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Nie war es wahrer denn heute. Die Wahl ist eine Qual. Für alle. Für jene, die sich wählen lassen wollen und für jene, welche die Ersten wählen sollen. Man fragt sich – angesichts der sich abzeichnenden Entwicklungen im Land und in der ganzen Welt – wozu man sich überhaupt mit der Qualwahl befassen soll?

Wer nicht wählen geht, der wähle die Rechten. So wird es verkündet, seit sich im Nachkriegsdeutschland die vorkrieglichen Politakteure neu formiert haben. Ich denke seit 30 Jahren – so lange bin ich schon wahlberechtigt – darüber nach, ob ich tatsächlich die Rechten wähle, wenn ich nicht wähle. Oft hat man mir erklärt, weshalb das so sei. Wegen der hiesigen Wahlgesetze. Wegen des Verhältniswahlrechts, negativem Stimmgewicht, Standardrundungen und solchen Sachen. Doch es wollte mir niemals einleuchten, weshalb ich nur deshalb wählen gehen soll, damit ich nicht die Rechten wähle, indem ich nicht wähle. Irre, der Gedankengang.

30 Jahre, in denen ich versucht habe, die Logik hinter den Dingen zu erkennen. Wer glaubt schon mit Anfang 20, dass sich hinter kompliziertem Gesetzeswerk und hinter detaillierten Statistiken eigentlich Nichts versteckt? Und wer könnte in diesem Alter schon glauben, dass sich das Nichts hinter Gesetzeswerken und Statistikbüchern mit dem Nichts hinter politischen Parolen und Wahlkampfversprechungen deckt?

Heute bin ich mir sicher: Wenn ich nicht wähle, dann wähle ich eben nicht die CDU, nicht die SPD, nicht die FDP, auch nicht die Grünen, nicht die Linken, nicht die Violetten, nicht die Grauen und auch keine andere der 27 zur Bundestagswahl zugelassenen Parteien. Ich wähle nicht! Aber bitte schön, auch nicht die Rechten. Sonst bräuchten sich die REPs doch nicht besonders anzustrengen, um überwältigende Wahlerfolge zu erzielen. Wenn das mit dem „Wählen durch Nichtwählen der Wähler“ so wäre, wieso verkaufen dann die Politiker der CDU, der SPD, der FDP et.al. ihre Seelen, nur um die Wähler zum Gang zur Wahlurne zu stimulieren? Wär` dann doch nicht nötig und der bundesdeutsche Bürger könnte es sich am kommenden Sonntag schön gemütlich machen und in der Glotze verfolgen, wem er ohne zu wählen, seine Stimme gegeben hat. Heute kann man übrigens in Spiegel Online lesen, dass G20 nun unsere neue Weltregierung ist. Da haben wir den Beweis. Keiner ist da irgendwohin zum wählen gegangen und trotzdem haben 6,5 Milliarden Menschen plötzlich eine neue Weltregierung. Also, es geht doch auch ohne Wahlen. Und die Rechten sind es ja auch nicht, die sich auf dem G20 zusammenfinden. Es sind die Falschen, auf sicher.

Ich will schon lange keinem mehr meine Stimme geben. Wem denn auch? Angela Merkel, die mir weismachen will, sie koche am Wochenende und von sich gibt, die Finanzmärkte durchregulieren zu wollen? Superwoman. Steinmeier und Steinbrück, die allen Ernstes auf dem G20 Gipfel die weltweite Finanztransaktionssteuer fordern wollen? Supermen. Nur so zum Spaß: bei den Gesprächen mit Muammar Gaddafi, Ahmedineschad, Netanjahu, Raoul Castro oder auch General Tandja im Niger über eine gemeinsame Fiskalpolitik wäre ich gerne dabei, nur um zu sehen, was dabei rauskommt.

Also, wem sollte ich meine Stimme geben? Etwa der FDP, die zum allerungünstigsten Zeitpunkt von Steuersenkungen faselt? Den Grünen, die zum „deutschen Engagement in Afghanistan“ nicht viel mehr als Nichts zu sagen haben und schon seit 30 Jahren in der Atomfrage den Schalter nicht umlegen können? Einer Linken, die sich selbst für das kleinstmögliche aller bundesdeutschen Wahlübel zu halten scheint, weil sie den Kapitalismus zumindest schon mal verbal attackiert? Oder gar der NPD, die einigen unserer Landsleute Briefe schickt und sie zum Rückwandern in Gegenden aufruft, aus denen sie niemals kamen? Oder doch den Rentnerparteien, die auch nicht wirklich wissen, was den arbeitenden Menschen zwischen 20 und 60 wirklich fehlt, damit sie den Rentner nebst ihren Enkeln zu einem sicheren Auskommen verhelfen können? Und schließlich: soll ich den bibeltreuen Christen meine Stimme geben, die mit den Protagonisten und Helden des Altertums heute einen Staat bauen wollen?

Man kann mir erzählen, was man will, doch aus der Liste kann ich niemanden wählen. Nicht wachen Verstandes. Auch die so genannten kleinen Parteien nicht, denn die haben vielleicht mehr Wut im Bauch, mehr Diät im Geldbeutel denn Diäten auf dem Konto. Doch einiges haben sie mit den etablierten und saturierten Parteien gemeinsam: die Ermangelung eines Konzeptes, das vollständige Fehlen eines Planes, wie die wirtschaftlichen Probleme gelöst werden können und unzählige Logiklöcher im Parteiprogramm.

Stimmen wir den bürgerlichen Parteien zu und bejahen, dass es Unterschiede geben muss. Immer gegeben hat und auch künftig geben wird. Die einen sind eben reicher als die anderen. Der eine hat mehr, der andere weniger. Niemand wird wirklich wollen, dass der Herzchirurg nur soviel verdient wie der Tierpfleger. Zumindest nicht der Patient auf dem OP. Stimmen wir auch den Liberalen zu und bejahen den freien Markt und den ungehinderten Wettbewerb. Stimmen wir auch den Sozialisten zu und bejahen wir Gerechtigkeit und soziale Sicherung. Was die einzelnen Parteien wollen und zu erreichen versuchen ist nicht das, was zu kritisieren wäre. Zu kritisieren ist ihr Dilettantismus und ihre Inkompetenz in punkto Realisierung der Parteiziele!

Keiner wird dort ankommen, wo er ankommen will. Nicht, solange die Zinsfunktion noch in Kraft ist und das Geldsystem dominiert. Nicht, solange unser Tauschmittel zur „Wertaufbewahrung“ missbraucht wird. Nicht, solange wir uns der Ausbeutung durch Zins und Zinseszins anheimgeben und auch noch glauben, daran sei nichts zu ändern. Nicht, solange wir im Geld mehr sehen, als es idealerweise darstellen sollte: den Genius in der Marktwirtschaft, der den Tausch von Gütern und Leistungen absolut zuverlässig und zügig über den gesamten Globus hinweg regelt. Ein Genius, der selbst nichts wert ist, und deshalb so wertvolle Dienste für alle Menschen leisten kann. Solange wir nicht erkennen wollen, dass Papier nun mal nur Papier ist und auch nicht mehr als Papier sein muss, solange werden wir es mit Parteien zu tun haben, die den entstehenden Wirtschaftsirrsinn zu regeln versuchen, mit mehr oder weniger irrsinnigen Methoden. Auf jeden Fall mit Methoden, die dem Misserfolg verpflichtet sind. Denn wäre das Problem der Ausbeutung gelöst, dann gäbe es weit weniger zu regulieren und zu strangulieren als es heute noch der Fall ist.

Yes we can – gilt für alle teilnehmenden Parteien an der Bundestagswahl. Und zwar… Alle und Alles vor die Wand laufen lassen. Yes we can!

 

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