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Dieses Thema wird seit geraumer Zeit mit zunehmender Schärfe und Bitterkeit geführt. Nicht nur Politiker, die im besten Falle nichts mit ihrer Politik erreichen, reden über Leistung und Einkommen, sondern auch ganz normale Bürger, die entweder arbeiten – oder auch nicht mehr.

Auch melden sich einige von jenen zu Wort, die entweder auf „staatliche Transferleistungen“ angewiesen sind oder sie zumindest als festen Bestandteil ihres Budgets betrachten.

Kurz: Viele haben zu diesem Thema eine Meinung und tun diese mehr oder weniger lautstark kund, doch so ziemlich allen – sozusagen der gesamten Republik von rechts nach links – muss man große Informationslücken und zum Teil erschreckende Unkenntnis einfachster ökonomischer Zusammenhänge attestieren. Dennoch glauben alle – oder geben zumindest vor – die Lösung ganz genau zu kennen. Wäre man nur selbst Kanzler oder Regierungspartei…
Wenn in dieser Zeit von Einkommen ohne Leistung oder von so genannten leistungslosen Einkommen die Rede ist, dann werden diese mehr oder weniger in fünf Buchstaben und einer Ziffer zusammengefasst: Hartz 4. Und dann geht sie ab. Die Lucie. In der Diskussion.

Dann wird ziemlich schnell darüber gestritten, ob man den betroffenen Menschen nun mehr oder weniger Geld geben solle, ob zumindest ein Teil der Unterstützung in Warengutscheinen erfolgen könnte und ob man diejenigen, die keinen Job annehmen wollen, ganz vom Tropf des Staates abkoppeln sollte. Manche wissen ganz genau, dass diese Menschen sich doch nur Tabak und Alkohol von der „Sozialknete“ kaufen und deshalb ihre Kinder in die Suppenküche schicken. Andere raten, dass man als Hartz 4er ruhig auch kalt duschen könne, um Kosten zu sparen, oder im Winter einen Pulli mehr überziehen könne.

Und dann mischen sich in diese völlig verfehlten Diskussionen auch noch jene ein, die „ihr Recht auf Faulheit“ einfordern oder vehement ihre Überzeugung verteidigen, dass der Mensch erst im bedingungslosen Zustand seine Kreativität und Arbeitslust entdecke. Es melden sich auch jene, die genug davon haben, für den Empfang von staatlichen Leitungen behördlich gegängelt und getriezt zu werden, oder zur Arbeit gezwungen, obwohl es keine „Arbeit“ gibt, also die „Gegenleistung“ für ihr Hartz 4 in sinnlosen Bastelgruppen oder „Straßen- und Park-Kontroll-Gruppen“ erbringen. Die Maximalforderung dieser Fraktion ist das BGE, das bedingungslose Grundeinkommen. Andere fordern nur die Erhöhung der Hartz 4-Sätze oder die Einführung von Mindestlöhnen oder einfach „mehr Bewusstsein“, höhere Gerechtigkeit und eine bessere Moral. Viel mehr ist nicht zu hören, viel weiter wird nicht gedacht.

Im Grunde genommen geht es immer wieder nur um die Frage, wie die Leistungseinkommen umverteilt werden sollen. Keiner kümmert sich um die wirklich leistungslosen Einkommen. Weil alle glauben, dass Hartz 4 „das leistungslose Einkommen“ par exellence sei. Ist es aber nicht. Hartz 4 ist nicht wirklich das Problem im volkswirtschaftlichen Sinne. Dies bedeutet wiederum nicht, dass die Welt mit Hartz 4 schön ist. Das ist sie nicht. Weder für jene, die mit ihrer Arbeit für Hartz 4 aufkommen, noch für jene, die es beziehen, weil sie keine Arbeit haben. Keiner will wirklich mit dem anderen tauschen. Und das kann ja nur deshalb so sein, weil es keinem richtig gut geht.

Wo also liegt volkswirtschaftlich das Problem? Was sind tatsächlich „leistungslose Einkommen“ und wie müssen sie behandelt werden, damit sie keinen ökonomischen Schaden anrichten? Wir können zwei Einkommensquellen ausmachen, von denen jeder träumt und über die nur jene verfügen, die zu den wirklichen Gewinnern, zu den „richtig Reichen“ gehören. Die eine Quelle sind Zinseinnahmen, die andere Einnahmen aus Grund- und Bodenbesitz. Wer genug Geld hat, um es anzulegen, der kann ohne zu arbeiten, ohne etwas zu leisten, aus seinem Geld mehr Geld machen. Er bekommt Zins und Zinseszins gutgeschrieben. Und wer Grund und Boden hat, braucht auch nicht zu arbeiten, um über ein Einkommen zu verfügen. Er bekommt es frei Haus geliefert. In Form von Pacht und Bodenrente.

Beiden Faktoren sind unabdingbare Ressourcen im Wirtschaftsprozess. Um etwas zu produzieren, etwas herzustellen, etwas zu fertigen, braucht es Kapital und Boden. Beides hat seinen Preis, der an die jeweiligen Eigentümer dieser Ressourcen zu entrichten ist. Wichtig zu wissen ist dabei, dass der Boden immer einen Preis erzielen wird, weil er von Natur aus nicht beliebig vermehrbar ist. Der Preis steigt daher für ein bestimmtes Fleckchen Erde mit wachsender Bevölkerungsdichte immer weiter an. Erst wenn alle von diesem Fleckchen Erde wieder wegziehen, kann der Letzte den ganzen Boden umsonst haben.

Da die Menschheit also darauf angewiesen ist, dass der Zugang zum Boden und zu seinen Schätzen gewährleistet sein muss, macht es keinen Sinn, wenn diese Ressourcen sich in Privatbesitz befinden. Denn dann wird der Preis für den Boden eben nur an diejenigen fließen, die – aus welchen Gründen auch immer – in den Besitz von Grund und Boden gekommen sind. Wie man sich die Aneignung von Boden vorstellen kann, ist in allen Geschichtsbüchern nachzulesen. Wenn der Boden nur wenigen gehört, dann werden auf jeden Fall jene, die keinen Boden besitzen, zur Melkkuh der Bodenbesitzer. Von diesen ausgebeutet, erpresst und übervorteilt. Also kommt es immer zum Streit um den Boden, weil niemand kampflos und ruhig verhungern kann. Und dieser Streit geht immer blutig aus!

Selbst für den deutschen Hausbesitzer macht es wenig Sinn, dass er die Erdfläche unter und um sein Haus sein Privateigentum nennt, welches den Kredit für das Haus nur in astronomische Höhe treibt. Wenn den Hausbesitzer das Zeitliche segnet, dann kann er nichts davon mitnehmen. Also ist es völlig ausreichend, den Boden unterm Keller zu pachten. Das können auch seine Erben so halten, die sein Häuschen vermacht bekommen. Den Bodern „nur“ zu pachten, macht den Hausbau erst wieder erschwinglich. Doch was soll mit den Einnahmen, die der Boden immer erzielt, geschehen? An wen sollen sie gehen, wenn wir keine Großgrundbesitzer mehr haben, denen halb München oder halb Hessen „gehört“?

Weil der Preis des Bodens mit der Bevölkerungsdichte einhergeht ist er ziemlich schnell als „Leistung der Mütter“ (Erziehungs- und Familienarbeit) zu erkennen. Insofern sollte das Einkommen, welches durch den Boden erzielt wird, auch an sie umverteilt werden. Männer sollten davon nichts bekommen – auch wenn die BGE-Fans darüber ganz laut lamentieren werden und schnell von „Benachteiligung“ reden. Tatsächlich aber sollen die Frauen dieses Einkommen auch dafür bekommen, dass sie eben aufgrund ihrer Arbeit für die Familien weniger Leistung auf dem Markt der tauschfähigen Waren und Dienstleistungen erbringen können. Und wenn sie trotz Kindererziehung und Haushalt noch arbeiten gehen, dann sollen sie auch dieses Arbeitseinkommen erhalten. Ob die Frau das umverteilte Bodeneinkommen nun für Kinderbetreuung ausgibt, um auf dem Arbeitsmarkt voll aktiv sein zu können, ob sie es an den Vater abtritt, der an ihrer Statt die Lasten der Kindererziehung auf sich nimmt, sei jeder Frau, jeder Familie selbst überlassen.

Kommen wir zur zweiten Quelle, aus der Gelder sprudeln, ohne dass dafür vom Eigentümer der Quelle etwas geleistet werden müsste. Wer im Besitz von überflüssigem Kapital ist, der verleiht es über die Banken an andere Wirtschaftsteilnehmer weiter. Die sind darauf angewiesen, denn ohne den Faktor Geld in seiner Funktion als Tauschmittel, kommt die Marktwirtschaft zum Erliegen. Wenn wir den Gegenstand betrachten, der seinem Besitzer ein leistungsloses Einkommen verschafft, dann haben wir es mit einem bedruckten Zettel zu tun. Dem Geldschein. Auch der muss nicht im Privatbesitz bleiben, um als Tauschmittel zu funktionieren. Im Gegenteil. Solange der Geldschein nicht sozialisiert ist, wird er tendenziell immer aus dem Wirtschaftskreislauf gezogen und nur gegen Zinszahlung wieder zur Verfügung gestellt. Und das ist der Anfang vom Ende.

Denn die Zinsen müssen ja auch erarbeitet werden. Alles Kapital, das der Wirtschaft für Investionen zur Verfügung gestellt wird, muss verzinst werden. Und die Zinsen dafür werden in die Preise eingerechnet, damit der Unternehmer seine Kredite bedienen kann. Und das bedeutet, dass wir alle Zinsen bezahlen, mit jedem Produkt und jeder Dienstleistung, die wir kaufen. Und wie wir wissen, sind die Zinsen für Kredite nicht gerade mickrig. Und weil die Vermögen im Laufe der Zeit durch Zinseszins immer schneller ins Unermessliche wachsen, fließen aus der Volkswirtschaft auch immer größere Brocken für Zinszahlungen an die Kapitalgeber ab. Das verkleinert den Anteil, der insgesamt für Löhne übrigbleibt. Und das lässt Löhne sinken, mehr Arbeitslose zum Amt rennen und  verringert die Steuereinnahmen des Staates. Der Druck im Kessel steigt und alle denken, dass daran nur die vielen faulen Arbeitslosen oder die gierigen Banker schuld sind. Während alle damit beschäftigt sind aufeinander loszugehen, oder sich sinnlose Maßnahmen wie das BGE auszudenken, läuft die Umverteilung von Arm zu Reich, die der Zins organisiert, munter weiter und der Druck im Kessel steigt an.

Die natürliche Wirtschaftsordnung kümmert sich mit wenigen, aber höchst effektiven Maßnahmen um die Umverteilung der genannten leistungslosen Einkommen: Zins und Bodenrente. Das BGE hingegen will nur die Einkommen aus Leistung an alle wieder „gerecht“ verteilen. Mit der Natürlichen Wirtschaftsordnung wären unsere wirtschaftlichen Probleme im Kern gelöst, mit dem BGE bekämen sie höchstens eine andere Fratze.

Mit der Natürlichen Wirtschaftsordnung hätten wir folgende Vorteile:  die Gelder, die wegen der Nutzung von Boden immer fließen, werden an die Bevölkerungsgruppe umverteilt, die viel arbeiten, ohne bisher ein Einkommen dafür zu erhalten: Mütter. Mit diesem Einkommen erhöhen sich auch ihre Chancen am Arbeitsmarkt, denn mit dem Geld aus der Bodenrente können sie sich jederzeit professionelle und individuelle Kinderbetreuung leisten. Es würden ziemlich viele Familienhilfsprogramme und ein Großteil der Sozialbürokratie wegfallen, wenn wir allen Boden wieder wie Allmende behandeln  würden und die ihm entspringenden Einkommen an die richtige Adresse zurückgeben würden.

Und wir würden jenen Zustand erreichen, den schon die ersten Sozialisten immer angestrebt haben: der vollen Arbeitsertrag für die, die die Leistung bringen. Wenn mit den geeigneten Maßnahmen das Geld- und Währungsproblem gelöst wird, dann werden uns im Laufe der kommenden Generationen zwar die Superreichen und die Dynastien der Mächtigen abhanden kommen, doch dafür werden wir unser Einkommen nicht mehr von vorne herein mit diesen uns unbekannten Geldgebern teilen müssen (wobei den wenigen Geldbesitzern auch noch der Löwenanteil zufällt) sondern der erarbeitete Wohlstand verteilt sich gleichmäßig und höchst gerecht auf alle, die an seinem Zustandekommen beteiligt waren. Und sei es nur durch das Schreiben von Liedchen, die wir auf dem Weg zur Arbeit aus dem MP3-Player trällern lassen. Und das auch noch ohne die Gleichmacherei, welche die marxistische Form der „Lösung“ unweigerlich nach sich ziehen würde. Wie viel Bürokratie, Bildungs- und Sozialverwaltung wegfallen kann, wenn der Wohlstand sich selbst allgemein in der Gesellschaft verteilt, kann sich jeder ausrechnen, der weiß, das auch die heutigen Reichen ihre Kinder lieber in Privatschulen unterrichten lassen, eher den Staranwalt beauftragen, denn Prozesskostenhilfe in Anspruch zu nehmen und sich lieber in Privatkliniken begeben, denn ins „Städtische“, um wieder zu genesen.

Wenn wir also vom falschen Leben ins Richtige gelangen wollen, dann reicht es bei Gott nicht aus, dass wir uns darüber die Köpfe zerbrechen, wie die Leistungseinkommen zu verteilen sind. Das BGE ist nicht genial. Es ist Blödsinn. Ebenso der Mindestlohn, höhere Besteuerung von diesem und jenen oder Steuersenkungen für diese oder jene Bevölkerungsgruppe. Auch die Begrenzung der Bankerboni ist ein lächerliches Vorhaben.

Wir müssen uns um die Umverteilung der leistungslosen Einkommen kümmern!

Und genau das macht die Natürliche Wirtschaftsordnung. An diesen Veränderungen kommt die Menschheit nicht vorbei, wenn sie eine zivilisierte Zukunft haben will.

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