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Jetzt hat es sogar Guido Westerwelle kapiert: Die Antwort auf steigende Staatsausgaben bei sinkenden Staatseinnahmen kann auf keinen Fall „Steuersenkungen“ lauten. Es wird ganz anders gemacht. Und zwar wird neben dem Staatshaushalt ein so genannter Schattenhaushalt gebildet. So kann man seit gestern den Nachrichten und Online-Zeitungen entnehmen.

Im Prinzip ist es die Fortschreibung einer bekannten Schnapsidee: Neben die Bank stellt man die „bad bank“, um toxischen Wertpapiere zu entsorgen. Nun stellt man neben den Staatshaushalt das „bad budget“, in das man einfach die „zuvielen Miesen“ hineinschiebt. Konsequent weitergedacht müsste die Regierung auch noch ein „bad parlament“ etablieren…

Als Journalist überlegt man sich an der Stelle, ob es sich überhaupt lohnt, über solch einen jämmerlichen Blödsinn zu schreiben. Jedem Menschen ist klar, dass so etwas nicht lange gut gehen kann. Einfach die Miesen aus dem Haushaltsplan nehmen und in einen zweiten Plan schreiben. Der erste Plan ist für die Öffentlichkeit gedacht, der zweite eigentlich nur, um ihn verschwinden zu lassen. Bilanzfälschung und Betrug wird so etwas auch genannt.

Die Vergehen unserer Politiker werden immer größer. Zuerst machen sie gemeinsame Sache mit den Geldfälschern in der Bundesbank und der EZB. Wenn die Geldfälscherei dann nicht mehr ausreicht, um den Laden in Schwung zu halten, dann bedient man sich der Bilanzfälschung. Das alles sind Dinge, die vor einer massiven Deflation und vor der Mega-Inflation geschehen. Man kann sie getrost als Menetekel begreifen. So wenig wie 1-Euro-Jobs ein probates Mittel sind, um die Arbeitslosigkeit zu beseitigen, so wenige taugen Schattenhaushalte dazu, die Ökonomie vor dem Zusammenbruch zu retten. Man könnte sogar sagen, dass die Geldfälscherei und die jetzt stattfindende Bilanzfälscherei die Probleme nur vergrößern.

Man kann sich nur wundern, mit welcher „Cleverness“ – Chuzpe wäre wohl das treffendere Wort – unsere Politiker ans Werk gehen. Es ist geradezu ein Meisterstück, das Schwarz-Gelb da gelungen ist: Man erstellt einen blütenreinen, verfassungskonformen Haushalt und kann im Schattenhaushalt dann soviele Schulden machen wie man will. Wenn das die Idee von Westerwelle war, dann hatten wir ihn bis dato gnadenlos unterschätzt. Dann hat er es nämlich wirklich „faustdick hinter den Ohren“ und sein Stern hätte keine Sekunde später am politischen Himmel aufgehen dürfen. Wer von uns wäre schon auf die Idee gekommen, einfach einen Schattenhaushalt aufzustellen, um das Problem der Neuverschuldung so elegant zu „lösen“? Doch wohl keiner. Schließlich sind wir ja auch an einer wirklich funktionierenden Wirtschaft interessiert. Trotzdem: mit dieser Chuzpe kommt die Menschheit nicht wirklich weiter, auch wenn man schon förmlich sehen kann, wie sich die Koalitionäre in Kürze gegenseitig für ihre genialen Haushaltsentscheidungen auf die Schultern klopfen werden.

Wir werden es alle noch erleben: Das Ende der Geldfälscherei, das Ende der Betrügereien in den Parlamenten und Ministerien – und auch das Ende von frisierten Staatsfinanzen! Soviel ist sicher. Das ist der gute Teil der Nachricht. Der schlechte Teil der Nachricht ist, dass es uns allen dabei nicht wirklich gut gehen wird und wir vom Niedergang der korrumpierten Geister nicht unberührt bleiben werden.

„Was ist zu tun?“, werden wir oft gefragt. Und es wäre schön, wenn wir darauf eine einfache Antwort hätten und konkrete Maßnahmen nennen könnten. Doch diese einfache Antwort gibt es nicht. Zu umfassend und gewaltig ist die Störung, die unser Geld aufweist, als dass man dem Übel mit Protestveranstaltungen, Petitionen, Regiogeld-Projekten, Flugblättern oder Youtube-Filmen zu Leibe rücken könnte. Denn der Fehler in unser aller Köpfe beheimatet, wenn wir im Geld nicht nur das Tauschmittel, sondern gleichzeitig auch noch ein „Wertaufbewahrungsmittel“ sehen.

Doch wir kennen die Frage nur zu gut. Auch in uns lodert ein Feuer, wenn wir sehen, zu welcher Tatenlosigkeit wir verdonnert sind. Doch Tatenlosigkeit ist nicht gleichzusetzen mit Machtlosigkeit. Indem wir den Dingen auf den Grund gehen, uns mit der komplexen Materie der Volkswirtschaft aufrichtig befassen, gewinnen wir an Macht. Wir ermächtigen uns selbst in punkto Kompetenz, Logik und Wissenschaftlichkeit in Währungsfragen. Es wird der Zeitpunkt in der Entwicklung kommen, an dem wirkliches Wissen und wirkliches Know How gefragt sind. Der Punkt wird aber erst dann kommen, wenn alle „Cleverness“ nichts mehr nützt und der Euro keinen Cent mehr wert ist. Bis zu diesem Datum muss es noch eine Reihe mehr Menschen geben, die sich der Sache ernsthaft annehmen, damit dann zur richtigen Zeit die richtigen Dinge veranlasst werden können.

Wenn es uns nicht gelingt, die notwendige Ruhe zu bewahren, die das Durchdringen der Thematik erfordert, dann können wir im besten Falle unsere Kräfte in nutzlose Aktionen investieren und machen es den Politikern gleich, die einfach „irgendetwas tun“ müssen, um den Crash noch etwas hinauszuzögern. Mehr kann man auch nicht tun, wenn man das Problem nicht wirklich angehen will oder auch gar nicht angehen kann, weil man die Thematik einfach nicht verstanden hat.

Das „Galileo-Gefühl“ ist und bleibt noch für eine Weile unser treuer Begleiter: Du weißt, dass die Erde rund ist, Du kannst es auch beweisen und doch lebst Du in einer Welt, die Dich zwingt, die Erde als eine Scheibe zu beschreiben. Wer dabei nicht verrückt wird, sondern einen klaren Verstand behält, der hat schon eine reife Leistung erbracht. Und genau darauf wird es irgendwann ankommen.

 

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