.

{audio}mp3/04 Vom Zins.mp3{/audio}
Lassen Sie sich den Text vorlesen!
Ihr seid geteilt in zwei Lager. Im einen Lager beklagt man den Zins als Dieb und als Mörder. Der Kampf gegen dies Übel hat schon viele Leben gefordert. Im anderen Lager erkennt man in ihm einen Genossen des Fortschritts und der Entwicklung. Auch wenn in seinem Schlund viele verschwinden, so halten sie dennoch fest an diesem Gefährten. Und wahrhaft gefährlich ist seine Erscheinung.

Doch er ist eine Erscheinung und das wollt ihr nicht erkennen. Jene, denen seine Segnungen in den Schoß mit gefalteten Händen fließen, haben ihn nicht mit Verschlagenheit und Bösartigkeit in ihre Richtung geleitet. Und jene, denen er zuerst die Butter vom Brot und danach das Brot selbst nimmt, tragen keine persönliche Schuld an ihrem Verlust. Ihr starrt auf den Zins und wünscht euch insgeheim, ihn zu erlangen und ihr betrachtet mit schmalen Lippen und neidischen Augen die Bevorrechte­ten. Diese aber blicken mit Verachtung auf die Armen, aus deren Adern ihnen zufließt was als Zins Gestalt annimmt. Und so nehmt ihr als ein Faktum und eine Notwendigkeit, was doch nur eine Erscheinung ist. Kein starker Arm und kein verschlagener Geist erzeugen den Zins. Kein Erlass kann ihn dauerhaft fördern oder verbieten. Denn er ist eine Chimäre. Ein Gespenst, das direkt euren Geldtruhen entfleucht und dort auf ewig neu geboren wird. Dort liegt die Quelle des Zinses, sichtbar vor euren Augen und ihr wollt sie nicht erkennen.
 
Es ist euer Geld, das so viel besser ist, als alles Geschaffene und besser als das, was das Geschaffene schafft. Belastet es den Gemüsehändler nicht, wenn am Abend die Tomaten noch die seinen sind? Und wie sehen seine Lasten aus? Muss er nicht wieder ganze Arbeit leisten und seine Tomaten in die Kisten packen und in die kühlende Dunkelheit des Lagers schaffen? Werden die Tomaten für ihn nicht teurer, bis sie endlich den Weg in die Kochtöpfe gefunden haben? Und wie könnte er seine Lasten auf dem Preisschild angemessen zum Ausdruck bringen? Muss er nicht ganz gegenteilig vorgehen und Nachlässe gewähren, weil die Tomaten immer mehr an Farbe und Prall­heit verlieren? Und geht es dem Fleischhändler nebenan nicht ebenso? Und dem Schuhfabrikanten, dem Möbelhersteller, den Tuchwebern und den Papierproduzenten? Tragen sie nicht alle die gleichen Lasten und können sich ihrer nicht erwehren? Wenn euch die Ware Last ist und nur ihr Absatz euch Erleichterung verschafft, dann doch nur, weil das Geld, das am Abend in der Kasse klingelt, euch von all diesen Problemen befreit. Es ist so ganz anders als eure Tomaten. Es wird nicht faulig und wird nicht von den Motten gefressen, es setzt keinen Rost an und braucht nicht kühl gelagert zu werden. Es kommt nicht aus der Mode und behält seine Farbe. Und so ist euch das Geld etwas anderes als eure Waren, die es doch tauschen soll, denen es gleich – ein Äquivalent, ein Gegenüber und Ersatz – sein soll. Und was ist der Preis, der euch von der Last eurer Waren befreit? Ein Geld, das seinen Preis verlangt, verlangen kann und immer verlangen wird, weil es eben besser ist als all’ euer Geerntetes und Geschaffenes. Das ist der Zins von dem ich zu euch sprechen will.

Es ist eure Angst, die dieses Geld geschaffen hat und noch andauern lässt. Eure Angst vor dem Leben, das doch Vergänglichkeit, Altern, Vergehen und Tod mit sich bringt. Davon sprechen eure Waren jeden Tag zu euch und eure Muskeln und auch euer Geist. Alles ist in den Kreislauf des Lebens eingebettet und eure Furcht hat euch etwas schaffen lassen, das diesem Kreislauf nicht eingegliedert werden kann. Und so habt ihr ein Geld geschaffen, das nicht vergänglich ist und daher tot. Ein Geld, das ewig hält. Länger als alles Geschaffene und länger als ihr selbst. Doch eurer Angst könnt ihr nicht aus dem Wege gehen, sie kehrt wieder mit noch mehr Schrecken und noch mehr Angst. Doch weil ihr der Furcht und Angst nicht ins Auge blicken wolltet und sie auch nicht in euch bleiben konnte, so habt ihr sie dem Gelde eingepflanzt, das seit diesem Tag seinen ebenso fruchtbaren wie furchtbaren Dienst erweist.
 
Dies wird so sein bis zu dem Tage, an dem ihr eurer Angst ins Auge blickt und ihr wahrhaft begegnet. An diesem Tag werdet ihr erkennen, dass eure Furcht unbegründet ist und ihr Vertrauen in das Leben fassen könnt. In den Prozess, der alle wohl ernährt und hinauf führt in die zarten Gefilde der Muse. An diesem Tag werdet ihr das Geld in diesen Prozess als ebenbürtiges Teil einordnen und ihm sein Bessersein und Außenseitertum nehmen. Es wird dienen, wie die Maschine dient und die Erde. Es wird seinen Zweck erfüllen und alles Geerntete und Geschaffene tauschen, ohne etwas für sich zu nehmen, denn das Geld braucht nichts. Rastlos und ungehindert wird es seine Bahnen ziehen und euch miteinander verbinden wie die Straßen, die euch zueinander führen.
Share

Banner

FacebookMySpaceTwitterDiggDeliciousStumbleuponGoogle BookmarksRedditNewsvineTechnoratiLinkedinMixxRSS FeedPinterest

Wer ist online

Aktuell sind 62 Gäste und keine Mitglieder online

News

  • First parts of the content of this website are now available in english language. In the upcoming time we will translate more and more of the vital economic informations we offer on our pages into various languages. In the moment the following articles are at your disposal:

    Our mission
    The problem
    The solution

Zum Seitenanfang