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Der Fehler von Prof. Huber, das physische Geld dem "gestaltlosen", elektronischen Geld gegenüber für bedeutungslos zu erklären, ist so weitreichend, dass die weiteren Ausführungen dazu dienen sollen, diesen Fehler vollständig offen zu legen.

Wenn Huber sich mit dem Gegenstand Geld selbst befasst, dann auf die Weise, dass er offensichtliche Geldbewegungen (Bargeldtransfers) und Geldbewegungen im Hintergrund (Überweisungen) - also keineswegs offensichtliche Geldbewegungen - wie zwei Geldkategorien, zwei Arten von Geld, behandelt. Ab hier wird es falsch.

Manche Ideen bleiben unverständlich, wenn man sie das erste Mal hört – und manche Ideen werden auch durch dicke Bücher nicht besser!

Dies betrifft die Mehrzahl aller Vorschläge zur „Neuordnung unseres Geldwesens“, die seit Beginn der Finanzkrise verbreitet werden – und leider auch die so genannte „Monetative“.

Das BGE möchte eine Antwort auf die Probleme der Gegenwart sein.

Da die damit verbunden Zielsetzungen nicht konsistent genug vorgetragen werden, müssen wir uns an das halten, was letztlich geschehen soll. Nämlich die Auszahlung eines Betrages an jeden Bürger der Gemeinschaft (nicht der Welt), der zudem „existenzsichernd“ sein soll.

Die beabsichtigten Wirkungen werden nicht von allen BGE-Aktivisten/Protagonisten identisch bewertet. Soziale Gerechtigkeit steht  z.B. nicht bei allen an der gleichen Stelle der Prioritätenliste.
Für den einen ist es das Ende der Bevormundung durch den Staat, für den anderen die Abkehr von den „Ausbeutungsgewohnheiten“ durch die Unternehmen. Weniger Willkür und an Sadismus grenzende Bewilligungspraxis bei Transferzahlungen wie Hartz IV (Staat). ‚Niemand nimmt mehr eine sogenannte „unwürdige“ Arbeit an, der ausreichend Geld auch ohne jede Arbeit bekommt.’ (Unternehmen/Wirtschaft)
Es würden enorme soziale Impulse entstehen, wenn jeder ohne die sprichwörtliche Rücksicht auf Verluste Jugendarbeit, Pflegetätigkeiten, Alten- oder Kinderbetreuung mit der nötigen Konzentration ausüben könnte.
Für einige Anhänger verschwinden mit der Einführung des BGE in einem Land auch noch die Ursachen für Kriege.
Mehr Spielräume für die individuelle Verwirklichung nicht nur sozial sondern auch wirtschaftlich (bessere innovativere Produkte) stehen bei anderen wieder höher im Kurs oder werden als Wirkung von der BGE-Einführung erwartet.


Grobeinteilung des Themas

Neben dem Komplex der Zwecksetzung gibt es noch einen Komplex der Begründung bzw. der Rechtfertigung.

So steht für die BGE-Befürworter fest, dass Erwerbsarbeit im Schwinden begriffen ist. Technologische Revolutionen hätten den Menschen im Produktionsprozess nun (fast) vollständig überflüssig gemacht. Die schwierigsten Arbeiten werden von Maschinen erledigt. Zunehmend auch die Planung und Entwicklung von Maschinen selbst. Weil dem so ist, wird es immer weniger von dem Gut geben, das allgemein als ein Arbeitsplatz bezeichnet wird. Deswegen könne der soziale Zusammenhang nur dadurch gesichert werden, dass  allen Bürgern das BGE ausgezahlt werden muss.

Ein dritter, nicht minder widersprüchlicher Komplex das BGE betreffend, ist die Frage der Finanzierung.

Bleibt der Komplex der verwaltungstechnischen Umsetzung, also Fragen wie, wer ist bezugsberechtigt? Wie wird das BGE ausgezahlt? Wie wird es angepasst, wenn die Preise steigen?
Die vielen „Wenns“ und „Danns“ oder „Sonsts“  bei solch einer politisch initiierten Maßnahme, der kein wirklicher Automatismus innewohnt, gehören eher zur technischen Ausgestaltung.

Zwecksetzung (beabsichtigte oder vermutete Wirkungen), Begründung (Möglichkeit und Notwendigkeit), Finanzierung und Umsetzung (Ausgestaltung) sind die vier großen Bereiche, auf die der Interessierte schauen sollte, um die Orientierung innerhalb der seit Jahren entstandenen Flut an Literatur zu diesem Thema nicht sofort zu verlieren.

Da die Finanzierung und Umsetzung sehr eng beieinander liegen, könnte die finanzielle Ausgestaltung und die technische Ausgestaltung auch allgemein unter Ausgestaltung zusammengefasst werden. Damit wären es dann noch drei Komplexe, die gegeneinander abgrenzbar sind: Zwecksetzung, Begründung und Ausgestaltung.

An zwei ausgewählten Beispielen soll hier aufgezeigt werden, auf welchem morschen Gerüst die sozial ausgezeichneten Absichten der BGE-Theoretiker beruhen.

Dazu betrachten wir zuerst die Frage der Existenzsicherung aus dem Komplex der Ausgestaltung.
Im Anschluss greifen wir noch die Begründung auf, die sich auf das Verschwinden der Arbeit stützt („Maschinen und Roboter erledigen die Arbeit“. „Der Mensch wird überflüssig im Produktionsprozess“).

Machen wir uns also an die Arbeit:  Betrachten wir die Forderung nach Existenzsicherung des BGE. Dies ist ein Riesenkomplex. Es geht schlicht um die Existenz. Circa 1 Milliarde Menschen auf unserem Planeten leben von ungefähr 1 Dollar Einkommen pro Tag. Also von 30 Dollar im Monat. Und sie existieren.

Der Begriff der Existenz ist ein Begriff, der so individuell, so subjektiv ist, wie ein Begriff nur sein kann. Während die meisten Europäer bei einem Kontinentetausch keine 3 Monate noch zu leben hätten, „existieren“ die „daran gewöhnten“ Menschen auf diesem Niveau etwas länger.
Die durchschnittliche Lebenserwartung in Afrika beträgt ungefähr 50 Jahre. Sie beträgt damit circa zwei Drittel der Lebenserwartung von Europäern, Amerikanern und noch weniger im Vergleich mit Japanern. Die Frage der Fairness zwischen Industrieländern und sogenannten Entwicklungsländern klammern wir an dieser Stelle noch bewusst aus.


Sinken die Lebensbedingungen kontinuierlich - wie für viele Menschen in unserem Lebensraum in den letzten Jahren geschehen -, dann kann der Organismus sich damit irgendwie arrangieren. Nur zu heftig darf die Umstellung nicht werden.
Es gibt Menschen, die leben von Rohkost, von Salaten, von Sprossen, von Dingen, die jeder Garten hervorbringen kann. Sie leben allein davon. Auch in Deutschland. Sie essen nichts, das das auf dem Weg zur Lebensmittelwerdung irgendwann mal erhitzt (molekular verändert) wurde. Diese Menschen zahlen quasi nur noch das Trinkwasser für ihre Ernährung. Andere Menschen zahlen alleine für die Ernährung mindestens 3 stellige Eurobeträge im Monat. Dies ist ein Extrembeispiel. Und dennoch macht es klar, dass der Hauptanteil der Lebenshaltungskosten neben dem Wohnen, sehr individuell für das Essen verwendet wird.
Menschen, die ihr halbes Leben körperlich hart arbeiten mussten, werden einen signifikant anderen Kalorienverbrauch haben, als das Model, die Ernährungsberaterin, der Steuerberaterassistent. Selbst wenn wir Berufsgruppenvergleiche unterlassen, können wir wir Altersunterschiede bei diesem Thema betrachten. Die als Reinigungskraft bisher schwer körperlich arbeitende Mutter von drei heranwachsenden Kindern benötigt für die Sicherung der Existenz dieser Gemeinschaft neben mehr Kalorien auch ständig neue Kleidung für den Nachwuchs.
Oder Medikamente gegen Schädigungen, die aus dem Umgang mit Chemikalien hervorgegangen sind. Wie anders wird sich die Existenz für zwei kinderlose Angestellte im Vorruhestand bei diesem Vergleich darstellen.

Entweder die Untergrenze für das BGE ist großzügig bestimmt, so dass auch die erhöhten Anforderungen an die Existenzsicherung damit abgedeckt werden können, oder es werden ganz schnell Ausnahmen definiert. Das ist bis jetzt nicht geschehen. Die Begradigung von Bedürfnisvielfalt und Existenzvarianz ist ein Teil des Planes. Alle können nur noch das gleiche bekommen.
Die Bedürftigeren werden in diesem System weniger erhalten, als sie es jetzt tun.
Dafür ist eine Übergangszeit vorgesehen. Einige sprechen von 3 Jahren, innerhalb derer zum BGE ein Ausgleich gegenüber den jetzt höheren Bezügen gezahlt werden soll, bevor sie nach Ablauf dieser Frist, ihr Leben neu geordnet und an den angekündigt niedrigeren Betrag angepasst haben.
Quasi ein Tarif für alle.



Das Thema der Existenzsicherung würde sich zum bürokratischen Moloch auswachsen, wenn es denn demokratisch bestimmt werden sollte. Oder es verfehlt bei weniger Bürokratie einfach die Zustimmung der Mehrheit. Denn fast jeder kennt eine Ausnahme in seinem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis.

Damit wären wir dem Thema „Vermeintliches Ende der Arbeit“. ‚Arbeit’ allein im wirtschaftlichen Sinne ist wie die ‚Existenz’ eine ziemlich gigantische Kategorie. Was wird nicht alles als Arbeit deklariert.

Für den einen ist sie Mühsal (Steine klopfen, Masse * Weg / Zeit2), für den Nächsten ist sie Herausforderung (Steinmetz, LehrerIn), für andere ist sie Denken und Erkenntnis (ForscherIN), für einige ist sie die Lust selbst (SchriftstellerIn, SchauspielerIn, DrehbuchautorIn). Für die meisten wird sie eine Mischung aus all dem sein.
Für den, der nebenbei ein leistungsloses Zinseinkommen bezieht, ist Arbeit zudem noch ein Zeitvertreib und Spaß wider die Langeweile. Im Zusammenhang mit Arbeit ist fast jede bekannte Emotion denkbar. Von tiefer Beglückung bis hin zu nackter Angst. Arbeit ist nicht bloße Beschäftigung mit etwas.

Ist das Ergebnis der Beschäftigung nicht mehr für den Akteur selbst bestimmt und möchten es andere haben, besteht ein Bedarf. Dann muss nur noch Geld ins Spiel kommen und aus dem Hobby ist eine ganz normale Arbeit geworden.  Arbeit zielt im Gegensatz zum harmloseren Tun bzw. sich mit etwas beschäftigen auf etwas ab, das wir ‚Fertig’ nennen.
Das gewünschte und tauschbare Ergebnis einer Handlung ist das Produkt. Daher das Wort produzieren. Bei der Arbeit kommt es auf dieses fertigsein, auf die Fertig-Keit an.
Das Fertige ist nicht immer das bestmögliche. Und doch ist es besser als der beste Entwurf, der nicht fertig geworden ist. Unvollendete Werke kommen erst hundert Jahre später zu Ehren.

Aufräumen ist noch nicht Ordnung. Putzen ist noch nicht Sauberkeit. Sortieren ist noch kein System …

Warum ist der Zweck der Arbeit, etwas fertig zu bekommen? Etwas fertig zu bekommen, das andere gern nutzen möchten?
Das macht den Unterschied zwischen Hobby und Beruf. Arbeit zielt auf gewünschte verlässlich erreichte Ergebnisse. Auf tauschbare Ergebnisse.

Wer würde gern in ein Taxi einsteigen, wenn es unsicher ist, ob der Fahrer den Weg zum Ziel kennt, den man selbst nicht kennt? Selbst wenn man nicht dafür bezahlen müsste, im Falle des Misserfolges.
Wer würde gern für eine Sache bezahlen, die sich nach einigen Stunden oder Tagen als fehlerhaft und nicht brauchbar erweist?
Unsere Bedürfnisse richten sich immer nach den Möglichkeiten, den besten davon. Die Beispiele, wo Geld dafür gezahlt wird, dass jemand nichts, bzw. nichts „Schlimmes“ tut, ersparen wir uns jetzt. In einigen Fällen ist kein definierbares Ergebnis vorhanden.  Dort lässt man meist befristet jemand wurschteln, und beobachtet was dabei herauskommt. In anderen Fällen wurde ein anderes Ergebnis als das beabsichtigte erzielt.

Zurück zur Arbeit. Unsere Bedürfnisse richten sich nach den besten Möglichkeiten. Sie sind vielgestaltig. Mit meist nur einer Tätigkeit, bzw. deren Ergebnissen, versuchen wir die vielfältigsten Bedürfnisse zu befriedigen.

Diese Vermittlung zwischen der meist einen Tätigkeit bzw. ihren Ergebnissen einerseits und den mannigfaltigen Bedürfnissen andererseits, haben wir dem Geld übertragen. Wir benötigen ein Einkommen für unsere Bedürfnisse. Also bieten wir Leistungen/Waren an.
Ohne Arbeit gibt es kein Einkommen. Leistungslose Einkommen sind Einkommen, die aus den Leistungen anderer „legal abgezweigt“ werden können. Leistungslose Einkommen sind in Wahrheit Fremdleistungseinkommen (Zinsen/Grundeinkommen im Sinne von Pachteinnahmen). Ganz nebenbei haben wir hier den Hauptgrund angedeutet, warum die Einkommen und die Arbeit im Kapitalismus tendenziell so ungleich verteilt sind. Die einen haben die Arbeit und die anderen mehr und mehr das Einkommen. Der tiefere aber einfache Grund ist in unserer Geldverwaltung zu sehen.



Jetzt versuchen wir uns Einkommen ohne Arbeit vorzustellen.
Was geschieht, wenn wir keinen ernsthaften Wert mehr auf fertige Produkte legen und stattdessen Geld auch für die unfertigen – vielleicht noch nicht mal begonnenen Tätigkeiten – ausgezahlt bekommen?
Mit unserer Tätigkeit – besser mit unseren Produkten - machen wir unser Geld erst wertvoll.
Fahren wir die Produktion zurück oder stellen wir sie vorübergehend ein, dann vermindern wir den Wert des Geldes, während sich der Wert der Waren, die noch vorhanden sind steigert.
Eine Preissteigerung ist eine Verminderung des Geldwertes. Jeder muss von den Scheinen jetzt mehr ausgeben um das gleiche zu bekommen. Sobald wir an diesem Gleichgewicht herumspielen, bzw. herumspielen lassen, treten Preisschwankungen auf. Sich Einkommen ohne verlässliche Produktion zu denken, gehört zu diesen Spielereien. Mit einer Preissteigerung erreichen wir jedoch nicht das Ziel der Existenzsicherung, selbst wenn es großzügig ausgelegt wurde. Denn nun reicht der einmal festgelegte Betrag plötzlich nicht mehr für d i e Existenz.

Wenn wir doch aber immer weniger Leute brauchen, die alles herstellen, was benötigt wird? Wenn nun die Arbeit wirklich nicht mehr alle braucht?

Selbst wenn für den Bau eines Hauses oder einer Pyramide oder eines Regierungspalastes nicht mehr 10.000 Menschen mit 20.000 Händen benötigt werden, bleibt doch die Frage, wer macht’s?
Wer darf, wer kann, wer muss?  Wer plant? Wer versorgt die Planer mit Werkzeugen (Computer, Software, Büro samt Ausstattung, Nahrung, Kleidung etc.)? Wer engagiert die Gewerke? Wer koordiniert sie? Wer baut den Kran? Die Kräne. Die anderen Maschinen und Fahrzeuge? Wer sichert den Bau finanziell ab?  Wer schult die Arbeiter? Wer entwickelt, testet und integriert die Prozesse und Verfahren, die Materialien? Wer überwacht die Risiken, wer wartet die Technik, wer füllt die Verbrauchsmaterialien auf?
Wer entscheidet, wer arbeiten muss, damit Einkommen erzielt werden können, die dann verteilt werden können?
Hier wird von den BGE-Aktivisten wiederum auf eine Selbstregulation vertraut. Der, der Arbeit hat, kann sie ja jemandem geben, oder verkaufen? Oder behalten und den anderen trösten? Hier driftet die Bewegung in völlig trübes Fahrwasser.

Arbeitsplätze sind von Innovationen und Geld abhängig. Fließt Geld, dann gibt es Innovationen. Gibt es Innovationen, dann wachsen Bedürfnisse. Oder der Aufwand für die existierenden Bedürfnisaufwendungen (Produktion) sinkt für alle gleichmäßig. Oder beides.

Der Begriff der Arbeitsteilung kommt nun ins Spiel. Die notwendige Arbeit wird buchstäblich geteilt. Gerecht geteilt. Das wäre die richtige Antwort. Jeder macht das, was er kann und was den Produktionsprozess weiter verbessert. Spezialisierung und Arbeitsteilung eben.

Doch damit werden ja wieder neue Kräfte frei. Na und?
Können wirklich fähige UnternehmerInnen, ErfinderInnen, KünstlerInnen irgendwann einmal genug MitarbeiterInnen bekommen? Entstehen nicht fortwährend neue höhere Bedürfnisse?

Wenn es vor 100 Jahren in Deutschland 20 Millionen so genannte Arbeitsplätze gab, so gibt es heute immerhin „noch“ 35 Millionen davon. Und das, obwohl doch die Technologien, die Industrialisierung quasi einen Quantensprung nach dem anderen gemacht haben. Wie geht das mit dem BGE-Erklärungsmodell zusammen?


Die materiellen Bedürfnisse sind nicht beliebig erweiterbar und wollen oft auch nicht erweitert werden. Bescheidenheit ist nicht nur eine Zier, sondern auch eine Frage der Bequemlichkeit.
Warum 5 Fahrzeuge unterhalten, wenn der Künstler sowieso fast nur zu Hause arbeitet, oder wenn das öffentliche Verkehrs- und Kommunikationsnetz bestens ausgebaut wurde und oder die Arbeitsstellen quasi um die Ecke auf der Straße liegen. Eigentum verpflichtet weniger gegenüber anderen, als sich selbst gegenüber. Dinge, die nicht kontrolliert und gewartet werden, büßen nicht selten ihre besten Funktionen ein und stehen nur noch im Weg herum. Vorbei nicht nur der mögliche Nutzen – erst jetzt beginnen richtig die Scherereien – die sachgerechte Entsorgung.

Materielle Bedürfniserweiterung bedeutet in vielen Fällen kleiner, weniger, dafür aber besser und beständiger. Als die ersten Rechner in den siebziger Jahren gebaut wurden, da brauchte „jeder noch sein eigenes Kraftwerk“. Milliarden Watt. Gigawatt. Jetzt brauchen einige modernere und bessere als damals unter Volllast noch 40 Watt je Stunde. 0,000.000.040 Gigawatt.

Arbeitsteilung bei steigender Produktivität bedeutet nicht zwangsweise Bedürfniserweiterung. Die Arbeit kann weiter geteilt werden, auch wenn vielleicht etwas weniger davon da ist.

Doch wer würde schon freiwillig auf Teile seines Einkommens - seines möglichen Einkommens – verzichten? Das ist die spannendere Frage. Hier bricht das Vorstellungsvermögen der BGE-Leute spätestens - dafür aber vollständig - ab.

Und doch gibt es darauf eine zufriedenstellende Antwort. Einkommen ist ja nicht alles. Meditieren kann jeder auch ohne Einkommen. Schlafen, in der Sonne liegen oder Waldspaziergänge machen ebenso. So kann es bei hoher Produktivität ohne renditebedingten Wachstumszwang zu einer echten Bedürfnisssättigung kommen. Dann kann die Arbeit länger oder häufiger ruhen, ohne dass deswegen jemand kürzer treten muss. Im Gegenteil viele unserer Bedürfnisse lassen sich nur befriedigen, wenn die Arbeit ruht.

Kurze Zusammenfassung

Die Arbeit geht nicht aus. Bedürfnisse sorgen für eine Höherentwicklung. Immer mehr Tätigkeiten finden den Weg, eine „angesehene“ Arbeit zu sein. Im 19. Jahrhundert gab es kaum bezahlte Kindergärtnerinnen. Tageseltern gibt es auch noch nicht so lange. Der Beruf der Altenpflege war einst ehrenamtliche Kirchentätigkeit. Wer konnte sich vor 50 Jahren so etwas wie einen Programmierer oder eine Veranstaltungskauffrau vorstellen?
Die Verteilung der Güter und der Einkommen ist das, was völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Diese Fehlentwicklung kann nur behoben werden, wenn sie richtig analysiert wurde. Eine Scheinlösung mit einer Scheinbegründung, auch wenn sie gut klingt, nützt niemandem.

Eine Absatzkrise wie wir sie aktuell erleben – es ist auf keinen Fall eine Überproduktionskrise - hat mit einem sklerotischen Geldfluss zu tun. Der Austausch wird durch ein marodes Geldsystem, das auf dem Zins basiert spätestens nach 60 Jahren schwer behindert. Und zwar zunehmend.

Deswegen sind Modelle gefragt, die die Wurzel des Übels angehen. Um zu kollabieren, müssen wir einfach nur nichts tun. Ein falsches Modell wäre nur eine weitere Verschwendung bzw. Beschleunigung der zerstörerischen Vorgänge im Austausch.




 

 


24 Thesen zum BGE, veröffentlicht in Heft 04/2008 „HUMANE WIRTSCHAFT“

und

24 Erwiderungen aus NWO- Sicht

 


1. These
Seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert steigt die Produktivität kontinuierlich an. Die Erfolge bei der Automatisierung haben diesen Prozess beschleunigt und werden ihn künftig noch weiter beschleunigen. Dadurch werden erstmals in der Menschheitsgeschichte erhebliche Anteile der Bevölkerung nicht mehr für die Produktion der notwendigen Güter benötigt.


Antwort
Produktivitätssteigerung hat es immer gegeben, und auch immer geben müssen, weil die Bevölkerung immer stetig angewachsen ist und noch anwächst. Auch vor der Industrialisierung hat es kontinuierliche Produktivitätssteigerungen gegeben. Produktivitätssteigerungen haben die Gesellschaft und die Arbeitswelt stets tief greifend umgestaltet. Arbeit, die auf Maschinen verlagert werden konnte, hat Arbeit erforderlich gemacht, diese Maschinen zu erfinden, zu konzipieren, zu gestalten, zu bauen, zu pflegen und zu warten, abzureißen, neue Maschinen zu erfinden, zu konzipieren, usw.
Produktivitätssteigerungen verändern die Arbeit, doch sie bedeuten nicht das Ende der Arbeit. Arbeitslosigkeit hat andere Ursachen als technischen Fortschritt oder steigenden Automatisierungsgrad in der Güterproduktion.

2. These
Vollbeschäftigung war bereits vor der Industrialisierung die Ausnahme. Umso absurder ist die Hoffnung, sie würde sich in Zukunft jemals verwirklichen lassen. Doch selbst bei Vollbeschäftigung wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) sinnvoll, weil es Freiheit vom Arbeitszwang für alle Arbeitenden schafft.


Antwort
Wie ist hier Vollbeschäftigung definiert? 48Stunden / Woche / Erwerbstätiger? Oder 40h / Woche oder 35h / Woche? Selbst 20h / Woche kann Vollbeschäftigung genannt werden, wenn sich alle Bedürfnisse der Wirtschaftsteilnehmer mit dieser durchschnittlichen Arbeitszeit für die Arbeitenden erfüllen lassen. Wenn die Produktivitätssteigerungen den Arbeitenden zugute kommen (und nicht durch Kapitalzinsen und Grundrentenanteile geschmälert werden) dann erhält jeder den vollen Arbeitsertrag. Ausgestattet mit dem vollen Arbeitsertrag ist jeder in der Lage, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Auch Abgaben, um erwerbsunfähigen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen, werden daran nichts ändern.
Weil ein Ereignis in der Vergangenheit selten eingetroffen ist, ist es umso absurder, dieses Ereignis von der Zukunft zu erwarten.Weil es in der Vergangenheit selten an Weihnachten geschneit hat, umso absurder ist die Hoffnung, dass es in der Zukunft an Weihnachten schneit. Deswegen verteilen wir jetzt an jeden Schneekanonen.
Und wenn es doch mal schneit, weil der vorangegangene Satz vielleicht Unfug und kein logischer Satz ist, dann können wir mit der Schneekanone jedem ermöglichen, dass er sich mit ihr den Schnee in die Wohnung packt und damit von der Pflicht entbunden wird, zum Schlitten fahren nach draußen zu gehen.
Obwohl bei Vollbeschäftigung jeder arbeiten kann, braucht der Mensch etwas, damit er es nicht muss. Vollbeschäftigung mit bzw. bei Vollbefreiung von der Arbeit.
Wann befreit den Autor endlich jemand von seinem Zwang, solch einen Nonsens zu verbreiten und die Zeitschrift ihn abzudrucken?

3. These
Bereits seit langem lässt sich beobachten, dass erhebliche Teile der Bevölkerung nicht mehr in den Arbeitsprozess integriert sind. Dadurch sind sie auch vom Einkommen ausgeschlossen. Bereits heute schon werden diese Bevölkerungsteile entweder direkt durch Sozialleistungen oder indirekt über subventionierte Wirtschaftszweige mit großem finanziellen Aufwand ernährt. Weil aber die Schaffung neuer Arbeitsplätze immer weniger gelingt, kann die Lösung nur sein, das Einkommen von der Arbeit abzukoppeln.


Antwort
Die Menschen, die nicht mehr in den Arbeitsprozess integriert sind, sind nicht von Einkommen ausgeschlossen. Sie erhalten einen Teil vom Gesamtlohneinkommen, den die erwerbstätigen Menschen erarbeiten. Dieser wird über Lohnabzüge und Steuern durch den Staat an die nicht-erwerbstätigen Menschen in verschiedenen Formen von Sozialleistungen weitergeleitet. Ein weiterer Teil des Einkommens muss als Zinsen und Renditen an Geld- und Grundbesitzer abgeführt werden.
Einkommen entsteht nur durch Arbeit. Einkommen bedingt Arbeit.
Die „Entkopplung von Einkommen und Arbeit“ ist bereits realisiert! In der Sklaverei, beim Frondienst, im Arbeitslager, bei der Zwangsarbeit, der Gefängnisarbeit und – der Familienarbeit! Arbeit, die in diesen Formen erbracht wird, ist vom Einkommen abgekoppelt. Doch auch nicht gänzlich, wenn man die Ernährung derer, die in diesen Formen arbeiten, nicht als reine Mildtätigkeit bezeichnen will.
Die Forderung nach Entkopplung der Arbeit vom Einkommen ist genauso sinnvoll wie die Forderung der „Entkoppelung des Lebens vom Atmen!“



4. These
Ein großer Teil der Arbeit, die heute verrichtet wird, besteht aus sinnloser und gesellschaftlich wenig nützlicher Beschäftigung, wie z.B. große Teile der Bürokratie, oder ist sogar schädlich, wie z.B. die Rüstungsindustrie oder Tierversuche. Diese Art von Arbeit dient u.a. der Aufrechterhaltung der bestehenden Wirtschaftsordnung, die ohne permanentes Wachstum und Naturverbrauch nicht funktionieren kann. Auf sie könnten wir leicht verzichten, ohne dass es uns deswegen schlechter ginge.


Antwort
Die Arbeiten, die uns Menschen mehr schaden als nützen, werden von der heutigen Wirtschafts(un)ordnung – dem Kapitalismus – völlig systemlogisch hervorgebracht. Erst die Überwindung der kapitalistischen Wirtschafts(un)ordnung macht diese Arbeiten komplett überflüssig. Ein „freiwilliger“ oder „angeordneter“ Verzicht (Verbot) der schädlichen Arbeit ist im bestehenden System keine Option.

5. These
Jede Tätigkeit, die nur dazu dient, Geld zu verdienen, ist dem Menschen unwürdig. Arbeit führt nur dann zu Zufriedenheit, wenn sie für den Einzelnen sinnvoll ist, Spaß macht und um ihrer selbst willen verrichtet wird.


Antwort
Welche Tätigkeit genau soll denn „nur“ dem Geldverdienen dienen? Für eine Tätigkeit, die niemandem und nichts dient, erzielt man kein Einkommen. Wer mit seiner Arbeit nicht einem anderen in irgendeiner Form einen Dienst erweist, ein Bedürfnis erfüllt, wird kein Geld damit verdienen. Das Ziel der Arbeit ist nicht Zufriedenheit, sondern der Arbeitsertrag, realisiert im Lohn. Tätigkeiten, die nur um ihrer selbst willen verrichtet werden, kann jeder Mensch ausüben, so lange er will und kann. Die Grenzen dafür sind seine Bedürfnisse – zu allererst vermutlich ein knurrender Magen. Wenn es nun niemanden gibt, der rein um des Brotbackens willen dieses auch bäckt, dann ist es bald aus mit der Arbeitsteilung. Denn vielleicht gibt es ja den einen, der nur um des Brotbackens willen das Brot bäckt, doch gibt es vermutlich keinen, der nur um des Mehlmahlens wegen das Mehl mahlt – und der das Brot backen wollende Bäcker hat dann einfach keine Zutaten!
Nach der Aussage: „Arbeit führt nur dann zu Zufriedenheit, wenn sie für den Einzelnen sinnvoll ist, Spaß macht und um ihrer selbst willen verrichtet wird.“, würde vermutlich fast nur noch die Samenbank als einigermaßen akzeptabler Arbeitgeber durchgehen. Schon aber nicht mehr für die Frau in der Buchhaltung oder die Reinigungskraft.

6. These
Wenn Menschen ein BGE bekommen, können sie nicht mehr zur Arbeit gezwungen werden. Unbeliebte und sinnentleerte Arbeit wird nicht mehr hingenommen oder muss entsprechend gut bezahlt werden.

 

Antwort
Weniger der Zwang, arbeiten zu müssen, ist das Problem, als vielmehr arbeiten zu wollen und keinen Arbeitsplatz zu bekommen!
Was ist „unbeliebte“ und was ist „sinnentleerte“ Arbeit? Unbeliebte und gänzlich sinnentleerte Arbeit gibt es nicht, denn das Wort Arbeit beschreibt ja gerade, dass ich etwas mache, für das ich Einkommen erziele. Arbeit, die kein Einkommen generiert, weil sich niemand für das Arbeitsprodukt oder die Dienstleistung interessiert, könnte doch höchstens im Irrenhaus in Form von selbst geschnitzten Streichhölzchen geleistet werden. Doch selbst für dieses Arbeitsprodukt könnte es eine Nachfrage geben.
Zur Arbeit gehört Bewegung. Doch nicht jede Bewegung ist Arbeit. Die Tätigkeit, sich selbst die Schuhe auf- und zuzubinden, wird sich so schnell nicht in eine Dienstleistung umwandeln lassen, noch nicht mal in ein Ehrenamt, selbst wenn sich jemand noch so gerne die Schuhe bindet.

7.These
Wer ein Existenz sicherndes BGE bekommt, kann nicht mehr sagen, er müsse unmoralische Arbeit annehmen, nur weil er das Geld brauchte. Kriege wären so vermutlich wesentlich schwieriger zu führen.


Antwort
Es ist zu fragen, was „unmoralische“ Arbeit ist?  Um eine inhaltliche Klärung zu errreichen, muss man die Begriffe Arbeit und Arbeitsplatz auseinanderhalten. Ein Arbeitsplatz garantiert mir, dass ich einen Anspruch auf Abnahme meines Arbeitsproduktes oder meiner Dienstleistung habe. Die Abnahme erfolgt quasi mit der Lohnüberweisung. Arbeit, die lohnt (also Lohn bringt) und an Krieg, Vernichtung und Zerstörung beteiligt ist, ist unter kapitalistischen Bedingungen unvermeidlich. Kapitalismus erzwingt Kriege und Vernichtung. Mittelbar ist fast jede Arbeit daran beteiligt. Selbst der Pfarrer sorgt unter Umständen nur dafür, dass ein von Gewissensgebissen geplagter Rüstungsgewinnler sich Erleichterung fürs Weitermachen verschaffen kann. Und wer die Kinder von Bundeswehrsoldaten hütet, hält diesen den Rücken frei für den Kampfeinsatz in Afghanistan. Wer eine Boutique in München führt, kleidet Börsenhaie und wer bei C&A arbeitet, verkauft Klamotten an die Bediensteten der Kriegstreiber. Die Entscheidung, ob ich mit der moralisch einwandfreien Wahl meiner Arbeit die Kriegsführung in Richtung „weniger Kriegsführung“ beeinflusse, ist mir im Kapitalismus strukturell verwehrt.
Das Ziel „Kriegsführung zu erschweren“ ist aus Sicht der Freiwirtschaft keine „moralische Frage“. Freiwirtschaft sagt „Nein“ zum systemischen Zwang zum Krieg. „Nein zum Kriegszwang“ heißt nicht „Ja zur erschwerten Kriegsführung“! Freiwirtschaft sagt: Nein zur Vernichtung!
Kriege sind Aktionen, bei denen sich zwei ausgerüstete Parteien gegenüberstehen. Kriegerischen Auseinandersetzungen liegt der Kampf um die Lebensgrundlagen zugrunde. Krieg setzt zumindest zwei zur Gegnerschaft befähigte Parteien voraus. Die Freiwirtschaft macht mittels intelligentester Ökonomie Kriegsführung überflüssig!
Gegenwärtig finden keine „großen“ Kriege statt, weil die kämpferischen und wirtschaftlichen Beute- und Kriegszüge des Kapitalismus überhaupt nur noch wenige zur Gegnerschaft befähigte Parteien übrig gelassen haben und Krieg zwischen diesen zwangsläufig „global“ werden und zur Auslöschung der ganzen Menschheit führen würde – worüber sich (hoffentlich auch weiterhin) die potenziell Beteiligten klar sind.
Stattdessen finden heute eine unvorstellbare Masse an Vernichtungs- und Ausrottungsfeldzügen statt, Genozide und Auslöschung ganzer Regionen. Wer sich mit dem Gedanken „die Kriegsführung zu erschweren“ befasst, erfasst die Realitäten nicht.



8. These
Ein BGE, das von der Bevölkerung durchgesetzt und als Grundrecht verankert wäre, würde echte Freiheit und Sicherheit für alle bringen. Eine Politik, die auf Angst und Zwang beruht, wäre dann nicht mehr möglich. So müsste sich niemand mehr vor seinem Vorgesetzten ducken aus Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Auch könnten alle ihre politische Meinung frei äußern, ohne deswegen mit materiellen Nachteilen rechnen zu müssen. Nur durch diese Nichterpressbarkeit kann es echte Demokratie geben.


Antwort
Von der eigenen Duckmäuserei am Arbeitsplatz haben uns die SPD, CDU, FDP, die Grünen und die Linke zu befreien, indem sie uns mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ausstatten!
Von dieser Forderung bis hin zur Beschwerde im Altenheim „Schwester, jemand hat mir in die Hose gepinkelt“ ist es nicht mehr all zu weit.

9. These
Die Befreiung der Menschen von der Existenzangst würde Spielräume schaffen, die eine Fülle an Kreativität hervorrufen können, welche wiederum zu neuen Ideen und Produkten führt und am Ende sogar der ganzen Wirtschaft nützt. Jeder könnte sich in dem Maße selbst verwirklichen, wie er es gerne möchte.

Antwort
Spielräume werden in Kindergärten geschaffen und genau dort rufen sie auch eine Menge an Kreativität hervor, führen zu neuen Ideen und auch Produkten. Die nützen allerdings erst nach einer gewissen Reifezeit der Wirtschaft etwas. Vom ersten selbst geschnitzten Messer bis hin zur Produktrevolution in der Schweizer Taschenmesser-Industrie liegen Entwicklungsprozesse, an denen mehr Menschen, mehr Kompetenzen, mehr Leistungen beteiligt sind, als gemeinhin angenommen wird. Doch auch schon zwischen dem ersten Sandkuchen und einem verkaufsfähigen Brot liegen für den Einzelnen unter Umständen gewaltige Herausforderungen, die er nicht alleine mit seinem Selbstverwirklichungswunsch bewältigen kann.


10. These
Die enorme Wirtschaftsleistung macht es heute möglich, allen ein Existenz sicherndes Grundeinkommen zu zahlen. Statt die Menschen durch sinnlose Arbeiten und mit teuren Maßnahmen ruhig zu stellen, sollte das Geld besser direkt und ohne Bedingungen ausgezahlt werden.


Antwort

Wenn sich die enorme Wirtschaftsleistung dereinst gänzlich von alleine erbringt, dann hat der Autor Recht. Bis dahin wird er wohl das Los von „ ihrer Zeit weit Voraus-Genies“ teilen müssen und hier und da für nicht ganz voll genommen werden.


11. These
Politiker und Ökonomen reden uns ein, dass das Geld knapp sei und deswegen überall gespart werden müsse. Es ist aber genug für alle da. Alle Grundbedürfnisse können leicht befriedigt werden, wenn der Reichtum besser verteilt wird.


Antwort

Ohne den Griff ins Portemonnaie der Geld- und Bodenbesitzer wird es allerdings nichts mit der besseren Verteilung des Reichtums. Entschädigungslose Enteignung nennt man diesen Vorgang. Bei aller Gewalt, die hinter diesem Ansinnen steckt, ist das Problem damit noch nicht einmal gelöst! Ohne die freiwirtschaftliche Reformen des Geld- und Bodenrechts entstehen immer wieder neue Vermögenskonzentrationen und die Umverteilung von der Arbeit zum Besitz hört niemals auf. Ob es besser ist, wenn die arbeitende Bevölkerung – aufgrund geraubter Zinsen – den gesellschaftlichen Wohlstand alle 20 Jahre neu erarbeitet oder alle 50 bis 60 Jahre in blutigen Revolutionswirren ihr Leben verliert, mag der Leser entscheiden.

12. These
Zur Finanzierung eines BGE sollten u.a. leistungslose Einkommen wie Kapitaleinkünfte, Pachteinnahmen und Monopolgewinne herangezogen werden. Dadurch würde genug Geld zusammen kommen, und es wäre durch die Umverteilung von oben nach unten eine gerechte Lösung.

Antwort

Was könnte die Bezieher leistungsloser Einkünfte dazu bewegen, die Spendierhosen anzuziehen? Ein nationales Gesetz? Wer könnte sie am Auswandern hindern, mit samt ihren Vermögen?
Doch vielleicht könnte es doch gelingen. Allerdings wäre es gut, wenn eine aussagekräftige Umfrage zu diesem Thema vorgelegt werden könnte, damit die Bürger sich ein Bild machen können, ob mit der Großzügigkeit des Kapitals zu rechnen ist oder eher Proskriptionen a la Cäsar das realistischere Szenario darstellen. Eine weitere Umfrage unter dem ärmeren Volk sollte gleich der Grad der Barrikadenlust eruieren, damit sich auch die Politik ein möglichst genaues Bild von den bevorstehenden Ereignissen rund um das BGE machen kann.



13. These
Häufig wird kritisiert, dass das Grundeinkommen ohne Gegenleistung ausgezahlt werden soll. Wer gegen leistungslose Einkommen ist, sollte aber besser an den Kapitaleinkünften Anstoß nehmen, die ebenfalls ohne Gegenleistung bezogen werden. Während das BGE demokratisch beschlossen ist, gleichmäßig an alle verteilt wird und existenzielle Bedürfnisse absichert, sind Kapitaleinkommen undemokratisch, extrem ungleich verteilt und wachsen immer schneller.

Antwort
Der erste Satz und der letzte Halbsatz sind richtig. Jeder freiwirtschaftlich sensibilisierte Mensch wird dem zustimmen. Der demokratische Beschluss des BGE ist jedoch eine unausgegorene Idee. Dass es gleichmäßig an alle verteilt werden soll, kann kein freiwirtschaftlich denkender Mensch so richtig unterstützen, weil dies heißt, dass wir Frau Klatten jedes Jahr zu ihren Milliarden Euros an Zinsgewinnen noch weitere Euros aus dem Gesamtarbeitseinkommen der Bevölkerung überweisen. Als Ausgleich quasi für die stark erhöhte Mehrwertsteuer. Und die existenziellen Bedürfnisse kann ein BGE gerade nicht absichern. Die Absicherung der Existenz ist zu allererst von einer funktionierenden Währung, einem stabilen Preisniveau abhängig. Ohne professionelle Währungspolitik (Freigeld) ist „Existenzsicherung“ leider nicht zu haben, egal welche Verteilungsmodelle man sich ausdenkt.

14. These
Eine weitere sinnvolle Möglichkeit, neben anderen Steuern, ist die Finanzierung aus einer Ressourcensteuer. Sie wäre der eleganteste Weg, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz gleichzeitig zu erreichen. Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch gehen zurück, wenn sie besteuert werden. Wenn die Steuereinnahmen anschließend gleichmäßig an alle verteilt werden, werden automatisch Vielverbraucher bestraft und umweltbewusstes Verhalten belohnt. Eine solche Ökosteuer würde von der Bevölkerung akzeptiert werden.

Antwort
Diese These ist besonders schön, weil Sie Eleganz mit ins Spiel bringt. Ein Hauch von Coco Chanel tut immer gut. Allerdings wird der Arbeitsalltag unzählig vieler Menschen ganz anders riechen, als eine trocken formulierte Ressourcensteuer so vermuten lässt. Zunächst einmal muss darüber befunden werden, was denn alles für wen eine Ressource ist. Alleine diese Feststellung wird Abertausende von RessourcensteuerI-nspektoren in alle Herren Länder und jeden Winkel dieser Welt führen. Zuvor allerdings müssten die Inspektoren ausgebildet werden, damit überhaupt etwas bei der Aktion herumkommt. Nun wird also überall auf der ganzen Welt jeder Stoff, der in der Industrie und Produktion zum Einsatz kommt, geprüft, gemessen, abgeschätzt, eintaxiert. Zum Glück verwendet kein Mensch heute mehr Guana-Kot von den Galapagos-Inseln. Die Reise wäre für den Ressourcensteuer-Inspektor bestimmt interessant. Doch wie in aller Welt würde er bloss die durchschnittliche Seevogelschiss-Menge errechnen, inklusive einer verlässlichen Hochrechnung der Populationen? Wie gesagt, Guana kommt als Ressource kaum noch zum Einsatz, das Problem stellt sich eventuell also nicht mehr. Allerdings wird es vermutlich nicht einfacher oder angenehmer andere Ressourcen in ihrem Vorkommen und ihrer Verwendung zu erfassen. Auch die heimischen Wälder müssten durchstreift werden und Bäume, die nicht nur um ihrer selbst willen im Wald stehen, sondern in der Holzindustrie eingesetzt werden in Umfang und Höhe gemessen werden. Für jeden Baum müsste außerdem eine Wachstumsprognose erstellt werden, die Dicke und die Entwicklung von Baumrinden muss dabei gesondert erfasst werden. Wenn die Ressourcensteuer anfällt, dann werden natürlich auch die schwarzen Schafe in der Wirtschaft nicht lange auf sich warten lassen und versuchen, sich die Ressourcen „schwarz und illegal“ zu beschaffen. So kämen wir wahrscheinlich auf einen 16-Stunden-Arbeitstag, müssten doch die Bäume auch noch bewacht werden. Nicht nur die Bäume, auch noch das Wasser allerorten. Und all die anderen Dinge, die in der Produktion Verwendung finden. Einfach unvorstellbar, welche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt die Einführung einer Ressourcensteuer hätte. Denn gerecht und genau soll es ja schon zugehen. Kurz und gut, die Einführung eines BGE würde wahrscheinlich nicht zustande kommen, weil man niemanden, aber auch wirklich niemanden mehr von der Arbeit freistellen könnte. Allerdings muss man die Einführung einer Ressourcensteuer nicht wirklich fürchten, weil die Kosten der Steuererhebungsverfahren die Früchte dieser Steuer in Form der anfallenden  Steuermenge schätzungseise um das 50-fache übersteigen würden. Selbst in Deutschland würde doch wohl zumindest ein Staatssekretär im Finanzministerium vor einem solchen Vorhaben zum Taschenrechner greifen.



15. These
Ein BGE, das auf demokratischem Weg erreicht wurde, befreit von sozialstaatlicher Bevormundung. Es ist ein Modell für mündige Bürger, die selbst am besten wissen, was ihnen gut tut.

Antwort
Wenn das BGE tatsächlich funktionieren würde, dann wäre es völlig gleichgültig, ob es demokratisch eingeführt wurde oder auf dem Weg einer Schenkung aus dem Hause Quandt zustande kommt. Der letztere Fall könnte zwar auch keine Kaufkraftstabilität herstellen und hätte noch größeres Inflationspotential mit im Gepäck, doch es wäre noch „anständiger“, weil es nicht die Lohneinkommen umverteilt, sondern die Zinseinkommen. Die Bevormundung wäre vielleicht nicht mehr das Geschäft der Sozialbehörden, doch dafür wäre es das Geschäft der Finanzämter. Ob von dort ein angenehmere Bürokratie zu erwarten ist, darf getrost bezweifelt werden.
Wenn es nicht das Finanzamt ist, das die Auszahlung des BGE regelt, dann würde es über die Mehrwertsteuer à la Götz Werner finanziert werden und brächte Zölle und Selbstschussanlagen an den Außengrenzen rund um das BGE-Land.


16. These
Das BGE befreit die Menschen von den wirtschaftlichen Abhängigkeiten untereinander und damit voneinander. So müssten z.B. Lebenspartner, die sich nicht mehr verstehen, nicht länger zusammen wohnen. Kinder könnten in die Selbstständigkeit entlassen werden, wenn es ihrer Entwicklung entspricht. Menschen werden in Zukunft zusammen leben, weil sie es wollen, nicht weil sie es müssen.

Antwort
Die Befreiung der Menschen von den wirtschaftlichen Abhängigkeiten untereinander befreit sie tatsächlich sehr schnell voneinander. Die Abhängigkeit unter uns Menschen kann, wenn man sie intellektuell nicht zu verstehen in der Lage ist, in Form der bildhaften Darstellung klar gemacht werden: wer gerne Brötchen isst, ist vom Bäcker abhängig, wer gerne Schuhe trägt, vom Schuhfabrikanten, wer gerne einen PC besitzt, von sehr unterschiedlichen Produzenten. Die Abhängigkeit der Menschen untereinander ist faktisch gegeben. Sie wird zu Unterdrückung und Ausbeutung, wenn das alle Menschen miteinander verbindende Tauschmittel Geld als Zinsgeld konzipiert ist.
Die Lebensrealität von unzähligen Millionen Menschen im Kapitalismus sieht eher so aus, dass sie gezwungenermaßen auseinander gerissen werden und Familien nicht mehr zusammenleben können, weil ein Teil der Eltern auf Job-Wanderschaft gehen muss. Das BGE kann – glücklicherweise – die Abhängigkeit der Menschen untereinander nicht zerstören. Leider auch nicht die Ausbeutung durch Zinsgeld und Privatgrundbesitz, die jene trennt, die sich nicht trennen wollen und die aneinander kettet, die lieber unterschiedliche Wege gehen wollen.

17.These
Wenn alle ein BGE beziehen, können sie ihre Arbeitszeit freiwillig verkürzen, ohne ihre Existenz zu gefährden. Wenn alle weniger arbeiten, kann die Arbeit auch besser verteilt werden. Ein Mindestlohn wird überhaupt nicht mehr nötig sein, weil niemand mehr schlecht bezahlte Arbeit annehmen wird.

Antwort
„Wenn alle weniger arbeiten, dann haben alle etwas Arbeit und ganz tolle dazu, die überdies gut bezahlt ist.“ Könnte dies bitte nicht endlich jemand unserer Regierung und den Gewerkschaften stecken, die irrglauben nämlich, dass die Angelegenheit nicht so ganz einfach wäre.

18. These
Das BGE muss bedingungslos gewährt werden. Es sichert die lebensnotwendige Grundversorgung, und Grundversorgung ist ein Menschenrecht. Menschenrechte sind immer bedingungslos.

Antwort
Wenn schon die ersten Menschen diese Folgerung gemacht hätten („Grundversorgung ist Menschenrecht. Menschenrechte sind bedingungslos, daher ist die Gewährung eines bedingungslosen Grundeinkommens bedingungslos vorzunehmen“), dann gäbe es heute bestimmt niemanden, der diese Forderung erheben könnte!

19.  These
Auch die großen Religionen thematisieren die Gerechtigkeitsfrage. So finden sich z.B. in der christlichen Religion Begründungen für ein BGE. Das biblische Gebot der Nächstenliebe ist die zentrale Botschaft des Neuen Testaments und umfasst auch materielle Bedürfnisse. Echte Liebe ist nur bedingungslos d
enkbar.

Antwort
Aus der bedingungslosen, biblischen Nächstenliebe direkt – d.h. ohne „Umwege“ über volkswirtschaftliche Realitäten und Kompetenzen – die Zahlung eines bedingungslosen Grundeinkommen abzuleiten, muss an einer extremen Ressourcen-Knappheit des Autors liegen. Entweder hatte er zu wenig Zeit, sich mehr Gedanken zu machen, oder Papier und Tinte ginge zu Neige, oder es herrschte ein gravierender Sauerstoffmangel, welcher die Durchblutung des Gehirns beeinträchtig hat.
Zwischen den Aussagen des Neuen Testamentes und den ökonomischen Forderungen für das Jahr 2008 haben mit etwas gutem Willen und einem kleinen bisschen mehr Eifer doch noch ein paar makroökonomische Lehrsätze Platz, die nicht nur die „Gerechtigkeitsfrage“ thematisieren, sondern sogar noch die „soziale Frage“ zu lösen vermögen.



20. These
Zur Bedingungslosigkeit gehört die Auszahlung eines Mindestbetrags in Existenz sichernder Höhe. Wenn das Grundeinkommen zu niedrig ist und zum Leben nicht reicht, gibt es faktisch weiterhin einen Arbeitszwang und keine wirkliche Freiheit. Nicht alle Grundeinkommenskonzepte sind armutsfest, und damit auch nicht wirklich bedingungslos.

Antwort
Nur „armutsfeste“ Grundeinkommenskonzepte erhalten das Prädikat „bedingungslos“. Das ist vornehm ausgedrückt. Deutlicher wird es vielleicht durch eine bildhaftere Version:
„Ohne Wenn und Aber sind mir alle armutsverdächtigen Zustände vom Hals zu halten. Man komme mir nicht mit weniger an, als was ich meine zu brauchen, um sorgenfrei zu leben, wo immer ich will und, wie lange ich will“.

21. These
Bedingungslosigkeit beinhaltet auch das Recht auf Faulheit bzw. Müßiggang. Niemandem darf vorgeschrieben werden, welche Arbeit er tun soll, oder ob er überhaupt zu arbeiten hat. Nur wenn die Möglichkeit besteht, Nein zu sagen, kann es echte Freiheit geben.

Antwort
Richtig. Allerdings schließt dies auch die Freiheit zum Nein derer ein, die ihr „Recht auf Faulheit“ nicht in Anspruch nehmen, jene, die das „Recht auf Faulheit“ in Anspruch nehmen, nicht finanzieren zu müssen.
Es kann davon ausgegangen werden kann, dass die Menschen, die arbeiten, gerne bereit sind, jene am Arbeitseinkommen partizipieren zu lassen, die nicht aus eigener Kraft Einkommen generieren können. Doch ob die Bereitschaft besteht, auch die zu finanzieren, die gerade ihr Recht auf Faulheit realisieren, müsste schon abgefragt werden. Und es müsste die Freiheit bestehen, dieses Anliegen abschlägig zu bescheiden.

22. These
Auch die so genannten Faulenzer sind gesellschaftlich wichtig. Sie sind der lebendige Beweis dafür, dass die Menschen nicht mehr zur Arbeit gezwungen werden können und das Grundeinkommen wirklich bedingungslos ist. Die Möglichkeit des Ausstiegs stärkt die Position der Arbeitenden gegenüber ihren Arbeitsgebern ganz erheblich. Damit wäre das Hauptziel der Gewerkschaften endlich erreicht.

Antwort
Das Hauptziel der Gewerkschaften besteht darin, die gestärkte Position der Arbeitnehmer gegenüber den Arbeitgebern schwarz auf weiß am Lohnzettel nachweisbar machen zu können. Ziel ist ein erhöhter Arbeitsertrag. Arbeitsertrag ist die Menge an Gütern und Dienstleistungen, die sich ein arbeitender Mensch für seinen Lohn kaufen kann.
Die Höhe des Lohnes hängt davon ab, wie hoch der Arbeitsertrag einer Arbeit in anderen Regionen ist. Löhne treiben also nicht „Faulenzer“ in die Höhe, sondern bewegungslustige Menschen, die in Regionen mit höherem Arbeitsertrag abwandern.
Auch sind die Gewerkschaftsfunktionäre und –sekretäre nicht komplett gegen den Schrubber gelaufen und sehen das gewerkschaftliche Endziel darin erreicht, wenn ihre Kassen mangels Masse geschlossen bleiben. Sie müssten dann ja der Gesellschaft als zwangsverpflichtete Faulenzer demonstrieren, wie man durch die eigene Dummheit gerichtet wird.

23. These
Das BGE kann regional eingeführt werden, wenn es politisch gewollt wird. Seinen wahren Sinn erfüllt es aber erst, wenn es als globales soziales Recht weltweit durchgesetzt wird. Dann sichert es das Überleben aller Menschen und schließt niemanden mehr aus.

Antwort
Was heißt hier regional? In Bayern gibt es ein bedingungsloses Grundeinkommen, in Berlin nicht? Wie schnell würde sich Berlin entvölkern und wie eng würde es in Bayern? Oder in der Türkei gibt es ein BGE, in Deutschland nicht? Wie schnell würde sich Deutschland entvölkern und wie eng würde es in der Türkei? Oder in Grönland gibt es ein BGE und im Rest der Welt gibt es das nicht? Wie schnell würde die Welt leer und wie schnell brächten wir das ewige Eis zum schmelzen?
Kann man es überhaupt wagen, das BGE erstmal „regional“ einzuführen? Wie lange braucht es, um in der gesamten Welt das BGE als soziales Recht zu verankern? Von dieser Dauer hängt wohl der Zustand der entvölkerten Regionen ab. Wie schnell erobert sich die Flora und Fauna eine Stadt wie Berlin? Wie lange halten die die Altbauten noch, wenn sie ganz leer stehen. Und wie lange kann Bayern alle Berliner gut ernähren? Wenn aber Hoffnung besteht, dass sich die Welt doch in relativ kurzer Zeit von den Vorzügen des BGE überzeugen lässt, lohnt dann der Umzug nach Bayern oder in die Türkei?
Wer glaubt, mit der Auszahlung einer bestimmten Geldmenge würde das Existenz- oder Ernährungsproblem gelöst werden können (und das auch noch global), der hat eine uralte Erkenntnis der Menschheit aus dem Auge verloren, nämlich die, dass man Geld nicht essen kann! Und die Ernährung auf Holz und Zellstoffe umzustellen, kann nicht gewollt sein.

24. These
Die Einführung eines BGE bedeutet sicherlich nicht das Ende aller Ausbeutung. Es kann aber die Grundlage sein, auf der sich die Menschen von Zwängen befreien können, und es kann Spielräume schaffen für die Weiterentwicklung der gesamten Gesellschaft.

Antwort
Das BGE beendet keinerlei Ausbeutung. Das BGE ist Wegbereiter für die staatlich organisierte Ausbeutung auf höchstem Niveau und der „real existierende Sozialismus“ hat sich auch nur zum globalen Kapitalismus weiterentwickelt.
Die Ausführungen des Autors haben den endgültigen Beweis erbracht, dass man Ökonomie nicht jenen vom „Stamm Nimm“ oder aus dem „Geschlecht Kurzsichtig“ überlassen sollte, sondern denen vom Stamme „Klug und weitsichtig“.

Arbeit ist eine Ware; das Recht auf Arbeit bedeutet soviel, den Staat zwingen zu können, diese Ware abzunehmen, respektive zu kaufen. Der Staat bezahlt die Arbeit, die Ware, mit Geld und der Arbeiter benutzt das Geld, um dafür Lebensmittel einzutauschen. Was macht der Staat mit der Arbeit, mit der Ware, die er von dem Arbeiter abgenommen? Er verkauft sie dem Manne der dem Arbeiter die Lebensmittel für das vom Staate erhaltene Geld lieferte. Der Staat vermittelt also den Austausch zwischen der Ware des Arbeiters mit der des Landwirts. Das Recht auf Arbeit bedeutet somit den Staat zwingen zu können, diesen Austausch zu vermitteln, und um dies tun zu können, muss der Staat seinerseits das Recht haben, von dem Bauer die Abnahme der Ware des Arbeiters zu erzwingen.Recht auf Arbeit bedeutet also soviel, jemand zwingen zu können, sein Eigentum gegen eine x-beliebige andere Ware umtauschen zu müssen. Dies ist ungerecht, denn wenn ich ein Paar Stiefel zum Verkauf habe und möchte dafür eine Uhr erhalten, so wird mich doch niemand zwingen können, die Stiefel für eine Krawatte herzugeben, gegen einen Zylinder, den ich nie gebrauche. Wenn der Mann meine Stiefel haben will, dann soll er mir die Uhr liefern, oder eine andere Ware, die ich brauche, keine Krawatte, und wenn er mir die Uhr liefern kann, dann braucht es keines Zwanges, um mich zum Tausch zu veranlassen.

Wenn heute z. B. die Frauen auf den klugen Gedanken kämen, die Korsette als unmodern zu erklären, so würden jedenfalls die Korsettarbeiter ohne Arbeit sein. Wenn das Recht auf Arbeit bestünde, so wäre doch jedenfalls der Staat verpflichtet, diesen Arbeitern Beschäftigung zu verschaffen, und da diese Arbeiter nur das Korsettfach kennen, so müsste der Staat, um Abnehmer für die Korsette zu haben, das Korsett-Tragen für obligatorisch erklären. Dahin würde das Recht auf Arbeit führen, dass der Staat Arbeiten machen ließe, welche von niemand verlangt werden, Arbeiten die nur gemacht würden, um sie verderben zu lassen.

Die Münzreform sichert jedem Arbeit; so lange eine rostende Banknote im Umlauf ist, ist auch Arbeit vorhanden. Findet ein Mann trotzdem keine Arbeit, dann kann er es keinem Geldmangel zuschreiben, auch keiner Geschäftskrise und Überproduktion, sondern einfach dem Umstand, dass niemand seine Arbeit braucht. Findet ein Totengräber keine Arbeit, dann muss er es dem Umstand zuschreiben, dass keine Menschen sterben und er muss ein anderes Gewerbe erlernen, er hat aber nicht das Recht zu verlangen, dass die Menschen in größerer Menge sterben sollen, nur um ihn zu beschäftigen. Niemand hat das Recht, anderen seine Ware aufzudrängen, auch nicht dem Staate, sondern jeder muss die Wünsche der anderen berücksichtigen und ein anderes Gewerbe erlernen, wenn es notwendig wird. Die Münzreform macht nicht allein eine große Anzahl von Kaufleuten, Bankiers und Rentiers überflüssig, sondern eine noch viel größere Anzahl von Wichse-, Krawatten und Zylinderarbeitern. Alle diese Leute werden Arbeit finden, nicht in ihrem Fache, sondern als Maurer, Landwirte, Gärtner, Astronomen, Soldaten etc. Statt Stiefel zu wichsen, wird der Hausknecht an den großen Linsen riesiger Sterngläser polieren, statt Heringe zu bändigen, wird der Kaufmann als Naturforscher den dunklen Kontinent bereisen.

Silvio Gesell, Band 1, Seite 132


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