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Dubai steht wie keine andere Metropole für den kapitalistischen hochprozentigen Renditerausch. Und es könnte gleichzeitig auch das Sinnbild für die kapitalistische Wirtschaftsweise sein: „Alles nur auf Sand gebaut“.

Al Jumeirah – die auf Sand gebaute Palmenwelt – hat einst viele begeisterte Investoren angelockt und stößt sie nun ab. Dubai kann seine Kredite nicht bezahlen, und bittet seine Investoren um Geduld und Zahlungsaufschub. Rund 60 Milliarden Dollar – etwa drei Viertel der Gesamtschulden des Emirates – gehen auf das Konto der Sandpalme.

Auf der Sandpalme ist das Leben weitaus weniger spaßig, als man annehmen möchte, weil selbst das Anpflanzen von Ziersträuchern in dem hauchdünnen Vorgärtchen einer behördlichen Genehmigung bedarf. Zu dem sind die Parzellen, auf denen die Villen stehen, ziemlich eng geschnitten, so dass sich manche Villa den Vergleich mit einer noblen Hundehütte gefallen lassen muss – die allerdings nicht unter einer Million Dollar zu haben war. Manche haben es sich sehr viel mehr Millionen kosten lassen und haben sich einige zusammenhängende Parzellen gekauft, die Hundehütten abgerissen und eine richtige Villa darauf gestellt. Trotzdem laufen schon seit einiger Zeit die Dinge in Dubai nicht wie geplant. Großbaustellen liegen brach, der Parzellenverkauf auf der Sandpalme läuft nicht und einige der Hütten stehen auch schon wieder leer – nachdem sie allerdings im Preis ziemlich gefallen sind. Doch wer will schon eine Hundehütte auf einer untergehenden Sandbank kaufen?

Größenwahnsinnig nannte man das Projekt, verschwenderisch, sinnlos und noch vieles mehr. Und doch können wir den Scheichs dankbar sein, für diese einmalige Gelegenheit, renditeträchtiges Kapital anzulegen. Wäre für Dubai World nicht so viel Kapital eingesammelt worden, dann wäre es wohl nach Kabul oder Bagdad World geflossen – und dort wäre so richtig Bombenstimmung aufgekommen.

Doch nun kommt, was kommen musste. Dubai spricht erstmal von Zahlungsschwierigkeiten und nicht nur Pessimisten wissen, dass damit der Bankrott angekündigt wird. Ob das den beteiligten Schuldennehmern und den beteiligten Investoren nun schon klar ist oder nicht. Nun geht also wieder die Furcht um auf den Finanzmärkten, und erneut sprechen die ersten Finanzexperten davon, dass „keine Gefahr der Ansteckung“ bestünde. Die um Dubai herum angesiedelten Finanzplätze wären nicht in Gefahr, heißt es, denn in Katar und Abu Dhabi stünde „echtes Geld“ dahinter. Von unseren Finanzplätzen will man gar nicht erst reden. Als Lehmann Brothers bankrott ging, da meinte man auch noch einige Zeit, die Finanzwelt in Europa sei geschützt, weil das hiesige Bankensystem robust sei. Doch der Kapitalismus ist keine Krankheit, auch wenn er für die Volkswirtschaften tödlich verläuft.

Die Symptome des Kapitalismus sind weder Viren noch Bakterien geschuldet. Der Kapitalismus ist auch keine Psychologie, auch wenn Börsianer gern und viel von Psychologie im Zusammenhang mit den Aktienwerten sprechen, weil sie sich die Dinge eben anders nicht erklären können. Von einer nicht existenten Ansteckungsgefahr zu reden ist das Gleiche wie von nicht existenten Marsmännchen zu reden. Das unselige Gerede verstellt einfach nur den Blick dafür, wie die Dinge wirklich liegen und wie sie sich entwickeln werden. Überall auf der Welt, nicht nur in Dubai. Überall haben wir auf Sand gebaut und überall werden die Welten einbrechen.

Immer mehr wird in Rüstung investiert werden, denn all das überschüssige Geld will auch weiterhin zinsbringend angelegt werden. Und massive Truppenaufmärsche und ein Vernichtungsfeldzug mit all seinen Soldaten und Kriegsgeräten wird bald einer zunehmenden Zahl von Investoren als die einzig reale Möglichkeit erscheinen, mit dem spekulativ angelegten Vermögen noch mehr Vermögen zu machen. Wie lächerlich wird sich gegen solch einen handfesten Krieg zukünftig ein Sandpalmenprojekt ausnehmen. Und das war die gute Nachricht.

Denn die schlechte Nachricht ist die, dass die ungelösten Währungskrisen immer weitere Teile der realen Wirtschaft zerstören und, dass bei ausbleibenden Renditeversprechen gar kein Kapital mehr auf den Markt gelangt. Dann können wir sogar keinen Krieg mehr führen, weil wir uns ziemlich schnell überall und auch hierzulande mit barbarischen Zuständen konfrontiert sehen werden.

Jetzt kommt aber die wirklich gute Nachricht: Wir könnten das alles verhindern und es muss nicht soweit kommen! Denn die Maßnahmen, die zur Sanierung der Finanzwelt ergriffen werden müssen, sind vielleicht noch nicht populär, aber immerhin bekannt. Dem einen oder anderen Kapitaleigner mag sie zwar noch richtig unsympathisch und unattraktiv vorkommen, doch was soll denn bitteschön attraktiv an einer weltweit zerstörten Wirtschaft sein? Vielen anderen Menschen mögen die Maßnahmen befremdlich und unverständlich erscheinen, doch wer kennt sich schon wirklich aus in Währungsfragen und kann zweifelsfrei behaupteten, dass die Umlaufsicherung auf Bargeld bei gleichzeitiger Steuerung der Geldmenge über einen Index nicht funktionieren würde?

Der „berühmteste Ökonom der Welt“, John Maynard Keynes, hat einmal behauptet, dass nur etwa ein Mensch unter 5 Millionen die mit der Währung zusammenhängenden Fragen vollständig verstehe. Damit dürfte klar sein, dass in diesem Punkt großes Unverständnis und Befremden in der gesamten Bevölkerung herrscht. Doch obwohl die gesamte Welt sich einmal einig darüber war, dass die Erde eine Scheibe ist und die Nachricht, dass sie eine Kugel sei, Jahrhunderte lang Befremden ausgelöst hat, war die Erde dennoch keine Scheibe. Zu keinem Zeitpunkt! Auch Millionen und Milliarden können sich also irren, wenn sie von etwas reden, von dem sie einfach nicht genug verstehen.

Für diejenigen, die sich in den vergangen Monaten immer wieder mit den Währungsfragen befasst haben, bedeutet dies, dass sie sich nicht unbedingt darauf verlassen sollten, in ihrem unmittelbaren Umfeld auf verständige Gesprächspartner zu treffen. Wem dies gelingt, der hat sogar richtig Glück. Dennoch müssen wir alles dransetzen, dass wir selbst immer mehr davon verstehen und gleichzeitig immer mehr Menschen sich in die Materie einarbeiten. Denn niemand kann heute sagen, ob diese Nachrichten aus Dubai diejenigen sind, welche die Beschleunigung des Niedergangs verursachen – oder doch erst eine der noch kommenden.

Alles sieht derzeit nach Sandkasten aus. Sandkastenspiele allerorten, die jedoch böse enden werden und schon lange nicht mehr harmlos sind. Fokussieren wir uns daher auf die Alternative: die Korrekturen am Geldschein, die das Glück der gesamten Welt begründen und die den Unmut der wenigen Zinsgewinner und die schlechte Laune der in ihrem Dienst stehenden Politiker erträglich scheinen lassen.

Dubai sollte uns klarmachen, dass wir die Finanzwelt dringend auf ein solides und reelles Fundament stellen müssen.

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