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Eine Gruppe wohlhabender Menschen in Deutschland hat sich zusammengefunden, und würde gerne etwas von ihrem Reichtum abgeben. Der Vorschlag lautet auf 5% Vermögens- und Einkommensabgabe ab einem Schonvermögen von 500.000 Euro. Auf diese Weise könnten in zwei Jahren circa 50 Milliarden Euro zusammenkommen, die man dann für Bildung, Soziales und Ökologie einsetzen könnte. Hört sich gut an und ist nobel.

Und doch: wir haben es mit einer systemischen Krise zu tun, die dazu führt, dass immer mehr Menschen ihre Arbeit verlieren und verarmen, ohne sich persönlich etwas zuschulden kommen zu lassen. Das ist die eine Gruppe. Die andere Gruppe verzeichnet saftige Vermögenszuwächse aus Kapitalanlagen, auch ohne etwas dafür zu können. Die Vermögen wachsen völlig selbstständig im Schlaf, sofern das Geld nicht im Tresor ruht. Wer in gewisser Weise mit der „normalen“ Bevölkerung noch verbunden ist, dem kann nicht richtig wohl sein, wenn er dabei zuschauen muss, wie immer mehr Stellen vor dem Komma auf seinen Kontoauszügen landen und sich gleichzeitig schon vor der Haustür das Elend der Mitbürger aufzutürmen beginnt. Dieses Unwohlsein nagt bestimmt an der Seele und will beseitigt oder gelindert werden. Das ist eine völlig normale menschliche Reaktion.

Und doch müssen wir uns die Frage stellen, ob diese großzügige Geste tatsächlich helfen kann, uns vom Abgrund einen Schritt nach hinten zu führen. Könnte diese Abgabe, ob nun von wohlhabenden Personen selbst initiiert oder von der politischen Linken gefordert und von der politisch Rechten heimlich unterstützt, dazu beitragen, unser Wirtschaften zu einer erfolgreichen Angelegenheit zu machen und damit das Überleben und den Fortbestand unserer Kultur zu sichern?


Nein, leider nicht.


Wir sind an einem Punkt in der globalen wirtschaftlichen Entwicklung angekommen, an dem wir alle Vorschläge, die keine tatsächliche Lösung darstellen, als solche kennzeichnen und geschwind fallen lassen müssen. Zu diesen Vorschlägen zählt der hasserfüllte Ruf, die Reichen einfach zu enteignen und drauf los zu schlagen. Zu diesen Vorschlägen zählen sämtliche aktuellen Maßnahmen der Politik. Zu diesen Vorschlägen zählen auch alle Appelle, die einen moralisch erneuerten Menschen für die richtige Antwort auf die drohende Katastrophe halten. Und zu diesen Vorschlägen zählt leider auch die Vermögensabgabe-Initiative einer wohlhabenden Gruppe.

Wir sind ökonomisch an einem Punkt angekommen, wo es nicht mehr ausreicht, das Gute zu wollen und bester Absichten zu sein. Unser Geldsystem zerstört unsere Lebensgrundlagen mit mathematisch-präziser Abfolge und es zerstört nicht nur die Lebensgrundlagen der armen Menschen in Afrika und hier, in den "sozialen Brennpunkten" in unserer Nachbarschaft. Nein, es zerstört unser aller Leben und kein Vermögen der Welt kann einen Menschen davor schützen, diesem Schicksal zu entgehen. Auch die Abgabe von Vermögen – selbst wenn man hinter die vorgeschlagenen 5% noch einen Null setzen würde – kann das Problem nicht wirklich lösen.

Es muss verstanden werden, dass die Krise selbst das größte Unrecht am Menschen ist und sich ihre Symptome mit nichts, aber auch gar nichts, in  Gerechtigkeit umwandeln lassen. Es muss nachvollzogen werden, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass sich die Volkswirtschaften mit absoluter Regelmäßigkeit ab einem gewissen Alter immer wieder „zerlegen“ und den erreichten Wohlstand bis auf die Grundmauern zerstören. Zu allen Zeiten und überall auf der Welt. Der Mechanismus, der diese Zerstörungen hervorruft, muss erkannt und ausgeschaltet werden. Die Quelle des Übels muss ausgetrocknet werden. Eine weitere Behandlung der Symptome bringt schon jetzt nichts mehr.

Und doch sind es die wohlhabenden Menschen, die wir erreichen müssen. Sie haben zum einen am meisten zu verlieren und sie verfügen – zumindest noch im Moment – genau über die Ressourcen, die dringend gebraucht werden, um – ja, um die Welt zu retten! Es geht dieses mal um Alles oder Nichts. Denn die Krise ist global und es gibt kein Fleckchen Erde, auf dem nach anderen ökonomischen Spielregeln gespielt wird. Überall das gleiche Drama. Ob 6 Milliarden Menschen verhungern, oder durch Umweltzerstörungen und Umweltvergiftungen vernichtet werden können? Ja. Wenn die Arbeitsteilung zum Erliegen kommt, die Produktionsprozesse unterbrochen werden, dann kommt ein Großteil der Menschen in den Industrienationen nicht mehr an genügend Nahrung heran. Denn wir ernähren uns nicht mehr selbst aus unseren Gärten. Wer lebt heute wirklich autark? Höchstens der Waldschrat!

Wir brauchen Menschen wie William Wilberforce. Er hat sein ganzes Vermögen, sein ganzes Schaffen und all seine Verbindungen dafür eingesetzt, um der Sklaverei ein Ende zu bereiten. Mit ihm war eine Gruppe von weiteren wohlhabenden Bürgen, die ebenso wie er ihre Mittel dafür bereitstellten. Heute versklaven wir uns selbst durch ein Geld, das nicht optimal gestaltet ist und nicht mehr den Anforderungen unserer kulturellen Entwicklung genügt.


Wer zu einer noblen Geste fähig ist, wie die Gruppe der Wohlhabenden bezeugt, der sollte noch mehr in sich selbst sehen und sich zu noch Größerem und Grundlegenderem aufrufen. Wir alle sollten uns zu Größerem aufrufen und den Zustand von Nichtwissen und Nichtwissenwollen aufgeben.

Verantwortlich sind wir alle. Ob reich oder arm.

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