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Man lasse „Privatwährungen“ zu und der marktwirtschaftliche Wettbewerb wird dazu führen, dass sich die „beste Währung“ behauptet.

Das ist – ungelogen – der ernstgemeinte Beitrag von FDP-Bundestagsmitglied Frank Schäffler zur Wirtschaftskrise. Humba-humba-täterä, täterä, täterä. Man hole eilig eine Bütt und stelle den „Geld-Scheffler“ rein. Denn da gehört er hin. Ganzjährig.

Die Idee mit den Privatwährungen hat Frank Schäffler von Friedrich August von Hayek, der zwar 1992 gestorben ist, aber leider seine ökonomischen Irrtümer nicht mit ins Grab genommen hat. Und so macht nun seine Idee, in „privat emittierten Währungen“ das Heil zu suchen, ihre Runde und Frank Schäffler hat wenig genug wirtschaftliches Verständnis, um sich als Bote für diesen Unsinn zu eignen. Eigentlich könnte einen solcher Nonsense ja völlig kalt lassen, doch da Herr Schäffler zu den von uns bezahlten „Volksvertretern“ gehört, geht es uns nun doch etwas an.

Wer auch immer über „private Währungen“ nachdenkt, sollte sich auf jeden Fall zunächst einmal schlau machen über das Geld- und Währungsgeschäft. Bei seinem aktuellen Wissenstands gleicht Frank Schäffler nämlich einem Tankwart, der sämtliche Treibstoffe in einen Tank schüttet und den Kunden dann erzählt, ab sofort reiche eine Zapfsäule, da sich der beste Treibstoff aus dem Gemisch schon durchsetzen werde. Bei den „Währungen“ sieht das dann in etwa so aus: Die City-Bank gibt Citygeld heraus, die Volksbank „Volksgeld“, die FDP emittiert FDP-Geld, die Goldfans beglücken uns mit Goldgeld und die Regiogeldprojekte erleben ihr Frühlingserwachen und überschwemmen den Markt mit Spreeblüten, Kirschblüten, Oderblüten und anderen Sumpfblüten. Ich persönlich probiere es lieber mit meinem eigenen Geld und Sie können es ja mal mit Ihrem Geld versuchen… allerdings: Lidl akzeptiert nur „Lidl-Geld“ – ohne das gibt es nix…
Und wenn das mit der Marktwirtschaft entgegen Schäfflers Erwartung bei den Währungen dann doch nicht klappt, kann man ja jederzeit einen Hammer mit zum Einkaufen nehmen. Dann hat man immer gleich die „Alternativ-Währung“ zu Hand, getreu dem Motto: „Willst du nicht mein Währungsempfänger sein, schlag ich dir den Schädel ein“…

Für alle, die sich nicht wie eine Kuh aufs Eis ziehen lassen wollen, sei an dieser Stelle noch einmal kurz zusammengefasst, was Geld ist und was Währung. Und wie die beiden zusammenhängen und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit das Geld eine Währung bilden kann. Wir behaupten – und können es auch beweisen – dass wir in der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte noch nie eine Währung hatten und auch die heutigen Geldzeichen wie Euro, Dollar, Rubel und Yen bestenfalls in die Rubrik „Währungspfusch“ gehören.

Geld ist das, was unsere Brieftaschen füllt – abgesehen natürlich von all den Plastikkarten, Videogutscheinen, Visitenkärtchen und alten Kassenbons. Damit sind wir zwar mit Geldscheinen und Münzen ausgestattet, doch keiner käme auf die Idee, zu behaupten, er trüge „Währung“ mit sich herum. Es fragt auch keiner im Laden, wieviel Währung die Brötchen kosten. Und wenn wir in unserer Volkswirtschaft keine Währung haben, dann macht auch die Frage: „In welcher Währung hätten Sie’s denn gern?“ keinen Sinn. Denn keiner hat eine Währung.

Währung ist keine Sache, sondern eine Relation. Und zwar die jederzeit und dauerhaft stabil zu haltende Relation zwischen Warenmenge und umlaufender Geldmenge. Und davon, dass diese Relation gezielt und fachmännisch stabil gehalten wird, kann derzeit ja wohl nicht gesprochen werden. Mal ist es die „Deflationseiszeit“, die ganze Weltreiche erstarren und zerbröseln lässt, dann wieder das „Höllenfeuer der Inflation“, welches am Ende einer „Währungskarriere“ lodert. So lange wir uns also bedrohen lassen müssen von allgemeinen Preissenkungen (Deflation) oder allgemeinen Preissteigerungen (Inflation), können wir nicht ernsthaft behaupten, wir hätten eine Währung. Erst wenn beide Begriffe nur noch im lateinischen Geschichtsbuch zu finden sind, haben wir ökonomisch gewonnen.

Zuvor bedarf es jedoch einiger Korrekturen am Geldwesen. Und keine davon geht auch nur ansatzweise in Richtung „Privatisierung der Geldemission“. Die muss – natürlich – staatlicherseits erfolgen. Wobei mit dem Wort „Staat“ bestimmt nicht die bekannten Organisationen, Behörden und Institute gemeint sind. Erst recht nicht deren Besetzung. Doch die dem Warenangebot gegenüberstehende Menge an Geld muss nicht nur „begrenzbar“, sondern in der Tat auch „begrenzt“ sein, damit überhaupt eine Preisbildung vonstatten gehen kann. Es ist doch gerade die Unmöglichkeit, wirklich „Herr über die Geldmenge“ zu sein – sie also gezielt steuern zu können (bei Bedarf zu erweitern, oder aber auch zu verringern) – die das Preisgefüge so stört und destabilisiert. Und bei der aktuellen Währungsmacherei gilt noch nicht einmal, dass erst viele Köche den Brei verderben – da reicht schon einer, der keine Ahnung hat. Wie sollen „mehr Ahnungslose“ etwas erreichen können, das besser ist als das, was derzeit eine inkompetente Notenbank anrichtet?

Die Geldemission muss aus einer Hand erfolgen! Und zwar aus einer, die absolut keinen privaten Interessen folgt, sondern allein der „Erhaltung des allgemeinen Preisniveaus“ verpflichtet ist. Und dies darf nicht von der „moralischen Verfassung“ eines Menschen abhängig sein – denn wo wäre nach so vielen Jahren Kapitalismus noch ein moralisch einwandfreier Mensch mit dem nötigen Geld- und Wirtschaftswissen zu finden? Das Geld selbst muss so gestaltet sein, dass es nicht mehr dazu taugt, einigen wenigen „Glücklichen“ Vorteile gegenüber anderen Wirtschaftsteilnehmern zu verschaffen. Die „Akkumulationstendenz“ des Geldes muss also aufgehoben werden. Dieses Wunder vollbringt ein so genanntes „umlaufgesichertes Geld“, auch „Freigeld“ genannt. Ein Geld auf jeden Fall, das mit einem Ablaufdatum versehen ist.

Dieser Artikel reicht natürlich nicht aus, um wirklich etwas „vom Währungsmachen“ verstehen zu können, doch sollte er deutlich machen, dass wir mit dem Schäfflerschen „Privatgeld-Theorem“ keine Zeit vergeuden sollten. Die Liste jener Personen, die sich mit einer „Wirtschaftsverbesserungsidee“ blamieren wollen, wird jeden Tag länger und die Ideen werden immer skurriler.

Wir vom CTS-Team wollen uns in den kommenden Wochen und Monaten weniger mit all diesen Narreteien befassen, sondern uns wieder mehr auf das, was erforderlich ist, konzentrieren. Und das heißt: Auf Gesells Ideen und Vorschläge für ein funktionierendes Geldwesen und noch mehr auf jene Überlegungen, wie wir vom „falschen Leben“ ins „richtige Leben“ gelangen. Möglich muss dies ja sein – denn sonst wäre es ja heute schon „abgemacht“, dass die menschliche Kultur bald der Vergangenheit angehören wird. Dafür, dass dies nicht geschieht, leben, schreiben und arbeiten wir.

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