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{audio}mp3/08 Vom Boden.mp3{/audio}
Lassen Sie sich den Text vorlesen!
Heerscharen von euch sind in den Kampf und in den Tod gezogen, um anderen das Land zu entreißen, das ihr in euren Besitz bringen wolltet. Und mit den stattlichsten und lebendigsten Söhnen habt ihr verteidigt, was ihr euren Grund und Boden nennt und habt doch nur ihre Jugend und Anmut geopfert und ihre Lichter gelöscht. Mag sein, dass es die Höhe des Blutzolls war, die euch nach anderen Wegen suchen ließ, um auf Raubzug zu gehen und die Beute zu verteidigen. Und ihr seid fündig geworden, als ihr das Gold zum Gelde machtet. Fortan habt ihr gekauft, was nicht zu haben und auch nicht zu verkaufen ist. Die Brutalität und Grausamkeit wich der Verschlagenheit und dem Betrug. Ihr habt das weite und offene Land, die fruchtbaren Abhänge, die Wälder und Seen, die sonnigen Berge und die schattigen Täler in die Liste eurer Besitztümer eingefügt und sie euch zu eigen gemacht. Und als euch gehörte, was keinem Menschen gehören kann, habt ihr Zäune um euren Besitz gezogen und alle vertrieben, die zuvor diesem Boden seine Früchte abgerungen haben. Keine Landnahme, an deren Anfang nicht rohe Gewalt und hartherzige Vertreibung stand. Dies können auch die Jahrtausende nicht vergessen machen, in deren Schatten eure Ahnen und Vorfahren zu leben gezwungen waren. Selbst wenn die Urkunden mit filigranen Lettern den Besitz bezeugen und in kostbaren Kisten mit Gold- und Silberbeschlägen ruhen, so bleibt das Unrecht unvergessen und es dauert an.

Es bleibt bis zu dem Tag bestehen, an dem ihr erkennt, dass der Boden nicht euer Eigentum sein kann, denn ihr alle geht aus ihm hervor und ihr alle kehrt zu ihm zurück. Der Boden ist und er ist auch ohne euch. Er vergeht nicht und harrt selbst Äonen seiner Verwendung. Dem Menschen gehört die Erde, so lautet das Gebot. Und dies bedeutet, jedem Menschen gehört die ganze Erde. Jedem muss das Ganze zur Verfügung stehen, denn ein Splitter kann keinen ernähren.

Doch der Boden hat einen Preis und er wird ihn immer haben, denn er ist kostbar und seine Fülle ist nicht vermehrbar. Nur mit großer Mühe könnt ihr neues Land gewinnen und wo ihr hier neues Land gewinnt, reißen euch dort die Fluten des Meeres große Stücke weg und wilde Feuersbrünste versengen Wald und Weideland. Auch die Wüste fordert unerbittlich Land und holt es sich mit dem sanften Schwung ihrer Dünen.

Doch an wen sollt ihr den Preis für den Boden entrichten? Das ist eine Frage, die des Menschen würdig ist. Ihr seid nun gefordert, sie zu stellen und in eurem Herzen zu beantworten. Wollt ihr denn auf ewig an jene zahlen, die mit habgierigem Blick und knorrigen Fingern mit ihren Dokumenten wedeln? Wollt ihr den Abkömmlingen jener Räuber Tribut zahlen, die eure Ahnen von Haus und Hof vertrieben und ihnen allzu oft noch nicht einmal das nackte Leben ließen, aus Furcht, sie könnten wiederkommen, das gestohlene Gut zurück zu fordern? Wenn sich euer Herz bei dieser Frage verkrampft, so antwortet absichtsvoll und mit ganzer Kraft: „Nein und tausendmal Nein“. Wenn ihr dann Ausschau haltet, nach besseren Empfängern für die Zahlung, so lenkt euren Blick auf jene, die wahrhaft dafür sorgen, dass der Boden einen Preis erzielt. Es wird euch klar, noch während ihr euch umschaut, dass unbewohntes Land genommen werden kann, ohne dass ein Preis zu entrichten ist. Denn die Leere kostet nichts. Nur das gefüllte und bewohnte Land ist nicht kostenlos zu haben.
 
Eure Söhne und Töchter bevölkern das Land und verwandeln die Einöde in den Garten Eden. Ihnen allen schenkten Mütter das Leben, die nicht nach Lohn fragten, als sie die Nahrung aus sich selbst nahmen. Ohne zu zögern gibt jede Mutter alles, was sie geben kann. Für euch, ihre Kinder, trat sie eine lange Zeitspanne zur Seite und hat die Märkte verlassen. In dieser Zeit konnte sie sich nicht darum kümmern, durch ihre Tüchtigkeit und Fähigkeit ihre Truhen und Schränke zu füllen. Sie hat verzichtet und bezahlt für diesen Verzicht ihr ganzes Leben. Denn der Verzicht gereicht ihr schon in jungen Jahren zum Nachteil und lässt sie dann, im Alter, arm zurück. Nur mit einer reichen Heirat kann sie diesem Schicksal entgehen, doch nur um anderen Verzicht zu üben. Sie kann die Entwicklung ihrer Anlagen nicht zielstrebig verfolgen und muss die Entfaltung Ihrer Talente auf ein mögliches Morgen, ein eventuelles Vielleicht verschieben. Sie hat nicht genug Raum und nicht genug Zeit, um ihre Geschäfte voll zu entwickeln und erfolgreich in klingende Münze zu verwandeln. Und so muss ihre Fähigkeit, für sich selbst zu sorgen, verkümmern, weil sie alle Kraft und Zeit eurem Wohl und Gedeihen weiht. Nur wenn sie auf euch verzichtet und euch nicht empfängt, bleibt sie von diesem Verzicht verschont. Doch dieser Weg ist kein Weg für alle, denn das wäre unser aller Ende. Und die wenigen Frauen, die ein solches Los nicht ereilt, sollen euch über die Gültigkeit meiner Worte nicht hinweg täuschen.

Und so ist es nun an der Zeit, eine reife Entscheidung zu treffen. Sie kann nur lauten, dass der Preis des Bodens an jene zu entrichten ist, die ihn mit ihrer Arbeit ohne Lohn zustande bringen. Und das sind die Frauen, die für Kinder sorgen und so lange mit ihnen gehen, bis diese für sich selbst sorgen können. An sie lasst diese Gelder nach Anzahl ihrer geborenen und angenommenen Kinder fließen, damit ihr Nachteil wettgemacht wird. Und der Nachteil, der fast alle Frauen bedrückt und der in langen Jahrtausenden voller Wut die weibliche Klugheit mit der Gemeinheit verwob, verwandelt sich in Liebe. Denn durch die Fülle ihrer Börse ist sie frei und nur in Freiheit kann die Liebe wirklich gedeihen. Und dies, ihr Männer von Orphalese, wird eure Freiheit und euer Wohlergehen begründen. Deshalb spreche ich zu euch von der selbständigen und unabhängigen Frau, von der Freiheit, der Liebe und einem glücklichen Menschengeschlecht, wenn ich vom Boden rede.
 
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