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Brüssel hat sich mal wieder was vorgenommen. Nicht weniger als die europaweite Durchplanung der Wirtschaft. Was sich als Misserfolg bei einem halben Land mit etwa 16,5 Millionen Einwohnern auf einer Gesamtfläche von etwas mehr als 100.000 km² erwiesen hat, soll nun aber für 27 Länder mit knapp 500 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von circa 4 Millionen km² funktionieren. Das halbe Land war die DDR, die 27 Länder sind die EU.

In dieser EU läuft momentan sehr viel schief und man braucht gar nicht zu befürchten, dass es schlimmer kommt, denn damit kann man fest rechnen. In Brüssel will man dem Elend natürlich nicht tatenlos zusehen. Eigentlich dürfte es ja gar nicht sein, dass wir wirtschaftliche Probleme haben. Denn der europäische Binnenmarkt mit seinen Freizügigkeiten müsste schon längst dafür gesorgt haben, dass es allen Europäern besser und vor allen Dingen gleichmäßig gut geht. Doch die Wirtschaft hält sich mal wieder nicht an die ökonomische Theorie, an welcher man dafür aber in den Brüsseler Politbüros umso fester festhält. Dumm, aber wahr.

Woran erkennt man in den Glas- und Elfenbeintürmen Brüssels eigentlich, dass etwas schief läuft? Ganz einfach: An den Preisen! Die Preiskommissare in Brüssel wissen ganz genau, was, wo in der EU, wieviel kostet. Skandalös, was beim Vergleich der Preislisten herauskommt. Entgegen der ökonomischen Theorie, die bei einem einheitlichen Markt einheitliche Preise verspricht, differieren die Preise von Land zu Land ganz erheblich. In Portugal ist der Strom billiger als in Deutschland. Dafür ist aber der Benzinpreis in den Niederlanden viel höher als auf Zypern. Und erst die Milchpreise. Bekam der griechische Milcherzeuger vor 3 Jahren stolze 35 Cent für das Kilo Milchprodukt, so bekam im gleichen Zeitraum der britische Milchbauer nur 22,5 Cent. Und seit 2006 sind die Dinge mit der Milch noch viel schlimmer geworden. Denn einige Länder wollen partout die Verbraucher nicht an den sinkenden Preisen auf den Rohstoffmärkten teilhaben lassen.

Da sagt sich Brüssel: So geht das mal gar nicht! Gerechtigkeit für alle muss bis zum gemeinsamen Untergang sein. (Auf der Titanic durften ja schließlich auch nahezu alle untergehen.) Auf die Idee, die ökonomischen Theoreme näher auf Stichhaltigkeit zu untersuchen, kommt man in Brüssel nicht. Man könnte eine solche Untersuchung auch nur schwerlich führen, so ganz ohne Grundverständnis in Fragen der Wirtschaft. Man kann aber Vermutungen anstellen, woran es liegen könnte, dass die Preise sich nicht so verhalten, wie sie sich eigentlich dem Lehrsatz nach verhalten müssten. Konsequenterweise sucht man sich also den Teilbereich aus, von dem man so gut wie keine Ahnung hat – das ist in diesem Fall die Frage, WIE genau sich Preise am Markt eigentlich bilden – und fängt schon mal an, loszulegen. Denn irgendwo dran wird es schon liegen… und schnell hat man einen Grund ausgemacht: Preisabsprachen!

Energiekartelle und Stromkonzerne treffen heimliche und illegale Preisabsprachen. Das wird ihnen zwar immer strikter aus Brüssel verboten – aber die Preise scheint das nicht wirklich zu interessieren. „Tja“, denkt man sich in Brüssel, „da haben wir den Salat.“ Denn die Nahrungsmittelerzeuger haben sich das heimliche Preisabsprechen von den Energiekonzernen abgeguckt und machen den gleichen Mist. Weil die Haushaltsausgaben EU-weit im Durchschnitt für Lebensmittel immerhin 16 % ausmachen (so ein aktueller Spiegel-Online-Text), ist gerade in der jetzigen Krisenzeit dieser Industriezweig auch plankapitalistischen Regelungen aus Brüssel zu unterwerfen. Denn obwohl die Preise am Fallen sind, verabreden sich zum Beispiel in Deutschland die Molkereien und der Einzelhandel zu einer 20prozentigen Preissteigerung für Milchprodukte, die ab kommende Woche die deutschen Verbraucher heimsuchen wird. Und das kann behördlicherseits nicht geduldet werden.

Bis nächste Woche werden die Brüssler Kollegen aber bestimmt nichts gegen diese Preisabsprache machen können. Und so können wir davon ausgehen, dass überall in Deutschland, wo die Tüte Milch auf einmal spürbar teurer wird, ein krimineller Milcherzeuger und ein krimineller Milchverkäufer aufeinander getroffen sind und die Preissteigerung miteinander in gieriger Böswilligkeit ausgeheckt haben. Eigentlich könnten von Lidl bis Edeka und zu den Genossenschaften alle von Brüssel der Preistreiberei angeklagt werden und so könnte der Milchverkauf in Deutschland riskanter werden, als Dope in der Berliner U-Bahn zu verticken.

Doch wird man in Brüssel weitere Nahrungsmittelhersteller ins Visier nehmen müssen, denn auch die Weißbrot-, Mineralwasser-, Hühnereier- und Eiscreme-Hersteller nebst ihren Verkäufern scheinen im Sumpf des Kapitalismus vom Weg abgekommen zu sein. Auch bei diesen Produkten lassen sich unerklärliche Preisdifferenzen feststellen. Vor allen Dingen Preissteigerungen gegen den Trend der fallenden Rohstoffpreise. Wer angeblich Energiegiganten zerschlagen kann, der sieht bestimmt keine große Schwierigkeit darin, der Weißbrotmafia und dem Hühnerei-Kartell den Garaus zu machen. Zum Wohle des Verbrauchers, natürlich.

Doch dienen die Brüssler Spitzen gegen die Nahrungsmittelindustrie wirklich uns, den Verbrauchern? Profitieren wir wirklich von sinkenden Preisen? Dass die Nahrungserzeuger und Bauern von sinkenden Preisen nicht profitieren, haben sie uns in Deutschland und Frankreich schon ziemlich klar gemacht. Sie werden sich doch bestimmt nicht zur Verteidigung der eigenen Gier am Kanzleramt festketten, in den Hungerstreik treten oder die Champs-Élysée in einen Brandherd verwandeln? Die Erzeuger werden durch sinkende Preise derart bedroht, dass ihre Höfe und Betriebe auf dem Spiel stehen. Nun kann man natürlich aus Steuermitteln etwas aushelfen, damit auch der Nichtmilchtrinker seinen Obolus dazu beiträgt, dass uns die Milchbauern erhalten bleiben. Aber vollständig kann man die Verluste und Schäden, die diese Industrie in den vergangenen Monaten hat hinnehmen müssen, nicht ausgleichen. Also müssen die Preise hochgesetzt werden. 20 % mehr für Milchprodukte hört sich für den Verbraucher sehr viel an. Doch wissen wir wirklich genau, wie rot die Zahlen der Milchbauern tatsächlich sind und wie rot sie noch werden dürfen, bevor der Stall geschlossen werden muss? Wie viele Bauern hat man schon in den Spielcasinos dieser Welt ihre Milchgewinne sinnlos verprassen sehen?

Sinkende Preise bedeuten für die Produzenten den Ruin. Für den Verbraucher aber auch. Nur etwas später. Denn eine Milch, die nicht mehr produziert wird, kann man zu keinem Preis kaufen. Irgendwann gibt es dann sowenig Milch, dass die Preise dafür schneller steigen werden, als irgendwelche Preisabsprachen zwischen Molkerei und Einzelhandel überhaupt getroffen werden können. Selbst bei Echtzeitkonferenzen via Skype. Dann haben wir die Inflation und Hyperinflation. Sinkende Preise sind für die Gesamtwirtschaft so etwas wie Dauerregen für die Landwirtschaft. Zuerst freut man sich über das kühlende Nass, doch wenn es einfach nicht mehr aufhören will zu regnen, dann versinkt die gesamte Ernte in den Fluten.

Wenn in Brüssel die Nachrichten eintreffen, dass die Rohstoffpreise im Sinken begriffen sind, dann müssten alle „Aua“ und „Ach, du heiliger Bimbam“ rufen. Denn Rohstoffproduzenten, die in den Ruin getrieben werden, weil sie ihre Kosten nicht mehr über den Verkauf hereinholen können, werden die gesamte Welt im Mark erschüttern. Wer kann sich vorstellen was passiert, wenn zum Beispiel ein Großteil der Kautschukhersteller ausfällt? Oder wenn es nur noch ganz wenige Überlebende in der Holzindustrie gibt? In der Eisen-, Salz- oder Kalkgewinnung? Wenn die Aluminium- oder Kupfergewinnung zum Erliegen kommt?

Unvorstellbar ist das, in der Tat. Und so müssten sinkende Rohstoffpreise jeden vernünftigen Politiker und Ökonomen dazu auffordern, nach der Ursache für die sinkende Preise zu forschen! Nicht, dass die 20prozentige Erhöhung der Milchpreise in Deutschland etwas retten könnte. Doch dafür sorgen zu wollen, dass per Verordnung alle Preise sinken, wenn schon die Preise sinken, das ist noch wahnsinniger. Damit betreiben die EU-Plankapitalisten einfach nur schneller unser aller Selbstmord.

Was müsste also erkannt werden? Es muss schnell verstanden werden, dass die Preise zwangsläufig sinken, wenn sich die umlaufende Bargeldmenge verringert. Und das tut sie. Geld wird dem realen Kreislauf entzogen, versteckt, zurückgehalten, in die Spekulation geschickt. Das ist ein Akt der „wirtschaftlichen Vernunft“, denn schließlich kann man ja mit unserem Geld „mehr Geld“ machen. Und wer das nicht tut, ist blöd. Die Bundesbank kann eine Weile gegen diesen „Vernunft-Trend“ ansteuern und aushelfen, in dem sie mehr Banknoten druckt. Doch vergrößert sie damit nur die Inflationsgefahr. Erzeuger und Verkäufer hingegen können nur versuchen, die Preise am Sinken zu hindern – was  ihnen letztlich auch mit der kriminellsten Absprache aller Zeiten nicht gelingen wird. Trotzdem stehen sie am Ende noch als die bösen Milchbuben da.

Es ist ein Irrsinn, der da läuft. Völlig planlos will man den Plankapitalismus installieren, anstatt wirklich das zu tun, was „Not-wendig“ ist. Notwendig ist zu allererst, dass die Währungsmacher die 100prozentige und stets wirksame Kontrolle über die ausgegebene Geldmenge bekommen. Wer die Geldmenge sicher kontrollieren und steuern kann, der kann sie dem Warenangebot jederzeit und an jedem Ort der EU problemlos anschmiegen. Die Preise können im Durchschnitt immer stabil gehalten werden. Das ist absolut keine Schwierigkeit, wenn unser Bargeld mit einer Umlaufsicherung ausgestattet ist, die dafür sorgt, dass kein Geldschein untätig irgendwo herumliegt, in der Hoffnung, er biete Sicherheit in der Zukunft oder könne in der Spekulation mehr Geldscheine machen.

Aber auf die Lösung will man in den Währungszentralen nicht kommen, denn dort hat man sich einfach zu sehr an die eigenen Pfuschereien und Fälschereien gewöhnt. Und den Bürokraten in Brüssel ist noch nicht einmal klar, dass sich unsere Wirtschaft niemals an irrwitzige Theorien gehalten hat, sondern immer nur an die schlichten Gesetze von Angebot und Nachfrage. Wer in dieses Gesetz eingreift und es an der Entfaltung hindert, der endet am Ende immer als Tyrann von vielen verelendeten Untertanen. Und das Problem besteht eben darin, dass beim Geld, diesem fundamentalen Bestandteil der Marktwirtschaft, die Entfaltung des Gesetzes von „Angebot und Nachfrage“ von vorne herein ausgehebelt ist. Geld ist der Joker in der Wirtschaft und nimmt eine Sonderstellung ein, die uns alle noch Kopf und Kragen kosten wird. Wirtschaftliche Freiheit ist entweder vollständig – oder es gibt sie nicht! Wirtschaftliche Freiheit auf dem Rücken von Sklaven erreichen zu wollen, ist genauso unmöglich, wie sie mit einem zinstragenden Geld auf bürokratischem und gesetzgeberischem Weg herstellen zu wollen.

Wir können so nicht gewinnen! Was wir für eine Weile haben werden, ist ein Plankapitalismus mit immer mehr verdächtigen Milchbauern und schummelnden Weißbrotbäckern, ständig schrumpfenden Warenmärkten und mehr und mehr verarmenden Verbrauchern. Bis man schließlich weltweit am Ende der Kultur angelangt ist. Es kann sein, dass man in Brüssel arroganterweise meint, man sei klüger als damals in den Schaltzentralen des römischen Reiches. Doch das stimmt nicht! Arroganz muss man sich leisten können – und das trifft auf die Brüssler Kapitalismusregulatoren nicht zu: Sonst müsste es uns europaweit zunehmend und gleichmäßig besser gehen – und das können derzeit nur weniger als 5 Prozent der Bevölkerung von sich behaupten. Welcher Teil der Bevölkerung das ist? Wenn Sie das jetzt nicht so genau wissen, sollten Sie sich ruhig noch ein paar unserer Texte gönnen…

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