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Unter diesem Motto ließ sich unsere Bundeskanzlerin von Jugendlichen in der „Welt am Sonntag“ interviewen. Konkret sagte sie zur kinderleichten Gerechtigkeit: „Wir müssen aufpassen, dass derjenige, der den ganzen Tag arbeitet, zum Schluss mehr Geld hat als wenn er nicht arbeitet“.

Würden wir nun sämtliche Untiefen von „Merkel’s logischer Gerechtigkeit“ ausloten, dann kämen wir auch morgen noch nicht zum Arbeiten. Daher lassen wir das und geben zunächst einmal zu bedenken, dass man sich einem hochkomplexen System, wie es unsere Wirtschaft nun mal ist, mit solch einer halbgaren Fadheit nicht nähern kann. Die Textur wirtschaftlicher Prozesse ist garantiert nicht mit dem rechts-links-Häkelmuster von Topflappen zu vergleichen.

Um es kurz zu machen: Wir finden es gar nicht gut, wenn man Kindern oder Jugendlichen solch ein Zeugs erzählt und sie damit ins Labyrinth der ökonomischen Irrlehren schickt. Zumal ohne jeglichen Ariadnefaden. Ob man da noch „gute Absichten“ unterstellen kann, sei dahingestellt. Jedenfalls haben Löhne etwas mit Geld zu tun. Das ist sogar der Kanzlerin bewusst. Dass es dabei um mehr geht, als dass die Löhne „in Geld ausbezahlt“ werden, scheint ihr schon weniger klar zu sein.

Löhne sind Preise – und die werden am Markt gebildet. Mit oder ohne gewählte Gerechtigkeitsaufpasser. Es wird wohl niemanden geben, der von sich ernsthaft behauptet, sich völlig sicher auf dem Gebiet der Preisbildung und Preisentwicklung zu bewegen. Wir haben es heute mit Preisen zu tun, die sich bereits gebildet haben und keiner kann alle Faktoren und Prozesse auflisten, welche zu genau diesen aktuellen Preisen geführt haben. Den Preisen liegen zum Teil auch uralte Tauschverhältnisse zugrunde. Etwa: ein Sack Weizen wird gegen 1 Rinderfell getauscht. Niemals aber gegen 5 Eier, das wäre zuwenig.
Um die Komplexität der Preisbildung zu veranschaulichen, eignet sich hervorragend folgendes Gedankenspiel: Hat man 2 Punkte, so hat man gleichzeitig auch 2 Möglichkeiten von „Verbindung“ und „Nichtverbindung“: Entweder die beiden Punkte sind miteinander verbunden – oder eben nicht. Nimmt man einen dritten Punkt hinzu, dann hat man schon 8 Optionen. Bei vier Punkten steigt diese Zahl auf noch überschaubare 64 Möglichkeiten, beim fünften Punkt schon auf 1025. Noch einen weiteren Punkt dazu – und wir sind schon bei über 30.000 Möglichkeiten angelangt. Spannend wird es ab dem siebten Punkt, der uns nun schon mehr als 2,5 Millionen Möglichkeiten beschert – und der achte Punkt bringt bereits mehrere Billionen Möglichkeiten von „Verbindung“ und „Nichtverbindung“ mit sich.

Und nun kommt unsere Kanzlerin daher und betrachtet zwei Menschen zu einer Zeit: der eine arbeitet, der andere sitzt auf dem Sofa. So betrachtet könnte man sich schon ihrer Meinung anschließen, dass der eine mehr bekommen soll, als der andere. Allerdings müsste man auch wieder genau hinschauen, wer da arbeitet und wer da auf dem Sofa sitzt. Wenn auf dem Sofa der in Rente gegangene Chirurg sitzt, und derjenige, der arbeitet, der Praktikant in der Backstube ist, dann würde bereits an der Stelle der Kanzlerin Gerechtigkeit schwer hinken. Was die Kanzlerin macht, um Gerechtigkeit darzustellen ist Folgendes: sie blendet jegliche Entwicklung aus. Sie reduziert eine Millionenvolk auf zwei Individuen. Sie verkürzt Zeit und Raum quasi auf Bierdeckelgrösse und macht daraus dann ihre Ableitung von Gerechtigkeit. Wenn derjenige, der heute noch in Arbeit ist, mehr bekommt als der Hartz- IV-Bezieher, dann mag der Arbeitende dies als gerecht empfinden. Doch wie verhält es sich mit seinem Empfinden, wenn er morgen auch auf das Sofa zu sitzen kommt – freilich ohne es zu wollen? Ist er dann immer noch einig mit der Kanzlerin und fühlt sich immer noch gerecht behandelt?

Wenn Frau Merkel also die Kanzlerin von 4 Menschen wäre, dann könnte sie deren Verhalten mit Hilfe ihres Physikstudiums vielleicht gerade noch erklären und auch vorherbestimmen. Wenn sie einen Computer dazu nimmt, gelingt es ihr auch noch bei 5 Staatsbürgern. Doch spätestens wenn der Staat mehr als 7 Einwohner hat, nützt auch ein zugeschaltetes Kabinett mit Laptop-Ausstattung nichts mehr. Ebenso wenig wie das Wetter für die kommenden 14 Tage stimmig vorhergesagt werden kann, kann man die Entwicklung der Preise vorhersagen. Es sei denn, wir würden wieder die Planwirtschaft einführen, die Frau Merkel ja bestens bekannt ist. Dann könnte man sagen, dass der Butterpreis bei 1,00 € bleibt. Zumindest so lange wie die Planwirtschaft hält. Und die hält so lange, wie ein unaufhaltsamer Prozess des Niederganges von der Bevölkerung ertragen werden kann. Die Löhne werden ebenfalls festgesetzt. 1.750 € für einen Ingenieur, 850 € für eine Putzfrau – alles gemäß der aktuellen „Gehaltsverordnung“. Doch soweit sind wir noch nicht!

Noch darf hier zu Lande gedacht und ausgesprochen werden, dass Angebot und Nachfrage den Preis regeln. Der Preis ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage: Wird mehr angeboten als nachgefragt, dann sinkt der Preis. Wird mehr nachgefragt als angeboten, dann steigt der Preis. Bedürfnisse und die Nachfrage sind allerdings nicht identisch. Das ist das Problem. Nur Bedürfnisse, die mit Geld vereint sind, stellen tatsächliche Nachfrage dar. Bedürfnisse ohne Geld sind keine Nachfrage und spielen daher für die Preisbildung keine Rolle. Ebenso wenig wie die Ideen unserer Kanzlerin zur „Gerechtigkeit“. Bedürfnisse sind der Anlass für jede Produktion. Produktion erzeugt die Waren, die das Angebot sind. Alle produzierten Waren bilden das Angebot. Jedoch nicht alles von der Notenbank in den Umlauf gebrachte Geld bildet tatsächlich die Nachfrage.

Und da haben wir nun das wirkliche Problem. Denn dieser Umstand sorgt dafür, dass das Mittel, welches die Waren tauschen soll, nicht dem einfachen Gesetz von Angebot und Nachfrage unterworfen ist. Geld kann vom Markt zurückgehalten werden. Und wird es auch. Weil es auch einen „Wertspeicher“ darstellen soll. Und damit spielt es den Waren gegenüber eine Extrawurst, die uns teuer zu stehen kommt. Es beschert uns Monopole und Monopolpreise an der falschen Stelle. Und Wettbewerbsverzerrungen par excellence. Zudem Inflation, Deflation und staatliche Eingriffe, die die monetären Ungleichgewichte zumindest anfänglich und scheinbar ausgleichen sollen.

Eine Karotte, die beim Essen übrig bleibt, landet im Bioeimer. Keiner kann mehr etwas mit ihr anfangen, wenn man nicht gerade ein Kaninchen zum Haustier hat. Geld, das überschüssig ist, weil der Bedarf gedeckt ist, die Wünsche erst einmal erfüllt sind, landet aber unverrottbar im Tresor oder in der Spekulation. Dort macht es nichts – außer sich selbst zu vermehren! Es nimmt NICHT an der Preisbildung teil! Wird immer mehr Geld in den Spekulationskreislauf gezogen, dann steht dem Markt immer weniger preisbildendes Tauschmittel zur Verfügung und die Preise sinken. Müssen sinken. Das zurückgehaltene Geld kann aber jederzeit wieder auf den Markt kommen. Wann? Das weiß keiner ganz genau. Wie gesagt: 2 Punkte machen 2 Möglichkeiten, drei Punkte schon 8…

Überschüssige Karotten stellen kein Problem dar, ebenso wenig wie überschüssige Plastikstühle. Die können eingeschmolzen und wiederverwertet werden. Überschüssiges Geld aber führt zwangsläufig zu Wettbewerbsverzerrungen, Preismanipulationen und verletzt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Das heutige Geld kann, wenn es überschüssig ist, nur Ungerechtigkeiten erzeugen. Wenn das die Kanzlerin verstehen würde…

Wer aber nicht bereit ist, anzuerkennen, dass Wirtschaft entscheidend von der Preisbildung abhängig ist und dass die Preisbildung ein hoch komplexer Bereich ist, der niemals mit dirigistischen Mitteln gestaltet werden kann, der möge bitte seine Finger von Wirtschaftspolitik lassen. Und aufhören, Kindern und Jugendlichen irgendeinen Käse von „Gerechtigkeit“ zu erzählen. Wenn Gerechtigkeit nämlich dadurch herzustellen wäre, dass diejenigen, die den ganzen Tag arbeiten, mehr Geld haben, als jene, die nicht arbeiten (gegenwärtig im Regelfall, weil sie nicht arbeiten dürfen, nicht, weil sie es nicht wollten!) – dann müsste die Kanzlerin doch eigentlich nur die Hartz-IV-Sätze halbieren. Dann hätten wir doppelt soviel Gerechtigkeit wie jetzt! Ganz gerecht ginge es dann bei Hartz-Null zu. Allerdings hätte die Kanzlerin dann wohl auch ziemlich rasch ein recht überschaubares Wahlvolk.

Mit diesem Artikel sei das Thema Preisbildung nur angerissen. Es ist eine ziemliche Herausforderung, dieses Thema zufrieden stellend und umfassend auszuarbeiten. Wir wollen daher momentan nur weitere Unterstützer für unsere Forderung gewinnen: „Geld muss – wie alle Waren – dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterworfen werden!“

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