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beenden… das wollen Hugo Chavez aus Venezuela und seine Amtgenossen in Kuba, Bolivien, Nicaragua, Honduras und Dominica.

Diese lateinamerikanischen Staaten bilden die so genannten Bündnisstaaten der „Bolivarianischen Alternative für Amerika“ – die ALBA-Staaten. In den Staaten dieses Bündnisses soll in wenigen Monaten der SUCRE (Sistema Único de Compensación Regional de Pagos) dafür sorgen, dass im gemeinsamen Währungs- und Wirtschaftsraum die „Diktatur des Dollars“ beendet wird.

Wir glauben allerdings nicht, dass die Diktatur des Dollars durch Macho-Militär-Brandreden beendet wird. Das ist auch gar nicht nötig, da sich der Dollar in absehbarer Zeit selbst erledigt – ganz genauso wie der Euro. Das haben wir an anderer Stelle klar dargelegt. Doch wird dies Chavez und seine Amtsgenossen nicht daran hindern, dann zu behaupten, dass es der SUCRE gewesen sei, der dem Dollar den letzten Marsch geblasen hat. Schließlich bezeichnen sie den SUCRE schon heute reichlich großmäulig als „Währung“, obwohl es sich de facto lediglich um ein elektronisches Verrechnungssystem handelt, das bestenfalls geeignet ist, den intraregionalen Handel zwischen den ALBA-Staaten nach Art der Bartergeschäfte zu erleichtern.

Öl aus Venezuela für Kokablätter aus Bolivien, Kaffee und Bananen aus Honduras gegen nicaraguanisches Rindfleisch. Und so weiter und so fort. Aber Absprachen über EDV-gestützte Bartergeschäfte machen noch keine Währung! Bartergeschäfte kommen immer dann in Mode, wenn die Währung eben nicht funktioniert. Der SUCRE ist also lediglich der Beweis dafür, dass weder der Dollar noch die nationalen „Papiersorten“ funktionstüchtig genug sind, um den Warenaustausch in Südamerika zu organisieren. Doch das macht aus dem SUCRE noch lange keinen sozialistischen Ökonomie-Gegenentwurf und auch nicht das Mittel, welches die wirtschaftlichen Probleme der Region langfristig lösen könnte.

Wenn man allerdings der Diktatur des Dollars die Dikatur des SUCRE entgegensetzen will, dann müsste der SUCRE nur als Geldschein gedruckt werden. Wenn er dann noch zur rechten Zeit auf den Markt käme, fände er voraussichtlich die notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung. Wobei die „richtige Zeit“ eindeutig vor dem kompletten Dollarverfall liegt, denn wenn dieser völlig versagt, dann bricht nicht nur ein Finanzsystem zusammen, sondern die Weltwirtschaft. Und wenn das passiert, dann hat es jeder Geldschein außerordentlich schwer, das Vertrauen der Menschen zu finden. Dann wird der Tausch mit ganz anderen Dingen organisiert: Mit Kinnhaken und blauen Bohnen! Doch wenn der SUCRE den Dollar abgelöst hätte und nicht mit einer Umlaufsicherung ausgestattet wäre, dann würde er wie jedes Geld fungieren und das Wirtschaftschaos weiter vergrößern, statt die Probleme zu lösen.

Was also haben die Latinos mit dem SUCRE geschaffen? Einen Tauschring der Superlative! Und solche staatlich gelenkten Projekte haben immer für einige Menschen und Bevölkerungsgruppen ihren Vorteil. So werden sich aus den Bartergeschäften zu aller erst jene Gruppen bedienen, die für die gerechte Verteilung der Güter unters Volk sorgen sollen. In der Regel sind das die Militärs und die dahinter stehende Junta. Damit ist klar, dass, bevor der venezolanische Bauer an seine Ration Kaffeebohnen aus Honduras gelangt, viel Wasser den Amazonas hinunter fließt und vor allen Dingen viel Geld in bestimmte Börsen.

Im besten Falle wird mit dem SUCRE ein „gut gemeintes“ Krisenbewältigungsprogramm geschaffen – das sich allerdings in ähnlicher Form schon vor Jahrzehnten im sozialistischen Osten Europas als untauglich erweisen hat. Im schlimmsten Fall ein Instrument, mit dem die „weitsichtige“ Machtclique eines Landes sich bei verschärfender Wirtschaftskrise die eigene Versorgung zu sichern gedenkt. Und dieser schlimmste Fall wird eintreten, wenn nicht über die Einführung eines währungstauglichen Geldes nachgedacht wird.

Hugo Chavez und Evo Morales müssen sich – wie überhaupt alle Staatsmänner und -frauen der Welt – deutlich mehr mit Währungsfragen befassen, wenn sie dem Schicksal entgehen wollen, entgegen ihrer eigenen Sehnsüchte, Versprechen und guten Absichten, zu Marionetten ihrer Regime zu werden, die nichts, aber auch gar nichts Wirksames im Kampf gegen die Ausbeutung des Volkes an der Hand haben und die hungernden Menschen am Ende auch nur niederknüppeln lassen können.

Um die Wirtschaftsprobleme zu lösen, müssen die Menschen mit einem Tauschmittel ausgestattet werden, das seine Tauschkraft über die Zeit behält und nicht durch Währungskrisen wie Inflation und Deflation zerrüttet werden kann. Die kulturelle Weiterentwicklung der Menschheit kann nur in der ökonomischen Emanzipation der Menschheit bestehen – und diese besteht in der Herstellung von „wirtschaftlicher Freiheit“ für den einzelnen Menschen. Geht die Entwicklung nicht in diese Richtung, werden wir allzu bald unsere Daseinsform nicht mehr mit dem Wort „Kultur“ umschreiben wollen, denn dann entziehen wir uns selbst weltweit die Lebensgrundlagen.

Nur die gewalttätigsten und rohesten Menschen werden in diesem Fall überleben – allerdings nicht allzu lange! Denn gegen die Verseuchungen durch eine nicht mehr kontrollierte Atomindustrie – um nur eine der zahlreichen Bedrohungen anzuführen – nützen weder Gewalt noch Rohheit. Die Atomindustrie zu kontrollieren erfordert eine international arbeitsteilige Gesellschaft. Die ist aber nur mit einem funktionierenden Tauschmittel zu haben. Daran führt kein Weg vorbei. Ein funktionierendes Tauschmittel gibt es allerdings nur im Rahmen einer ordentlich funktionierenden Währung.
Hierzu müssen die „Währungsmacher“ und „Währungshüter“ in der Lage sein, die Geldmenge souverän steuern zu können und sie jederzeit dem Warenangebot anpassen zu können. Von dieser Möglichkeit können die Zentralbanken momentan leider nur träumen. Dem deflationären Charakter des heutigen Geldes können die Zentralbanken nur dadurch entgegenwirken, dass sie weiteres Geld drucken und in den Kreislauf gegeben – was am Ende zu Inflation und Geldentwertung führt. Nur wenn wir Menschen zu einem klaren Bewusstsein darüber kommen, wie die Lösung mit einem funktionierenden Geld aussieht, wird sich die ökonomische Katastrophe abwenden lassen. In Lateinamerika ebenso wie im Rest der Welt.

 

Venceremos. Hoffentlich.

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