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Im Haushalt der Kommunen klafft ein Milliardenloch, im Bundeshaushalt ebenso, bei den Krankenkassen, der Rentenkasse, bei der Arbeitsagentur… überall klaffen gigantische Löcher, die sich eigentlich niemand so recht vorstellen kann.

Woher kommen die Löcher, was bedeuten sie für unser Leben, unsere Gegenwart und für die Zukunft? Was richten Finanzlöcher wirklich an? Was durch Erdbeben verursachte Risse und Spalten in der Erde passieren kann, konnten wir vor wenigen Tagen auf allen Kanälen verfolgen.

Egal wie schlimm es bei uns kommen wird, so schlimm wie auf Haiti wird es bestimmt nicht. Ist das nicht fast schon ein Grund, sich wieder beruhigt zurückzulehnen und in aller Ruhe erst einmal abzuwarten, wie unsere nähere Zukunft genau aussehen wird? Ist angesichts der Geröllbilder aus der Karibik unser deutscher Pessimismus überhaupt angebracht? Könnten wir nicht alle dankbar sein, dass es uns hier noch so gut geht? Sogar die Arbeitslosen – oder gerade die? Musste einer von ihnen bisher Lehmkekse essen? Und hatten bisher nicht alle Untergangspropheten Unrecht? Offensichtlich Unrecht?

In nicht wenigen Köpfen sieht derzeit das gedankliche Innenleben in etwa so aus.

Gegenfrage: Und nun?

Warten wir nun alle ab und harren zuversichtlich der Dinge, auf dass sie nicht so schlimm werden, wie Einige befürchten? Weil niemals etwas so heiß gegessen wie gekocht wird? Oder weil einfach bisher noch auf jedes Jahr das nächste folgte?
Niemand bezweifelt, dass ein Jahr das nächste ablösen wird und ein Sonnenaufgang auf den nächsten folgt. Doch gibt es in der Zukunft noch genügend Kultur, dass dies im Leben auf der Erde weiterhin eine Rolle spielt und noch dokumentiert wird? Reden wir von Kultur und von ihrem Fortbestand. Wenn wir Menschen der Kultur verlustig gehen, dann passiert das, was gerade in Haiti passiert und schon vorher an anderen Orten passiert ist. Zum Beispiel in Ruanda oder im Kongo.

Weil nicht die ganze Welt von einem gigantischen Erdebeben erfasst wurde, kann der Rest der Welt Haiti helfen. Nicht sehr schnell und nicht so, dass viele Opfer erst gar nicht zu beklagen wären, doch immerhin kann einem Teil der Haitianer mit elementaren Dingen wie Wasser, Nahrung, medizinischer Versorgung geholfen werden. Was wäre aber, wenn in den USA, in Europa und Asien das Wirtschaftsleben schon mehr als heute beeinträchtigt wäre? Wenn es in den bisherigen „Geberländern“ noch viel mehr Arbeitslose gäbe und noch viel mehr Fabriken endgültig ihre Tore geschlossen hätten? Wenn eine der großen Währungen schon völlig versagt hätte? Könnte die Welt Haiti immer noch helfen und wenn ja, womit?

Was geschieht, wenn unsere Geld- und Finanzprobleme, die de facto Währungsprobleme sind, zunehmen werden? Womit haben wir wirklich zu rechnen? Wenn der Zaster schlapp macht, das Cash nicht mehr funktioniert? Am schnellsten kann man sich ein Versagen der Währung vorstellen, wenn wir uns alles Geld aus dem Leben wegdenken. Die Scheine im Geldbeutel: nur noch Papierschnipsel. Der Kontostand: nur noch Anspruch auf so und so viele Papierschnipsel. Was bekommt man für Papierschnipsel? Richtig: Nichts. Rien. Et rien ne vas plus.

Wir bekommen gegen die Papierschnipsel also keine Brötchen und keine Butter mehr. Vielleicht kann man noch für einen Weile mit Klunkern einkaufen gehen und ansonsten beim schnellen Aufbau der Schwarzmärkte helfen. Doch wer bezahlt Gasprom? Und wer Seine Hoheit Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum für’s Öl aus den Emiraten? Wie lange halten wir selbst bei eifrigem Tauschhandel und blühenden Schwarzmärkten ohne Gas und Öl durch? Was vermögen wir ohne diese „basics“ mit unserer Wirtschaft? Wie halten wir die internationale Arbeitsteilung aufrecht, wenn wir nicht mehr viel außer Papierschnipsel haben, das sich zum Tauschen anbietet? Gehen wir geschlossen in die Sklaverei? Doch wohin? Wenn auch die Herrscher über Öl und Gas’ keine zivilisierten Einnahmen mehr haben?

Es ist Zeit, dass wir aufwachen und realisieren, worum es derzeit wirklich geht. Es geht weder ums Armsein, noch ums Reichsein – oder um die unmittelbaren Vorzüge und Nachteile für den einzelnen Menschen. Tatsächlich geht es derzeit darum, dass wir uns ein funktionsfähiges Tauschmittel geben, damit wir die Arbeitsteilung und Produktion weltweit aufrechterhalten können. Nur das sichert uns den Fortbestand dessen, was wir Kultur nennen. Bei über 6 Milliarden Weltbevölkerung haben wir diesbezüglich keine Wahl. Eine Rückkehr zum Tauschhandel dezimiert uns auf wenige Millionen „menschenähnliche“ Individuen – bestenfalls.

Wir sind auf ein professionell gemachtes Geld angewiesen. Jeder einzelne Mensch auf Erden, ob ihm das nun bewusst ist oder nicht. Wem der Ernst der Lage bekannt ist, sollte sich immer weiter in die Materie einarbeiten, um sich mit allen erdenklichen Argumenten auszustatten, um eben weniger informierte Zeitgenosse aufklären zu können. Es nützt nichts, wenn wir uns nur über die Hohlheiten unserer Politiker und Wirtschaftsexperten aufregen, dann aber aus Höflichkeit unserem Nachbarn oder der Tante zustimmen, wenn sie mit ökonomischem Unsinn aufwarten.

Die Presse verbreitet aktuell gerade, dass man mit sieben Geboten der Bankenwelt zu Leibe rücken soll. Warum nicht gleich mit den sieben Tibetern? Sind die nicht stärker? Liest man diese „sieben Gebote“, dann scheint es wirklich hoffnungslos zu sein, dass wir via Vernunft und Verstand noch zur richtigen Zeit die richtigen Leute erreichen. Doch das müssen wir. Und wir sollten uns dem auch verpflichten. Denn Erdbeben und Tsunami wird es weiterhin geben. Und wie sollten wir diesen Menschen helfen, wenn wir uns selbst nicht mehr helfen können? Und dies, ohne von Naturkatastrophen heimgesucht zu werden.

Nur geschlagen von unserer Lernunwilligkeit und unserer irrigen Meinung, dass es nichts am Geld zu ändern gäbe und wir „daran“ auch nichts ändern könnten. Unser Problem stellen die Löcher in unserem Kopf dar. Dort, wo sozusagen das Wissen über Geld, Währung und Wirtschaft sitzen sollte, klaffen Löcher. Riesige Löcher. Diese zu schließen, ist immer noch angenehmer als Haiti jetzt neu aufzubauen. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „noch“.

Hören wir auf, irgendwelche Löcher als akzeptabel zu bewerten. Nicht die in unseren Geldbeuteln, noch die in den Geldbeuteln unserer Mitmenschen nah und fern. Auch nicht die Logiklöcher im Denken der Politiker und Wirtschaftsfachleute, ebenso wenig wie die Lücken in unserem Wissen über ein funktionierendes Geld und eine „coole“ Wirtschaftsordnung.

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