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Schöner leben können Zinsgewinner. Sie können in Ruhe dem Wachstum ihrer Vermögen zuschauen. Sie sind selten nervös und ihre Tage sind erfüllt mit zahlreichen Aktivitäten. Sie haben auch genügend Zeit, um über das Leben nachzudenken. Ihre Ruhe und ihre Souveränität wirken wohltuend und sind beeindruckend. Gerne helfen sie auch anderen Menschen. Ihr Wohlstand ist Ansporn für andere.

Dabei sind Zinsgewinner oft sehr bescheiden. Manche von ihnen betrachten Zinsen – also die Einkünfte aus anderer Leute Arbeit – als Belohnung für ihre Bescheidenheit, eben ihre Fähigkeit, auf Dinge zu verzichten. Das steht dann sogar manchmal in Lehrbüchern über Ökonomie. Zinsgewinner sind oft sehr erfolgreich und gebildet.

Manche von ihnen haben sich einen ziemlich großen Teil ihres Vermögens selbst erarbeitet. Sie schätzen Wissen und Bildung und geben mitunter einen beträchtlichen Teil ihrer Einkünfte aus eigener oder fremder Arbeit auch für Bildung aus. Für ihre Bildung. Aber auch für die Verschleierung der Wahrheit über die Herkunft ihrer nicht selbst erarbeiteten Einkünfte. Also für die ökonomische Allgemeinbildung. Zinsgewinner tun oft das Richtige. Sie achten auf ihr Äußeres, halten ihren Körper in Form. Sie reisen und pflegen wichtige Kontakte. Sie spenden gern. Am liebsten für Parteien. Aber auch für Organisationen, wenn es ihr Steueraufkommen mildert, oder wenn die Werbekraft dieser Spenden ihre Einkommen mehrt. Zinsgewinner sind rechtschaffen. Sie achten die Gesetze. Vor allem jene, die sie selbst mit Spenden auf den Weg gebracht haben. Zinsgewinner sind attraktiv. Es wundert nicht, dass es ihnen selten an Partnern mangelt. Ihre Sorge gilt meist der Entscheidung für den richtigen der zahlreichen Bewerber. Zinsgewinner sind spielfreudig. Wenn wegen fallender Zinsen nichts mehr geht, dann wird gezockt, bis der Putz vom Casino bröckelt. Und so lesen sich viele Biografien von Zinsgewinnern wie endlose Erfolgsgeschichten.

Doch die Uhr tickt. Sie tickt unablässig. Werden die aufgetürmten Vermögen halten, was sie versprechen? Werden am Ende das Zertifikat oder das Wertpapier, nur noch das Papier wert sein? Sollte mit dem Vermögen nicht doch noch schnell alles Land aufgekauft werden, das noch zu haben ist? Doch damit würde der Aufwand mit der Verwaltung gehörig zunehmen. Und man wäre nicht mehr anonym. Schwierig, schwierig.

Neid auf das „schöne Leben“ der Zinsgewinner? Der kann natürlich nicht ausgeschlossen werden. Doch wäre das Gesagte im Trend nicht wahr, selbst wenn kein Neid im Spiel wäre? Welch ein genialer Schachzug der Kirche, den Todsünden Geiz und Gier auch noch den Neid an die Seite zu stellen. Während einige sich mit Geiz und Gier einen Vorteil nach dem anderen verschafft und diese Vorteile über die Generationen vermehrt haben, sollen andere neidlos bleiben, nur um nicht selbst am Pranger zu stehen? Sollen sie neidlos zusehen, wie sich ihr Leben im Vergleich zu den Möglichkeiten verschlechtert?

An dieser Stelle ist nicht nur Neid angemessen, sondern auch die Steigerung davon: Missgunst. Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma? Gewiss! Doch vorerst...
Noch mehr Neid: Die Hauptanteilseignerin von BMW z.B. zählte in nur einem Jahr ihres Lebens ein tägliches Einkommen von mehr als 6 Millionen Euro. An jedem der 365 Tage des Jahres 2006 – 6,4 Millionen Euro Einkommen! 2.355 Millionen Euro war die Ausbeute für Susanne Klatten aus einer Sonderdividendenzahlung  im  Aktienanteilsjahr 2006. Das waren  2,355 Milliarden Euro. Gern erinnere ich noch einmal an das denkwürdige Ereignis. Was sind schon 80 Millionen Jahreseinkommen für einen hart arbeitenden Vorstandsvorsitzenden mit einer echten 70 Stunden- Woche, wenn man als wirklich Vermögender die Summe von 80 Millionen auch ohne Arbeit schon nach 12 Tagen unter dem Kopfkissen hervorzaubern kann?

2.355 Millionen landeten also in 2006 bei einer Person, die auch nur ein Schnitzel am Abend essen kann, die auch gleichzeitig nur in einem Raum ihre Zeit verbringen kann und nur ein Kleid am Leibe tragen kann. Ohne ihr eigentliches Vermögen anrühren zu müssen, hätte Susanne Klatten allein im Jahr 2006 insgesamt 2.355 Menschen zu Millionären machen können. Oder 2.355.000 Menschen mit einer Einmalzahlung von 1.000 Euro beglücken können. Nur um wirklich alle zu speisen, ist der Betrag zu gering. Und ein Bankenrettungsschirm lässt sich damit auch nicht aufspannen.

Dekadenz hat viele Gesichter. Ehrlich erworbenes Geld für nutzlose Dinge auszugeben, gehört nicht dazu. Aber Einkommen, das nicht selbst, sondern von anderen im Schweiße ihres Angesichts erarbeitet wurde teilweise wieder zu spenden, oder für sinnvolle Dinge und Projekte auszugeben, ist mit Sicherheit ein Wesensmerkmal von Dekadenz. Geld, das jemand bekommt, ohne es verdient zu haben, korrumpiert und macht dekadent. Immer.

Es ist eine kaum zu überbietende Dekadenz, dass täglich allein nur in unserem Land etwa 1 Milliarde Euro an Zinsgutschriften auf die Konten der Geldbesitzer transferiert wird. Auf die Konten der Geldbesitzer, in deren Auftrag die Banken ihr Geld verleihen. Statistisch gesehen besitzt jeder Haushalt in Deutschland (ca 30 Millionen Haushalte gibt es davon) ein Vermögen von über 200.000 Euro. Man weiß vielleicht von dem einen oder anderen, der solche Summen auf der Seite hat, aber wirklich kennen tun die sich nur untereinander. Wesentlich größer hingegen ist der Kreis derer, die von ihren Schulden wissen.

Es fliessen also täglich 1.000 Millionen nur dafür, dass die Bedürfnislosen – denn solch gewaltige Überschüsse können nur von befriedigten Bedürfnissen zeugen – den Bedürftigen ihre Geldüberschüsse für die Aufrechterhaltung der Produktion ausleihen. Die Schuldner mit den größten Schulden sind in der Mehrzahl Unternehmer. Nicht deren Manager. Das sind gefragte Spezialisten.

Die Einrichtung einer Tischlerwerkstatt kostet über 50.000 Euro. Wer mehr leisten will, als im Baumarkt das Holz auf Länge zu schneiden, muss schon ungefähr diese Summe aufbringen, um mit der Produktion überhaupt beginnen zu können. Dazu kommen noch Miete oder Pacht, Personal und Bürokosten und so weiter und so weiter. Maschinen, Anlagen, Bürotechnik, Gebäude, all die Dinge, die für die Produktion von irgendeiner Ware benötigt werden, werden in der Hauptsache vorfinanziert oder,  etwas bodenständiger ausgedrückt, „auf Pump“ errichtet und betrieben. Ohne den Zins zu entrichten kann aber kein Geld geborgt werden. Also wird der Zins mit in den Preis der Produkte eingerechnet. Und so wird er auch erwirtschaftet. Im Tausch.

Eine Ware, die den Zins nicht erwirtschaften kann, gibt es quasi nicht. Nicht einmal für den, der sich kein Geld leihen muss, wenn er ein Unternehmen starten will, weil er vom Geld selbst genug  hat. Denn würde er mit dem eigenen, schuldenfreien Unternehmen keinen Zins erwirtschaften, würde er sein Geld lieber anderen verleihen, die ihm zu diesem zusätzlichen Einkommen verhelfen. Nur wenn auch seine Ware diesen Vorteil erwirtschaften kann, nutzt er es selbst und verleiht es nicht. Das Gros aller Zinsen wird über den Tausch erwirtschaftet (85%), der Rest über den Besitz von schuldenfreiem Sachkapital (15%). Aber auch da geht es nicht ohne den Mechanismus ‚Preise rauf, damit ein echter oder ein imaginärer Zins darüber erwirtschaftet wird‘.

Es gibt keine Ware, die nicht den Zins vom Produzenten hin zum Geldbesitzer transportiert.

Nun gut, sagen sich viele, das machen doch alle und so bekommen wir letztendlich doch alle etwas von den Zinsen ab. Und schließlich müssen ja auch die Reichen einkaufen und sind dem Zinstransfer über die Preise in allen Waren „ausgeliefert“. Das stimmt. Nur nehmen die Reichen über ihr Vermögen mehr an Zinsen ein, als sie über die Preise „verlieren“. Das macht sie eben zu Zinsgewinnern. Doch sie nehmen nicht nur mehr an Zinsen ein, als sie über die Preise verlieren, sondern sie nehmen einen wachsenden Anteil an Zinsen ein und verlieren im Vergleich dazu immer weniger. Verlieren immer weniger und weniger, bzw. gewinnen immer mehr und mehr an Zinsen.

Und so ist aus einem kleinen Rinnsal langsam fließender Zinseinnahmen nach dem 2. Weltkrieg ein reißender Strom geworden, der uns heute alle fortzureißen droht. Der Zinsmechanismus macht es möglich.

Wie sieht sie aus, die Zukunft der Zinsgewinner? Nicht rosiger als die der anderen? Neid? Völlig fehl am Platz! Geldvermögen lassen sich nicht verzehren. Vor allem taugen sie nichts im Angesicht einer aufgebrachten und verzweifelten Masse von Menschen, die nach Verzehrbarem suchen. Nicht Waffen oder Bunker können hier etwas ausrichten.

Ein Jahr oder zwei länger zu leben in einer untergehenden oder untergegangenen Kultur, wird sich nicht als Vorteil herausstellen. Das Schrecken ohne Ende steht auf gleicher Stufe wie das Ende mit Schrecken.

Vermögen lässt sich bis zu dem Punkt umverteilen, an dem keiner mehr Kredit bekommt, weil alle sowieso schon zuviele Schulden haben. Oder weil keiner mehr Kredit bekommt, weil keiner mehr da ist, der dem solventen Schuldner irgendwas abkaufen kann, damit dieser seine Schulden bezahlt, sprich wenn die Ertragsaussichten sich wegen der Umverteilung bis an einen kritischen Punkt derartig verschlechtert haben, dass Geld und Bedarf komplett getrennte Wege gehen.

Auf der einen Seite, die vielen Menschen, die kaum noch Geld haben und das wenige krampfhaft festzuhalten versuchen und die Wenigen, die das Geldsystem bisher begünstigte, mit gigantischen Vermögen, die jedoch immer weniger real geschaffenen Werten gegenüberstehen werden.

Die Verschuldung erreicht zum jetzigen Zeitpunkt ein kritisches Maß, das den Stillstand der Wirtschaft in greifbare Nähe rückt. Der Vermögende, der seine Bedürfnisse nicht in dem Maße explodieren lässt, wie seine Vermögen ihm das nahelegen ,muss mit ansehen, wie diese Vermögen immer weniger realen Gütern gegenüberstehen und diese  Vermögen "entwertet"  bzw. "entgütert" werden. Der Versuch in Sachkapital (Fabriken, Maschinen, Anlagen...) oder in Grundeigentum zu flüchten, wird die Preise dafür einst nach oben treiben. Bald. Sehr bald vielleicht.

Diese Preissteigerung schlägt irgendwann auf die Konsumgüter durch. Denn die Rohstoffe kennen keinen Unterschied zwischen Sachkapital und Konsumgut.

Steigt die Nachfrage nach Sachkapital, um aus dem immer wertloseren Papier-Vermögen "herauszukommen", dann steigen auch die Rohstoffpreise. Dann gibt es irgendwann kein Halten mehr und Massen von aufgespeicherten Vermögen wollen den Markt räumen. Das Vermögensgespenst 'Hyperinflation' geht um. Die Ersparnisse überragen in Deutschland die realen Güter - gemessen am jetzigen Preisnivieau - schon um das Doppelte, sind also dreimal höher.

Dieser geht jedoch wie immer eine "Hyperdeflation" voraus.

Steigende Kredithürden, schwindende Sicherheiten, ein Sog von Kreditausfällen und Insolvenzen. Wesentlich mehr Insolvenzen als Firmengründungen. Firmengründungen nur noch im Luxussegment oder im absoluten Billigsegment. Firmen werden noch eine Weile lang geschluckt, zerschlagen oder "verschlankt". Wachstum? Fehlanzeige. Dafür Schwund auf breiter Front. Wegen der sinkenden Ertragsaussichten wird Sachkapital gerade wenig nachgefragt. Produzieren lohnt sich nicht. Dann lohnen sich auch keine Sachkapitalien. Dann sind Fabriken keine Kapitalien. Wird nicht gebaut, weil keiner dafür zahlen kann, dann sind Kräne oder Bagger...? Schrott! Und keine Kapitalanlage. Und zwischendrin immer weniger regierbare Kommunen, gewaltbereite Gruppen, zum Extremen neigende Einzelne. Kein Nährboden für Investitionen. Weltweit.

Das Geldvermögen bleibt solange in Lauerstellung, bis es zu spät ist und einer damit beginnt, die billig gewordenen Produktionsmittel zu "sammeln" wie Schrott oder Sperrmüll. Schrottabholung. Das ist dann das (zu späte) Signal  dafür, sich auf den Weg zu machen, um noch etwas zum Produzieren abzubekommen, weil nur Produkte und Waren den Gegenwert für die gigantischen Vermögen darstellen. Darstellen können.

Zahlen sind Schall und Rauch. Weniger als das.

Schöner leben lässt es sich mit einem vernünftigen Geld- und Bodenrecht. Geld, dass ein Ablaufdatum aufgedruckt bekommt.  Und damit den Tausch zu einer selbstverständlichen Sache macht wie das Atmen, ohne Umverteilung von leistungslosen Einkommen bis zum Exodus erst der Schuldner, und dann wegen deren großen Anzahl, auch zu dem des Gläubigers. Schöner leben lässt es sich mit Boden, der nicht mehr privat veräußerbar ist. Der allen gehört und über Bodennutzungsrechte sozialisiert wird. Keine Spekulation und kein Extragewinn, den andere erwirtschaften müssen.

Die korrekten Zusammenhänge sind nachzulesen in der "Natürlichen Wirschaftsordnung durch Freiland und Freigeld" von Silvio Gesell. Erscheinungsjahr 1916. Nachzulesen: hier!

 

 

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