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Unser Bundeswirtschaftsminister hat als eine seiner ersten Amtshandlungen eine AG „Wirtschaft“ gegründet. Chapeau, bravo… Herr Brüderle.

Das war aber mal eine gute Idee, eine AG „Wirtschaft“ im Bundeswirtschaftsministerium zu gründen. Nur wird das Ganze leider wieder enttäuschend, wenn man die aktuellen Arbeitsergebnisse dieser AG betrachtet. „Das Entflechtungsgesetz“ hat man sich dort ausgedacht.

Wer nun glaubt, damit würde bald das Straßenbild angenehmer, weil die zerzausten Haarschöpfe von Stadtberbern und heiteren Rasta-Kiffern verboten werden, der irrt. Mit dem Entflechtungsgesetz will man auch nicht gegen die mannigfaltigen Verwirrungen unter den Schädeldecken unserer Politiker angehen, nein, die AG will mit ihrem „Entflechtungsgesetz“ gegen die ganz Großen angehen. Zum Beispiel gegen die Post. Aber auch die Bahn könnte darunter fallen. Der Bahnkunde kann dabei nur hoffen, dass zumindest das Schienennetz von der Entflechtung durch das Gesetz unberührt bleibt und nicht anschließend sämtliche Züge nur noch parallel durch Deutschland fahren.

Auch „Mr. President“ in den USA will auf juristischem Weg gegen Großbanken angehen und sie auf eine „vernünftige Größenordnung“ bringen. Die Strategie, die all diesen Überlegungen zugrunde liegt, muss Folgende sein: Erst lasse man ein Problem gedeihen, in dem man es nicht löst. Man lasse es ins Gigantische wachsen. Bis die gesamte Menschheit kurz vor dem Abgrund steht. Und dann haue man irgendwo drauf und mache so das Problem wieder klein.

Eines ist sicher: Eine erfolgreiche Strategie zur Schaffung einer soliden Währung stellen solche Überlegungen keineswegs dar. Um zu einer funktionierenden Währung zu gelangen, müssen die Probleme mit dem Geld – also mit unserem Tauschmittel – wirklich gelöst werden. Und das ist nur mit Kompetenz in Geld- und Währungsfragen zu machen. Nicht mit Gewalt, nicht mit Gesetzen und schon gar nicht mit gegenseitigen Schuldzuweisungen.

Zumindest scheint die Politik nun etwas von „Monopolismus“ gehört zu haben. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass man im Wirtschaftsministerium in der AG Wirtschaft auch eins und eins richtig zusammenzählen kann. Ganz im Gegenteil. Und man kann dort auch nicht auf des Rätsels Lösung kommen, weil man schon in den Grundannahmen irrt. Die Wirtschaft sei frei und das Ganze ein Kapitalismus, den man staatlicherseits „zügeln“ müsse, weil die Freiheit so grässliche Auswirkungen mit sich bringt – so lautet das allseitige Credo.

Doch die Wirtschaft ist nicht frei. Und weil es so wichtig ist, nochmals:

Die Wirtschaft ist nicht frei!

Die Faktoren „Geld“ und „Boden“ sind monopolbildend. Man könnte sie auch die „Urmonopole“ nennen und ihr Einsatz führt zwangsläufig zur Monopolisierung der Wirtschaft auf breiter Front. Der Geldschein ist privates Gut, ebenso der Boden. Beim Geldschein führen die falschen Besitzverhältnisse dazu, dass jene, die über Geld verfügen, mehr Geld dafür haben wollen, wenn sie es jenen, die nicht über Geld verfügen, „leihen“. Die Zinsfunktion sorgt dann wie von selbst dafür, dass wenige Vermögensberge immer höher anwachsen und im Gegenzug aus immer mehr Menschen „mittellose“ also „geldlose“ Wirtschaftsteilnehmer werden. Es ist im Grunde genommen ein Reality-Monopoly, das da stattfindet.

Wäre das Tauschmittel so konzipiert, dass es nur zum Tauschen eingesetzt werden kann, dann hätten wir ein sozialisiertes Tauschmittel, das gar nicht mehr dazu taugen würde, Vermögenskonzentrationen zu bilden. Es würde keinen Sinn mehr machen, es dem Verkehr zu entziehen und damit den anderen Wirtschaftsteilnehmern vorzuenthalten und es nur gegen „Entgelt“ – sprich Zinsen – wieder in den Kreislauf einzuspeisen. Es würde sich ein allgemeiner Wohlstand bilden, der allerdings immer noch reichlich genug Unterschiede bezüglich der Auspolsterung der Portemonnaies zulassen würde, um keinesfalls mit „sozialistischer Gleichmacherei“ verwechselt zu werden.

Würde es keine durch das Tauschmittel selbst hervorgerufenen Vermögenskonzentrationen mehr geben, dann könnte eine „Dynastie“ noch nicht einmal dann zu einem Monopol heranwachsen, wenn all ihre Angehörigen Jahrhunderte lang fleißig wären und sparsam leben würden. Beim Boden sind die Verhältnisse wohl auch klar: Wer in der Vergangenheit genügend „gewaltbereite“ Vorfahren hatten, die kein Problem damit hatten, sich Land und Ländereien unter dem Nagel zu reißen, der kann sich heute über viel Bodenbesitz freuen. Doch der Boden ist unser aller Lebensgrundlage und macht in den Händen von Großgrundbesitzern wenig Sinn – zumindest, wenn wir eine funktionierende Wirtschaft anstreben.

Boden als Allmende reicht völlig aus, um allen Menschen ein wunderbares Leben zu ermöglichen. Wer die entsprechenden Vorfahren hatte, verfügt heute über eine wirtschaftliche Vormachtstellung, die einer zivilisierten Welt unwürdig ist – und wer diese Vorfahren nicht hatte, der muss sich doppelt so hoch verschulden, um die Erdschicht unter seinem Keller zu kaufen. Völlig unnötig, denn gepachtet wäre genauso gut und wesentlich billiger. Wer noch nicht einmal das Potential hat, sich zu verschulden – wie zum Beispiel die indigenen Menschen in Lateinamerika – der muss neben den Hazienden mit ihren grasenden Rindviechern eben verhungern.

Wie viel Freiheit ist in einer Welt möglich, deren grundlegende Wirtschaftsfaktoren schon von vorne herein als Monopole konstruiert sind und als solche wirken? Und weil die kapitalistische Wirtschaft immer zum Monopolismus strebt, ist die Politik gefordert, die daraus erwachsenden Ungerechtigkeiten und sozialen Spannungen abzumildern. So lange es eben geht. Weil die Zinsfunktion exponential ist, wird der Teil, den die arbeitenden Menschen für die immer weniger werdenden „Geldgeber“ abzweigen müssen, immer größer und die „Maßnahmen“ der Politik immer drastischer. „Sparen“ kann sehr brutale Züge annehmen. Doch auch die völlige Hingabe an einen totalitären Staat, in dem alle „zwangsarbeiten“, um am Ende des Tages ihren Blechnapf gefüllt zu bekommen, verhindert letztlich nicht den Ausgang aller monopolisierten Ökonomien: Den völligen Zusammenbruch von Handel und Produktion.

Zumindest das müsste in der AG „Wirtschaft“ gewusst werden, damit man auf halbwegs intelligente Vorschläge hoffen könnte.
Stattdessen wartet man mit dem „Entflechtungsgesetz“ auf – ein würdiger Nachfolger des „Wachstumsbeschleunigungsgesetzes“. Als Bürger hofft man da schon nahezu verzweifelt auf das „Entledigungsgesetz“, mit dem wir endlich all’ die „Dünnbrettbohrer“ in den Ministerien auf einen Schlag loswerden. Zur Not würden wir auch mit dem „Entsendungsgesetz“ vorlieb nehmen, sofern es erlaubt, Politiker und Experten auf den Mond zu schießen.

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