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Es kommt vielleicht nicht oft vor, doch dieser Fall zeigt: Auch ein Dalai Lama kann sich gewaltig irren! "Gier, Spekulation und Intransparenz" seien verantwortlich für die globale Wirtschaftskrise. Das sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter dem "manager magazin".

Das marktwirtschaftliche Modell sei zwar dynamischer als eine Planwirtschaft, räumte der Friedensnobelpreisträger ein, doch "Enthusiasmus und globale Verantwortung" sollten nach seiner Meinung die Ökonomie antreiben. Für Vollblut-Ökonomen wird es da eng. Sehr eng. Selbst wenn sie einmal im Jahr zum Kailash pilgern und das „manger magazin“ auf tibetanisch lesen. Was der Dalai Lama hier äußert, ist schlicht und ergreifend falsch.

Gier, Spekulation und Intransparenz sollen für die globale Wirtschaftskrise verantwortlich sein? Ab welchem Jahresgehalt ist man denn gierig? Wenn man sein Vermögen verloren hat, was passiert dann mit der Gier? Wenn weniger zu haben auf weniger Gier hinweisen würde, ist dann die Gier nicht weltweit auf dem Rückzug – jetzt, wo so viele Menschen verarmen? Sollte das kein Grund zur Freude für den Dalai Lama sein? Endlich ein Weg, sich von dieser Geißel der Menschheit zu befreien?
Und die Spekulation? Wie kommt sie in die Welt? Ist das „Spekulieren an Börsen“ eine Charakter-Eigenschaft des Menschen? Wenn nicht, was ist es dann? Wie geht sie vor sich, was hält sie am Leben? Der Dalai Lama kann da wohl nur spekulieren.
Und die Intransparenz? Was meint der Dalai Lama damit? Ginge es in der Wirtschaft besser zu, wenn wir wüssten, was ein Dalai Lama jährlich umsetzt? Wie viel Transparenz würde helfen? Müssten alle alles von allen wissen, um "global verantwortlich" sein zu können?

Und sind die heutigen Manager und Börsianer nicht enthusiastisch? Mehr Enthusiasmus als an der Wallstreet zu Zeiten steigender Börsenwerte ist doch selten bei einer Berufsgruppe zu beobachten. Selbst bei Kirchenkonventen macht man da doch eher die gegenteilige Beobachtung: versammelte Griesgrämigkeit. In den Parlamenten sieht es nicht besser aus.
Bei Buddhisten mag das anders sein. Doch könnten die Buddhisten die Wirtschaft mit ihrem Enthusiasmus und ihrer globalen Verantwortung alleine antreiben? Weg mit der Wallstreet und down with the Downing street: die neue Schaltzentrale für die Wirtschaft wird in den Himalaja verlegt? Es klingt nicht wirklich nach einem Plan, der funktionieren könnte.

Was der Dalai Lama nicht weiß, ist folgendes: Der Mensch kann bleiben wie er ist, denn er ist das perfekte Geschöpf. So steht es zumindest in allen heiligen Büchern der Welt. Auch wenn keiner der verschiedenen Stellvertreter Gottes gänzlich ohne den erhobenen Zeigefinger auskommt. Selbst der nette Dalai Lama nicht.

Der Mensch kann vom Wesen her bleiben wie er ist. Die Wirtschaft hat er sich noch nicht richtig eingerichtet. Das ist unbestritten. Und so wie es ernst zunehmende Erkenntnisse in der Biologie und der Mechanik gibt, so gibt es auch ernst zunehmende Erkenntnisse in der Ökonomie, nach denen man die Wirtschaft einrichten sollte.

Die eine Erkenntnis ist die, dass „Angebot und Nachfrage“ unbestechlich und mit unumstößlicher Verlässlichkeit den Markt regeln. Was angeboten, aber nicht nachgefragt wird, wird wohl keiner wollen. Dann verschwindet es eben wieder. Wenn es allerdings nur pestizidverseuchtes Essen in großen Massen gibt, dann hat die Mehrzahl der Menschen bei noch soviel Enthusiasmus keine Wahl. Wenn nur der Atomstrom billig zu haben ist, wie soll man da die Nachwelt wirksam vor atomarer Verseuchung schützen? Einfach nur das Licht nicht mehr anmachen?
Angebot und Nachfrage regeln alles – oder könnten alles regeln, wenn da nicht das Geld dazwischen funken würde. Womit wir bei der nächsten Erkenntnis wären:  für Geld, unser Tauschmittel, gilt dieses feine und faire Gesetz einfach nicht. Geld ist Monopol und hat immer seinen Preis: den Zins. Und der Zins bringt seine eigene Belohnung gleich mit: den Zinseszins. Praktisch. Geld macht Monopole. Monopole verzerren den Wettbewerb und so müssen wir Menschen beständig wählen: Zwischen Verantwortung für den Globus und einem gefüllten Magen. Jämmerlich wenig Ökostrom für die Milliarden oder weiterhin das Damoklesschwert des Supergau über unseren Köpfen. Daran kann man als einzelner Mensch schon verzweifeln. Dabei soll man aber enthusiastisch bleiben...

Es ist an der Zeit, dass wir aufwachen und mit dem kindischen Gerede über Gier und Bösartigkeit aufhören. Kein Mensch geht mehr in die Kirche und redet von Trollen und Feen. Aber über Ökonomie wissen selbst geistige Schwergewichte vergleichsweise wenig Stimmiges zu berichten. Mögen sie doch schweigen oder zugeben, dass sie mit ihrem Kirchenlatein am Ende sind. Auch in Sanskrit wird das Ganze nur kryptischer.

Es ist wirklich an der Zeit, dass wir uns um unser Tauschmittel kümmern. Es so professionell gestalten, dass es uns in der Weise dienlich ist, wie wir sie für gut und richtig und bekömmlich halten. Ein Tauschmittel, das tauscht und die Monopole überwindet. Ein Tauschmittel, das nicht mehr zum Machtmittel taugt und keinen Armen mehr bis aufs Blut auszusaugen hilft. 20% Zinsen für einen Mikrokredit für Indiens arme Frauen: eine Schande! Auch wenn es dafür den Friedensnobelpreis gab.

Wen wir an dieser Stelle für Null-Prozent Zinsen bei gewaltfreier und fairer Marktwirtschaft begeistern können, der ist uns höchst willkommen. Ob Sie nun Mann oder Frau, akademisch gebildet oder akademisch ungebildet sind. Moslem oder Christ. Jude oder Buddhist. Cholerisch oder ausgeglichen. Enthusiast oder Skeptiker. Träumer oder Realist. Gierig oder ungierig. Alle sind willkommen und werden gebraucht. Beim Reparieren der Wirtschaft. Beim Sanieren besser gesagt.
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