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Lassen Sie sich den Text vorlesen!
Eigentum verpflichtet, wispert ein geflügeltes Wort. Schenkt dem Wort Beachtung, bevor sein Sinn eurem Bewusstsein entschwindet und mit dem Wind in die Weite fliegt. Lauscht seiner Wahrheit. Denn alles was euch gehört, zwingt euch zur Sorge und zur Tat. Und so überlegt reiflich, was ihr eurem Besitz zufügt, denn Eigentum ist immer auch Last und Müh. Und je mehr ihr euer eigen nennt, umso stärker sind die Fesseln, die das Eigentum um euch schlingt. Der Arme geht in Ketten, doch ebenso der Reiche. Und in diesem Sinne forscht weiter und erkennt, dass es sogar Dinge gibt, die kein Eigentum sein können. Denn sie bringen zuviel Verantwortung als der stärkste Arm je schultern und ein menschliches Herz je fassen könnte.

Von dem, was nicht euer Eigentum sein kann, will ich nun zuerst zu euch sprechen. Drei wichtige Dinge sind es, die dazu gehören. Die sollt ihr beachten und tut ihr es nicht, verursachen sie nichts als Leid. Eigentum, das nicht als Eigentum eines einzelnen Menschen gedacht war, zerstört  das Fundament eurer Kultur und überzieht euch alle mit Krieg und Tod. Davon zeugt eure Geschichte seit über 6.000 Jahren. Doch ihr habt bisher noch nicht alles aus ihr gelernt. So wisst ihr nicht, was genau ihr dem Einzelnen entreißen sollt und müsst, um es in euer aller Eigentum zu überführen.

Das erste Ding ist die Erde selbst. Sie ist entstanden ohne euer Tun und besteht weiter, auch wenn ihr sie nicht mehr bevölkern werdet. Ihr habt sie nicht erschaffen, vielmehr erschafft sie euch und ermöglicht euch das Leben. Sie ist und sie ist auch ohne euch. Sie ist euer aller Ursprung und euer aller Amme. Der Boden ist unvergleichbar mit allen Dingen, die ihr aus den reichen Gaben der Erde fertigt und zusammenfügt. Sie ist die, die ewig gibt und die jeden Menschen ernähren kann. Doch sie muss heil und unzertrennt bleiben und offen sein für jeden. Die Erde habt ihr auch nicht von euren Kindern geliehen. Denn sie ist nicht zu kaufen und nicht zu verkaufen, nicht zu leihen und nicht zu verleihen, nicht zu haben, nicht zu verschenken und auch nicht zu erben. Ihr könnt sie nutzen und bearbeiten, pflügen oder brachliegen lassen, auf ihr bauen, oder Löcher in sie graben. Schafe auf ihr weiden lassen, oder schwere Ähren ziehen. Kanäle bauen und Flüsse zuschütten. Sie gehört vollständig euch und ihr sollt sie nutzen, soweit ihr sie zu nutzen wisst. Nutzt sie weise und umsichtig und sie wird euch auf ewig ernähren. Doch entreißt sie dem Haben, den Zaunpfählen und dem Stacheldraht. Denn hinter ihnen lauert der Krieg.

Die zweite Sache, die ihr gemeinsam nutzen sollt, ist das Geld. Geld ist eine Sache, die ihr alle gemeinsam errungen habt und die ihren Sinn im Weitergeben hat. Nicht das Haben und Verstecken machen Geld zum Genius eures Handels, sondern die Bewegung, die im Bekommen und Weitergeben liegt. Alles was ihr produziert, braucht das Geld, um sich gegenseitig zu tauschen. Die Ware auf dem Markt und das Geld in der Truhe: das geht nicht gut. Geld muss euch allen gehören, so wie die Sprache und die Schrift. Wer könnte denn heute die Schrift von der Sprache trennen und alleine darüber bestimmen, wer lesen und schreiben darf und wer nicht? Und solch ein Zwillingspaar sind Geld und Ware. Das Geld ist eure rechte Hand und die Ware eure linke. Denn ihr alle seid Produzenten und Verbraucher zugleich.

Leute von Orphalese, lasst nicht zu, dass eure rechte Hand sich leert und nichts mehr enthält. So bleibt euch nur die Linke, um des Tagelöhners Werk zu vollbringen. Was in eure Rechte gehört, sammelt sich allein beim Reichen. Und dessen linke Hand verkümmert und bleibt schlaff. Der eine verliert die rechte Hand, der andere die Linke und so lebt ihr alle wie Krüppel, wo ihr doch vollkommene Menschen seid.

Eure Bereitschaft für andere zu produzieren, euer Anteil an der Gemeinschaft, verschafft euch das Recht auf Geld. Ihr haltet nicht zurück mit eurer Stärke, euren Ideen, eurer Begabung und eurem Talent. Und so dürft ihr euch nicht durch einen unbedachten Fehler vom Gelde trennen lassen. Es muss so leicht in eure rechte Hand gelangen wie die Brötchen des Bäckers seine Backstube verlassen. Und deshalb müsst ihr gemeinsam dafür sorgen, dass das Geld seinen Zweck vollständig erfüllt. Holt euch nun eure Macht zurück und tut dies durch verantwortliches Wissen. Denn nie war gültiger als in diesen Tagen: Euer aller Fortbestand sichern allein Wissen und Können. Nicht der scheinbar unvermeidliche Angriff und die tapfere Verteidigung, nicht der clevere Diebstahl und der brutale Raub und auch nicht der politische Erlass oder die Härte des Gesetzes sind die Garanten eurer Kultur, sondern das Verständnis von Geld und Boden als Grundlagen eurer Wirtschaft.

Die dritte Sache schließlich sind die Ideen. Sie können nicht euer Eigentum sein, denn sie geistern umher und liegen in der Luft. Was das Wissen angeht ist jeder von euch älter als Methusalem, denn hinter jedem von euch liegen Jahrtausende des Wissens und der Erkenntnis. Wer kann eine Idee, einen Gedanken, eine Erfahrung nur allein seinem Kopfe zurechnen? Auf welchen Gedanken fußt eine Idee und wem rechnet man diese Vorgänger zu? Geist ist das, was ihr seid, so wie die Erde das ist, was ist. Nur die Werke, die euren Ideen und Gedanken entspringen und deren Früchte, gehören jenem, der sie schuf. Doch fesselt nicht den Geist mit den Ketten des Eigentums, denn das ist ein kindisches Unterfangen und gereicht euch nicht zur Ehre.  Lasst auch dem Unternehmer seine Werkbank, seine Halle und seinen Kran. Denn all’ das wurde von euch selbst geschaffen und er hat die Dinge gekauft. Nicht das Viele, das dem Unternehmer gehört, beraubt euch eures Anteils. Das wenige, das ihr euer eigen nennen könnt, macht euch zu Armen. Was ein anderer an geschaffenen Dingen hat, kann euch niemals Mangel und Not aussetzen. Nicht eine Werkbank und nicht tausende. Solange ihr als Produzenten den vollen Ertrag eurer Arbeit erhaltet, macht euch der Wohlstand des anderen sogar selbst zu einer begüterten Person.

Damit der Wohlstand das ganze Erdenrund und alle Menschen erreicht, müsst ihr die Gesetze des Eigentums genau bedenken und gekonnt unterscheiden, was allen gehört und was dem Einzelnen. Mögen meine Worte euren Verstand erreichen und dort ihr Werk vollbringen.
 
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