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Wolfgang Franz, sogenannter Wirtschaftsweiser, macht zum wiederholten Mal den Vorschlag, den Hartz IV-Satz um ein Drittel zu kürzen.

Das geraubte Drittel könne dann wieder obendrauf gepackt werden, indem jeder Harz IV-Bezieher zu einer Arbeit verpflichtet wird. Das wäre dann so eine Art „Kombilohnmodell“ und jetzt ist uns allen klar, dass dieses Wort von Kombizange stammen muss. Denn in Selbige sollen Menschen genommen werden, wenn es nach Wolfgang Franz geht.

„Die Verkäuferin im Supermarkt finanziert diese Vorsorgeleistung über ihre Steuern mit und erwartet zu Recht, dass Empfänger dafür eine Gegenleistung erbringen", so Herr Franz im Wortlaut. Dazu gibt es viel zu sagen. Zum einen muss man die Verkäuferin mit der Lupe suchen, die überhaupt noch einen besteuerungfähigen Verdienst nach Hause bringt. Sie ist meist auch schon in der Kombizange, sprich, muss ihr „Gehalt“ beim JobCenter auf ein Maß erhöhen lassen, das es ihr gerademal ermöglicht, halbwegs bei Kräften zu bleiben. Zum anderen ist es wirklich widerlich, wenn Menschen, die über reichlich Einkommen verfügen – und das übrigens noch völlig zu Unrecht, wenn man es an der erbrachten Leistung misst – so über jene reden, die jeden Tag mehr Leistung zur Verfügung stellen, als sie über den gesamten Monat hinweg an „Gegenleistung“ bekommen.

Doch der wirkliche Skandal ist der, dass nicht schon längst Dummheit besteuert wird! Damit wäre noch wirklich was zu reißen für das Staatssäckel. Herr Franz käme dann in die Steuerklasse 1 plus. Ohne anrechenbare Freibeträge, versteht sich. Denn zeitgleich zu seinem Hartz IV-Kürzungs-Kombilohn-Modell sieht er schwarz, was den Arbeitsmarkt angeht. Obwohl dieser Gedanke in die richtige Richtung geht, könnte er ihn nicht steuermindernd geltend machen – um das gleich klar zu stellen.

Nun fragt man sich also ernsthaft, wo und wie denn dann die Hartz IV-Bezieher „die von der Verkäuferin erwartetet Gegenleistung“ erbringen sollen? Beim Topflappenstricken? Beim Weihnachtssäckchennähen für Kindergärten? Beim Autozählen an verschiedenen Kreuzungen? Beim Regenschirmhalten für 1. Klasse-Bahnkunden auf dem Berliner Hauptbahnhof? Beim Basteln von Verkehrszeichen für Schulen mit der Laubsäge? Beim Durch-den-Kiez-mit-spitzem-Bleistift-und-gezücktem-Mülltagebuch-laufen? Beim Sortieren von Kleiderpaketen in Kleiderkammern? Beim Gemüseputzen in Suppenküchen?

Das alles hat nichts mit Humor zu tun, dafür alles mit der Wirklichkeit. Denn all das sind reale „Einsatzmöglichkeiten“ für Hartz IV-Bezieher in den so genannten 1-Euro-Jobs. Die meisten dieser Hartz IV-Bezieher setzen sich daher auch nicht wirklich ein, sondern sitzen vielmehr aus, was man ihnen eingebrockt hat. Und das spricht für diese Menschen.
Nun kommt Herr Franz daher und will dieses „Programm“ für alle zur Anwendung bringen. Wobei er gar nicht so genau sagt, was denn davon zu erwarten sei. Der Mini-Boom etwa? Das „Bümchen“ sozusagen? Deutlicher erklärt er hingegen, dass nun auch des Nachts die Menschen für die Zinsaufwendungen des Staates ackern sollen. Diese beschreibt er zwar höchst ungenau mit „Staatsdefizit“, doch einem gebildeten Bürger muss man schon lange nicht mehr erklären, dass das Loch in „unser aller Geldbeutel“ im Zinsabfluss besteht. Nachts sollen die Menschen zwar weiterhin mehr verdienen, doch daran soll auch der Staat beteiligt werden, in dem bestehende Steuer-Regelungen außer Kraft gesetzt werden. Damit könne das Staatsdefizit abgebaut werden. Dazu gäbe es auch schon wieder eine Menge zu sagen, denn das Staatsdefizit ist mit nichts – und schon gar nicht mit ein paar Nachtschichten – abzubauen.

Die Zinseszinsfunktion wächst exponential und wer annimmt, dass man durch den Wegfall von Steuerfreiheit für Nacht- und Wochenendarbeit das Defizit abbauen könne, der muss gleichzeitig davon überzeugt sein, dass auch die Nächte und Wochenenden sich exponentiell ausweiten. Toll. In klar definierten Zeitabständen können wir dann sicher mit der Verdoppelung der Nächte, Feiertage und Wochenenden rechnen ;-)

Dieser Vorschlag aus dem Mund eines „Wirtschaftsweisen“! Schlimmer kann es nicht mehr kommen! Jene, die noch arbeiten, sollen nun ungehemmt und rund um die Uhr für die Verzinsung der Kapitalien der Geldgeber arbeiten. Jene, die nicht mehr arbeiten und miternährt werden, sollen im Gegenzug dafür sinnlosen Tätigkeiten nachgehen, bis gar keiner mehr in diesem Lande weiß, ob er Männchen oder Weibchen ist.

Ich wiederhole meinen Vorschlag, Inkompetenz zu besteuern. Und Dreistigkeit soll dabei noch eine extrem steuererhöhende Wirkung haben.

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