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„Deutschland taumelt und wankt aus der Krise“ oder „Deutschland schleicht sich aus der Krise.“ Soso. Früher wankte und taumelte man im Suff und schlich sich nach großer Blamage von dannen. Heute gehört das Wanken und Taumeln zur Siegerpose und gibt Anlass, das Ende der Rezession zu verkünden.

Und noch im Taumeln und Wanken begriffen, reißt good old Germany mit dem befreundeten und verbrüderten Frankreich die ganze Eurozone mit aus der Talsohle. „Oh wankend Vaterland, wie taumelst du so schön“ könnte diesseits und jenseits des Rheins glatt ein Hit werden. Darüber zu schreiben lohnt sich kaum. Jeder weiß, dass Politiker lügen und in den Medien kaum ein wahres Wort mehr zu finden ist. Aktuell beklagt man sich gerade in dieser Branche über die galoppierende Schwindsucht, denn keiner will mehr so richtig für Lügen bezahlen. Also bestellt man das Zeitungsabo ab. Schuld daran soll aber nur das Internet sein. Nun will man aus sich selbst Casinos machen, um mit den Einnahmen aus Wett- und Glücksspielen irgendwie am Markt zu bleiben. Vom Medienzar zum Lügenbaron. Vom Redakteur zum Losverkäufer. Tolle Karrieren, muss man schon sagen.

Die Meldungen machen einen irgendwie sprachlos. Was soll man auch sagen, wenn in steigenden Firmeninsolvenzen und ergo steigenden Arbeitslosenzahlen der Aufschwung (oder zumindest das Ende des Abschwungs) zu erkennen sein soll? „Die Wirtschaft erholt sich wieder, auch wenn uns der Kahlschlag auf dem Arbeitsmarkt erst noch bevor steht“, das unterstreicht in diesen Tagen jeder Wirtschaftsexperte. Der arbeitslose Mensch fragt sich an dieser Stelle allerdings, was denn genau mit „der Wirtschaft“ gemeint ist. Er selbst, seinesgleichen und die pleite gegangenen Arbeitgeber und ihresgleichen können ja offensichtlich nicht gemeint sein. Wenn die Logik der Wirtschaftsmeldungen auf andere Branchen übergreift, dann werden wir bald im Ärzte-Blatt lesen: „Sieg der Medizin: Patienten werden endlich nicht mehr kränker. Sie sind tot.“

Von hier ab könnte man stundenlang über hirnrissige Meldungen, hilflose Politiker, kurz über "den gesamten systemischen Wahnsinn" schreiben. Wir lassen das, denn wir wollen die Intelligenz unserer Leser nicht beleidigen. Es scheint so zu sein, dass die allermeisten Menschen wissen, dass das dicke Ende erst noch kommt - und so lange halten alle irgendwie still. So lange es eben geht. Wahrscheinlich haben wir es hier mit einer stillen kollektiven Übereinkunft zu tun, gegen die anzugehen, keinen Sinn macht.

Für einen Menschen, der weiß, woher die wirtschaftlichen Probleme kommen – was die Arbeitslosenzahlen und die Firmenpleiten in die Höhe schnellen lässt – ist es schwer, diese kollektive Übereinkunft zu akzeptieren. Noch schwieriger, wenn man die Lösung en Detail kennt. Denn notwendig wäre es nicht, dass wir weltweit von Deflation und Inflation – geschuldet den Währungspfuschereien unserer so genannten Währungshüter - nicht nur bedroht, sondern auch mächtig dezimiert werden. Und keiner kann wissen, ob er oder sie zu den Überlebenden gehören wird und wie sich das Überleben überhaupt gestalten wird. Überflüssig ist aber wohl noch lange nicht unvermeidlich. Und so wird das dicke Ende eben erst noch kommen.

Während wir auf das Währungsdesaster warten, könnten doch noch einige mehr von uns die Zeit nutzen und lernen zu verstehen, dass das dicke Ende nicht notwendig wäre. Vielleicht hilft es weiter, wenn immer mehr Menschen wissen, dass der Zusammenbruch der Weltwirtschaft nicht notwendig ist, um wieder einen Aufschwung zu erzeugen. Ein abgestürztes Flugzeug hat sicherlich und glücklicherweise den steilen Sinkflug hinter sich. Doch wie lange dauert es, bis sich das zerschellte Wrack wieder in die Lüfte erhebt? Wenn die Reperatur im Flugbetrieb möglich ist - sollte man sie dann nicht so schnell wie möglich vornehmen? Unten angekommen hat das Flugzeug wirklich keine Probleme mehr beim Flug, das ist schon richtig. Doch macht es wirklich Sinn, deswegen erst einmal den Absturz abzuwarten? Wollen wir leben oder einfach keine Probleme mehr haben?

In einer Beziehung kann man entweder rechthaben oder glücklich werden. Die Beobachtung trifft auf die gesamte Welt zu. Die Menschheit kann rechthaben über ihre Fehler in der Geldverwaltung und in der Wirtschaftsführung. Keiner wird sich der Welt dabei in den Weg stellen. Auch wir nicht. Doch glücklich wird die Welt dabei unter Garantie nicht. Und verlieren werden wir auch alle. Höchstwahrscheinlich alles. Totalschaden eben.

Wie gesagt, notwendig wäre es nicht. Doch das sagten wir bereits.

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