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Die Katastrophe in Haiti ist fürchterlich. Ähnlich schlimm wie der Tsunami an Weihnachten 2004 in Asien. Unzählige Tote, noch mehr Verletzte und Obdachlose. Seuchengefahr, wenig Trinkwasser, Hungersnot, Plünderung und unendliches menschliches Leid. Totalschaden.

Aber in Haiti geht es den Menschen nicht erst seit Dienstag 16:53 Uhr Ortszeit schlecht und elendig! In Haiti „essen“ seit längerem schon viele Menschen „Lehmkekse“. Das mit dem Lehm stimmt, die Keksform stimmt auch, man könnte also sagen, die Menschen in Haiti müssen gegen den Hunger Dreck „fressen“. Im wahren Sinne des Wortes.

Die Unterversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ist so gravierend, dass die Nachfrage nach den Keksen aus Lehm beständig angestiegen ist – und somit auch ihr Preis! Etwa 2/3 der Bevölkerung lebt in absoluter Armut und rund die Hälfte der Haitianer ist unterernährt. So sieht das Leben von Abertausenden Menschen in diesem „Paradies“ aus. Ohne Übertreibung.

Über Haiti herrschte einst „Papa Doc“, danach „Baby Doc“ und irgendwann dann auch noch Aristide. Einer so korrupt und unfähig wie der andere. Haiti gilt als zerfallener Staat und in der Hauptstadt Port-au-Prince herrscht der Ausnahmezustand. Oder besser gesagt auf dem Gebiet des Geröllhaufens, das vor wenigen Tagen noch die Inselhauptstadt darstellte. Das alles währt nun schon Jahrzehnte. Und nun wird dieses geschundene Volk von einem Erdbeben erfasst, das schlimmer nicht sein könnte und einen Großteil seiner Bevölkerung aus dem Leben reißt und die Überlebenden  vor größere Probleme stellt, als diese auch nur im Ansatz zu bewältigen in der Lage sind. Nun läuft die internationale Hilfe an und weltweit wird gespendet, was eben geht.

Die Frage ist, wie weit Haiti auch mit internationaler Hilfe in punkto Krisenbewältigung kommt? Wie wird es den Menschen dort in wenigen Tagen, wenigen Wochen, Monaten oder in zwei Jahren gehen? Wohnen dann alle in guten Wohnungen und Häusern? Haben alle genug zu essen? Kann jeder, der will, einer Arbeit nachgehen und vom Einkommen seine Familie ernähren? Gibt es wieder genügend Krankenhäuser und Schulen? Wohl kaum. Denn selbst wenn eine Menge der Gebäude und Infrastruktur in Port-au-Prince wieder neu, und dieses Mal größer und schöner und auch noch erdbebensicher aufgebaut wird, werden genügend Menschen übrig bleiben, die auch weiterhin „Lehmkekse“ gegen den Hunger werden essen müssen.

So vernichtend die Katastrophe auch ist, sie ist immer noch kein „reset“, denn am Leben der Armen und Ärmsten wird sich nach Abzug der Hilfskräfte nichts ändern. Das kann man jetzt schon wissen und irgendwie wissen das auch alle. Die Helfer ebenso wie die Opfer. Wenn also selbst eine solche Katastrophe nicht ausreicht, welches Ereignis könnte dann die Menschheit dazu veranlassen, sich über ein besseres „danach“ qualifizierte Gedanken zu machen? Auch nach dem Tsunami an Weihnachten 2004 hat die Menschheit nicht weiter gedacht als bis zu dem Punkt, an dem Elend und Not, angereichert um gelegentliche Tragödien unglaublichen Ausmaßes, nunmal das unabänderliche Schicksal der Menschen sind, an dem es nichts zu ändern und zu beheben gibt. Wahrscheinlich wird auch dieses Mal so gedacht. Doch diesen Gedanken mangelt es an Stimmigkeit und Richtigkeit. Es gäbe eine Menge zu tun, um die Ausgangslage der Menschheit entscheidend zu verbessern. In einigen Regionen der Welt gäbe es Dringlicheres und mehr zu tun als in anderen – doch besser werden könnte es überall auf der Welt.

Nur das Richtige müsste getan werden!

Aus der Vergangenheit können wir lernen, dass keine internationale Hilfsaktion, keine Millionen aus dem Entwicklungshilfetopf, keine eilig gesammelten Spenden, keine wie auch immer geartete Nahrungsmittelhilfe, kein Blauhelmeinsatz, kein Brunnen- oder landwirtschaftliches Aufforstungsprojekt und auch kein milliardenschwerer IWF-Kredit das Elend und den Hunger stoppen können, sondern die Probleme bestenfalls ein wenig lindern, sie unter Umständen aber sogar verstärken. All diese populären und medial gut begleiteten Maßnahmen setzen nämlich nicht bei der Ursache an, sondern dienen der Symptombekämpfung. Wir lassen den Hunger entstehen, bis er epidemische Ausmaße annimmt und lassen dann unsere Hilfskonvois in Begleitung der Kameras rollen. Nichts gegen Hilfskonvois und nichts gegen Trubel in der Öffentlichkeit. Doch es ist weder klug noch das Einzige, dessen der Mensch fähig ist. Wir könnten die Welt so gestalten, dass alle Menschen ihr Auskommen und ihr Einkommen haben, dass es überall friedlich zugeht, der Handel und die Produktion blühen und unsere kulturellen Unterschiede eine Quelle der Bereicherung darstellen und nicht mehr länger als Kriegsgründe herhalten müssen.

Um die Welt derart erfreulich für alle Menschen zu gestalten, muss die Wirtschaft funktionieren. Das erfolgreiche gesamtwirtschaftliche Zusammenspiel der Kräfte funktioniert dauerhaft aber nur innerhalb bestimmter Parameter. Sobald einer oder einige der bestimmenden Parameter überreizt oder vernachlässigt werden, beginnt sich alles zum Schlechten zu entwickeln. Global. Und einer der bestimmenden Parameter für eine dauerhaft funktionierende Wirtschaft fehlt der Menschheit bis auf den heutigen Tag: ein ausschließlich zum Gütertausch taugliches Geld, das von der richtigen Machart ist und auf die korrekte Weise verwaltet wird: Freigeld.

Freigeld hätte natürlich weder das Erdbeben in Haiti verhindert noch den Tsunami in Asien vor fünf Jahren. Doch in einer Wirtschaft, die wirklich allgemeinen Wohlstand hervorbringt und allen Menschen Chancen eröffnet, hätte das Erdbeben auf Wohngebiete eingewirkt, die erdbebensicher gebaut sind – und zwar nach allen Regeln der Kunst. Und auf Menschen, die sich nicht mehr daran erinnern können, jemals Dreck gefressen zu haben! Es hätte weniger Schaden gegeben und mehr Ressourcen wären direkt vor Ort vorhanden. Und man wüsste schon in der Krise, wie die Wirtschaft danach erneut auf ein tragfähiges Fundament zu stellen ist!

Es würde in einer solchen Lage durch die Währungsbehörde ein neues Freigeld herausgegeben – und zwar so, dass die Geldmenge der noch vorhandenen Gütermenge wieder angemessen gegenübersteht. Das alte Freigeld würde zu einem Wechselkurs, der in etwa dem der prozentualen Warenvernichtung entspricht, in neues Freigeld umgetauscht und nach einem bestimmten Stichtag für ungültig erklärt. Denn wenn plötzlich eine derartige Katastrophe ein halbes Land mit vielen Anlagen und seinen Produktionen vernichtet, dann wäre einfach zuviel Freigeld emittiert, das möglicherweise auch unter den Trümmern verborgen liegt und zum Teil auch zerstört wurde – doch auf jeden Fall befände es sich nicht mehr unter der Kontrolle der Währungsmacher.

Eine Volkswirtschaft, die mit dieser Möglichkeit ausgestattet ist, braucht nicht mehr auf Hilfskredite aus dem Ausland zu horrenden Zinsen zu warten. Sie braucht auch nicht mehr zu befürchten, dass sich schon unter den ersten Helfern jene Herren befinden, die als „Investoren“ kommen und erwarten, dass ihnen als Gegenleistung für ihre Hilfe in der Zukunft das Land gehören wird. Jene, die die Gunst der Stunde für sich zu nutzen wissen und genug Kapital zur Verfügung haben, um ganze Länder aufzukaufen – um sie nachher in „Paradiese“ zu verwandeln, in denen eine Hundehütte nicht unter einer Million zu haben ist und in denen jene Einheimischen sich glücklich schätzen, die den Spüljob in der Küche eines Nobelhotels ergattern.

Denn das ist es, was Haiti nun blüht. Für eine funktionierende Volkswirtschaft ist es einer der wichtigsten Parameter überhaupt, dass das Tauschmittel dem jeweiligen Volumen der Warenproduktion angepasst werden kann. Jederzeit und unter allen Bedingungen. Mit Freigeld ist es möglich, jährlich bis zu etwa 8 Prozent des ausgegebenen Bargeldes wieder einzuziehen (Höhe der Umlaufsicherung). Doch wenn die Warenproduktion aus irgendeinem Grund noch viel stärker schrumpft, dann bekommt man die Geldmenge nicht mehr ohne Inflation in Übereinstimmung mit dem Warenangebot, die Zahnpasta nicht mehr zurück in die Tube. In dieser Situation muss ein neues Geld emittiert werden – und eine Bevölkerung, die vollständig über das Thema „Tauschmittel“ informiert ist, hat damit auch keinerlei Schwierigkeiten.

Für den Euro und all die anderen Währungen, die nun an der Notversorgung und am Ausverkauf und der Übernahme Haitis beteiligt sind oder beteiligt sein wollen, gilt Ähnliches. Die Menge der von den jeweiligen Notenbanken ausgegebenen Dollarnoten, Euros, Rubel oder Yens ist im Verhältnis zur Verfügung stehenden Warenmenge bereits so groß, dass Inflation und Hyperinflation nur noch eine Frage von Zeit sind.
Auch diese Zahnpasta bekommt niemand mehr in die Tube zurück!

Nun können wir an Haiti sehen, wie sich die Dinge entwickeln werden. Was aus Menschen wird, wenn sie kein zivilisiertes Tauschmittel in den Händen haben und wenn das Warenangebot derart gering ist, dass für den Großteil der Bevölkerung nur noch Raub und Totschlag bleiben, um an überlebensnotwendige Güter zu gelangen. Wir werden sehen, wie viele Menschen unter diesen Bedingungen überleben werden, selbst mit „großzügiger“ Hilfe aus dem Ausland.

In unseren Breitengraden werden wir zwar aller Voraussicht nach von Tsunamis und von Erdbeben größerer Stärke verschont bleiben, doch ohne funktionierendes Tauschmittel wird sich auch in unzerstörten Städten der Mob bald gegenseitig jagen und das noch Vorhandene abjagen. Ein nicht funktionierendes Tauschmittel verwandelt jede Volkswirtschaft in eine Wüste, die unerbittlich alles Leben in sich selbst tötet. Ein funktionierendes Tauschmittel hingegen wird in jeder Wüste blühende Oasen hervorbringen und die Welt allerorten ins Paradies verwandeln.

Que sera, sera. Wir Menschen sind es, die genau hierüber entscheiden.

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