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Zahlreiche Forscher unterschiedlichster Disziplinen haben rund um den Globus 12 Jahre lang geforscht, um die "größten Herausforderungen der Menschheit in den kommenden Jahrzehnten" zu analysieren – und jetzt ihre Ergebnisse vorgelegt. Es handelt sich dabei um das so genannte "Millennium Project".

Wieviel Geld und Manpower dieses Projekt bis jetzt schon verschlungen hat, wird erst gar nicht mit veröffentlicht. Vorgelegt werden nur (!) 6700 Seiten, auf denen insgesamt 15 Menschheitsrisiken aufgelistet werden. Und hier sind sie, unsere "15 terrestrischen Herausforderungen":

1.    Nachhaltige Entwicklung der Welt und Klimawandel
2.    Versorgung mit sauberem Wasser
3.    Bevölkerungswachstum und Ressourcen
4.    Autoritäre Regime und Demokratie
5.    Langfristige Ziele in der Politik einführen
6.    Informationsgesellschaft für alle
7.    Ethisches Wirtschaften, das die Kluft zwischen Arm und Reich verkleinert
8.    Bedrohung durch Krankheitserreger
9.    Behörden und Institutionen handlungsfähiger machen
10.  Ethnische Konflikte, Terrorismus, Massenvernichtungswaffen
11.  Rechte der Frau
12.  Organisierte Kriminalität
13.  Steigender Energiebedarf der Menschheit
14.  Wissenschaftliche und technologische Innovationen zur Verbesserung des Lebens
15.  Ethische Standards als Grundlage globaler Entscheidungen

Bei genauer Betrachtung wäre dieses "Millennium Project" eigentlich nicht unbedingt nötig gewesen. Wer regelmäßig die Dokus auf Arte, Phönix oder N-TV guckt, weiß auch so Bescheid. Ohne sich die 6.700 Seiten auszudrucken. Aber als engagierter Ökonom geht man natürlich sofort die Liste durch und sucht nach dem Punkt, der sich zumindest nach Ökonomie anhört. Unter 7. wird man fündig und… mal wieder herbe enttäuscht: „Ethisches Wirtschaften, das die Kluft zwischen Arm und reich verkleinert“, wird der Menschheit als Herausforderung angetragen.

Spätestens jetzt weiß man, dass man sich auch den Punkt 7 nicht auszudrucken braucht. Ebenso gut kann man sich die Enzyklika „Caritas in veritas“ in der Bücherei holen oder die Interviews des Dalai Lama mit dem manager Magazin lesen. Überall steht das Gleiche drin. Wenn alles Blumige, Romantische und Akademische weg gestrichen ist, bleiben die üblichen Kernaussagen übrig, dass "des Menschen Charakter" das Problem darstellt – seine Gier, sein Geiz, sein Egoismus, seine Aggressivität und Kriegslust und  - was das Ganze dann leider unlösbar macht: seine falsche Prioritätenliste. Da kommt an erster Stelle nämlich immer „das Fressen“ und erst danach „die Moral“.

Aufgabe der Kirche, des Staates und aller guten Menschen (wo sind die eigentlich zu finden?) sei es aber trotzdem, unverzagt den Menschen soweit zu bringen, dass zuerst das Violinkonzert von Vivaldi kommt und danach erst der Gang zum Buffet. Für Afrika muss man das selbstverständlich modifizieren – da kommt vor der Yamswurzel eben zuerst der Trommeltanz. Schwierig. Doch dann steht endlich die Kultur an erster Stelle. Alternativ schaut man erst den anderen beim Essen zu und wartet, bis alle satt sind, bevor man selber isst. Das ist "moralisch einwandfrei", selbst wenn nur das Essen kalt wird, während wir uns "politisch korrekt" verhalten.

Ethisches Wirtschaften könnte aber auch bedeuten, dass man als Gutverdiener eben mal verzichtet und sich nicht das neueste iPhone anschafft, seine Kinder nicht nur in teure Markenklamotten steckt, sondern auch mal solidarisch bei Woolworth shoppen geht. Grundsätzlich müsste der Westen öfters das Licht ausmachen, um Energie zu sparen. Weniger Essen wegwerfen. Mehr Charity, weniger Glamour. Auf gut deutsch: Mehr Suppenküchen und Kleiderkammern, dafür weniger Blockbuster und Modeschauen. Mehr Brot und Butter, dafür weniger „bred and butter“ auf dem Tempelhofer Flughafengelände. Ist auch schwierig, klar. Vor allen Dingen kommt man mit diesem Ansatz wieder in Konflikt mit der Forderung, dass vor dem Magenfüllen das Kultur- und Geistesleben rangieren sollte.

Niemand soll an einer bescheidenen Lebensführung gehindert werden und es soll hier auch weder Verschwendungssucht noch Völlerei das Wort geredet werden. Dennoch sind es unsere Bedürfnisse – die körperliche und die geistigen – die den Motor der Wirtschaft darstellen. Ohne Bedürfnisse und Wünsche keine Produktion. Wozu auch, wenn keiner was will? Und Bedürfnisse sind von Natur aus nach vorne gerichtet. Sie quellen ewig aus uns hervor und verfeinern sich ständig. Sie können nicht an irgendeinem Punkt „angehalten“ werden oder sich rückwärts orientieren. „Früher hatten wir auch keine Computer, da haben wir doch auch gelebt!“ In diesem Artikel finden sie mehr Informationen darüber, wie wir zur Ethik gelangen.

Um zum "State-of-the-future" zurückzukommen: Wir vermissen schmerzlich die Ansage, dass die Menschheit ihr Geld- und Währungsproblem lösen muss. Dringend. Vor allen anderen Dingen. Unser Geld muss funktionieren, denn wir brauchen eine Währung, die unser Wirtschaften weltweit auf ein tragfähiges und verlässliches Fundament stellt. Eine Währung ist eines unserer mächtigsten Werkzeuge beim Lösen all der anderen Probleme. Angefangen von der Umweltzerstörung, bis hin zur Entwicklung zukunftsfähiger Medizin. Selbst der Steinzeitmensch war sich klar, dass er eine gewisse Aufmerksamkeit und Sorgfalt auf die Erstellung seiner Steinkeile verwenden muss, wenn er den Bären erlegen will, der zu den 15 "steinzeitlichen Herausforderungen" gehört haben mag.

Eine Währung zu schaffen erfordert Wissen und Know How. Dieses Wissen ist verfügbar. Erste Experimente in der Geldgeschichte bezeugen den Erfolg. Das Wissen muss verbreitet werden und zwar so lange, bis es im Parlament und bei den Notenbanken ankommt. Oder bis die Wissenden dort angelangen. Wie auch immer.

 

 

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