, seriös nennen? Wieviel hat unsere D-Mark (immerhin die „stabilste Währung der Welt“) in ihrem 54-jährigen Dasein an Kaufkraft verloren? Wir verraten es gerne: über 80 %! Darf man als „Währungshüter“ bei einem Kaufkraftverlust von 80 % überhaupt noch von „Währung“ reden?

Die Wirtschaftsweisen müssten also zunächst einmal darlegen, was sie unter „seriöser Finanzpolitik“ überhaupt verstehen und erklären, was denn wirklich geändert werden müsste, damit die Regierung überhaupt die Möglichkeit bekommt, eine solche zu praktizieren. Eine seriöse Finanzpolitik ist nämlich mit einem Geld, das zu einem permanent wachsenden Anteil dafür eingesetzt wird, dass es sich in der Spekulation oder auf dem Kapitalmarkt verzinst, schlichtweg nicht möglich. Wie kann ein Wirtschaftssystem seriös sein, in dem an erster Stelle und mit ständig wachsendem Volumen die Ansprüche der Kapitalgeber bedient werden und Arbeiter, Unternehmer und Angestellte als Produzenten sich mit dem immer weniger werdenden Rest begnügen müssen? Einem Rest, von dem sie zudem auch noch die Rentner, Kinder, Arbeitslosen und Kranken am Leben erhalten müssen? Und was kann an einem Finanzsystem seriös genannt werden, welches zur Verhinderung der Deflation die Geldmenge immer nur aufblähen kann? Kann die konsequente und kontinuierliche Vorbereitung einer Hyperinflation tatsächlich als „seriös“ durchgehen?

Im Kapitalismus kann ab einen gewissen Punkt nur noch derjenige seriös sein, der aufhört zu existieren und damit aus dem Spiel vollständig aussteigt. So wie Politiker nur dadurch wieder ehrlich werden können, indem sie keine Politik mehr machen. Oder ein Sachverständigenrat, der erst dann wieder „weise“ genannt werden kann, wenn er schweigt! An diesem Punkt kann einem Frau Merkel wirklich Leid tun: Sie selbst ist nicht bewandert in Volkswirtschaft und Währungsfragen und die „Experten“, die ihr an die Hand gegeben sind, widersprechen sich am laufenden Band. Und die letzte Instanz in diesen Fragen, die „Oberweisen“, sind nicht ganz bei Trost.

Eine traurige Wahrheit. Genauso traurig wie die Tatsache, dass ausgerechnet die Herren Bofinger & Co unsere Seiten nicht lesen… wollen! Denn wer unsere Seiten kennt, der kennt sowohl die Ursache für die Krise und das kommende Desaster – als auch die Lösung. Und hat damit mehr Ahnung von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen als alle Angehörigen des Sachverständigenrates zusammen.