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Irgendwie läuft alles falsch, obwohl es alle „richtig machen“ wollen. Doch „richtig leben“ kann keiner, nicht im Kapitalismus. „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“, beschrieb Adorno seine Wahrnehmung.

Einige können im Kapitalismus schon schön leben, richtig schön sogar. Doch auch sie leben bei genauer Betrachtung und Würdigung ein asoziales und widerwärtiges Leben. Selbst wenn ihnen das nicht klar ist und nach außen hin alles schick aussieht.

Doch wie soll ein Leben als „richtig“ bezeichnet werden, wenn das Leben nur deshalb so schön ist, weil man sich über die Zinsfunktion immer weitere Anteile des Einkommens aus anderer Leute Arbeit aneignen kann? Völlig legal und anonym. Und dass diese anderen Leute bei steigender Arbeitsbelastung immer ärmer werden und immer größeren Mangel leiden, was kann denn daran richtig sein? Und vor allen Dingen: Wie soll das dauerhaft funktionieren?

Es funktioniert natürlich nicht. Für keinen. Weder in Ost, noch in West, weder für Reich, noch für Arm. Reiche Menschen, die in 12 Tagen über 80 Millionen Euro an Zinsgutschriften erhalten – ob sie nun mit dem kleinen Finger geschnippt haben oder auch nicht – haben das Problem, dass sie keinen Kontakt mehr zu jenen Menschen haben, die in dem grassierenden Elend irgendwie existieren müssen. Bevor man seine Firma dicht macht, bevor man an kein ehrlich verdientes Geld mehr herankommt, bevor man sein Leben aushaucht, macht man sich eben krumm. Scheut auch vor kriminellen Machenschaften nicht zurück. Lügt, betrügt, stiehlt, hinterzieht Steuern, schafft Geld zur Seite, schaut zu, wie man sich durchmogelt, zieht andere über den Tisch, lebt vom Steueraufkommen der anderen oder zieht bettelnd durch die Lande.

Reiche Menschen können so etwas nicht nachvollziehen und denken gerne, dass doch jeder „seines Glückes Schmied“ ist und dass es „jeder schaffen kann“, wenn er denn nur wollte und  sich richtig zu benehmen wüsste, das Richtige denken und tun würde und sich ein bisschen mehr Mühe geben würde. Das kann man ja schließlich auch bei jedem teuren Erfolgsseminar hören und in jedem Erfolgshandbuch der vergangenen 100 Jahre nachlesen. Und für diejenigen, bei denen es mit dem richtigen Erfolgsdenken einfach nicht klappen will, gibt es die Politiker, die sich dann verschiedenste Maßnahmen ausdenken, wie man auch den letzten „Hartz IV-Kunden“ in seine persönliche Erfolgsstory zwingen kann.

Nichts ist falsch an der Botschaft, dass sich Erfolg nur mit zielgerichtetem Handeln einstellt. Oder dass „negative“ Gedanken „negative“ Ergebnisse zeitigen. Es ist auch richtig, dass man offen, freundschaftlich und wohlwollend die eigene Umwelt betrachten sollte, wenn man es zu etwas bringen will. Und dass nur wahre Großzügigkeit ein Leben in Fülle und Wohlstand ermöglicht. Doch warum denken das nicht einfach alle? Und warum machen das nicht alle: „Mit dem richtigen Denken zum Millionär“? Denken immer mehr Menschen einfach nur immer negativer? Und steigt deshalb die Arbeitslosenrate immer weiter an und gehen deshalb immer mehr Betriebe bankrott?

Wer bei einem schwarz werdenden Himmel vom „kommenden Regen“ spricht, der sollte nicht als Negativ-Denker verschrien werden. Als einer, der den Regen mit seinem negativen Denken „anzieht“. Denn etwas nicht wahrhaben wollen, etwas ausblenden und ignorieren, kann im Umkehrschluss ja auch nicht als positives Denken bezeichnet werden, nach dem Motto: „Wer nicht an Regen denkt, sorgt für Sonnenschein.“ Oder: „Wer nicht an Arbeitslosigkeit denkt, kurbelt die Konjunktur an.“

Offensichtlich läuft etwas schief und zwar gerade in jenen Bereichen, auf die einzelne Menschen keinen direkten Zugriff und Einfluss haben. Zum Beispiel auf die Währung. Die wir de facto gar nicht haben – doch das beleuchten wir an anderer Stelle. Was sich volkswirtschaftlich ereignet, kann kein einzelner Mensch mit seinem individuellen Verhalten wirklich steuern, selbst wenn wir alle gut gelaunt und schaffensfroh noch vor dem Morgengrauen aufstehen und keiner von uns mehr neidisch wäre. Oder keiner von uns mehr an Regen oder Arbeitslosigkeit denken würde.

Es gibt Dinge, die können nur gemeinschaftlich angegangen werden – und eine davon ist mit Sicherheit die Lösung der Währungsfrage. Eine gut funktionierende Währung verschafft einer Volkswirtschaft das Tauschmittel, das für erfolgreiche und verlässliche Handelsbeziehungen unbedingt gebraucht wird. Erfolgreiche und verlässliche Tauschbeziehungen können nur auf der Grundlage von stabilen Durchschnittspreisen aufgebaut werden, dann aber auf Dauer. Denn mit Durchschnittspreisen, die willent- und wissentlich stabil gehalten werden, verliert die Ausbreitung der Altersarmut ihre Zwanghaftigkeit, ebenso wie die unfreiwillige Arbeitslosigkeit.

Wenn die Preise im Durchschnitt auf Dauer stabil gehalten werden, dann gibt es weder Inflation noch Deflation. Diese Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Wirtschaften kann kein einzelner Mensch herstellen. Das müssen wir uns schon alle wünschen und vorstellen – zumindest in der Mehrheit. Oder auch nur in der so genannten „kritischen Menge“. Wenn wir uns gesellschaftlich dafür entscheiden, dann werden wir perspektivisch natürlich unsere Superreichen verlieren. Die Zinsgewinner. Nicht die eingebildeten und gefühlten Reichen oder die hoch bezahlten Büttel der wirklich Reichen. Nur die wirklichen Zinsgewinner würden wir verlieren. Doch wäre ein Leben nicht richtiger, in dem alle ihre Chance haben und selbst die weniger Strebsamen und Zielorientierten unter uns auch mit relativ einfacher Arbeit ein menschenwürdiges Einkommen erzielen können?

Wieviel Unterschied in Punkto Komfort, Luxus und Bequemlichkeit muss es zwischen den einzelnen Wirtschaftsteilnehmern geben, damit alle sicher und beruhigt sein können, dass sie nicht im Sozialismus leben und dort auch nicht landen werden? Heute sind die ökonomischen Unterschiede schon so groß, dass sich bestimmte gesellschaftliche Schichten seit Generationen gar nicht mehr kennen und Angehörige des menschlichen Geschlechts – trotzt erwiesener Zugehörigkeit zu einer Rasse – gar nicht mehr miteinander zu vergleichen sind. In was könnten sich zum Beispiel Susanne Klatten, Hauptaktionärin von BMW und Marilyn Sweet, Prostituierte in den New Yorker Slums, gleichen? Außer vielleicht in der DNS. Doch um uns allen den bekannten kulturellen Entwicklungsstand zu erhalten, reicht die Übereinstimmung in unserer DNS eben nicht aus.

Menschliche Wesen leiden unter Mangel, verkümmern im Geist und in der Seele und sterben am Ende, wenn sie nicht mit ausreichend Kalorien versorgt werden. Doch zuvor werden sie zu Dieben und sogar zu Mördern. Unser Leben, unsere Kultur, kann nicht von unserer Ökonomie, unserem Wirtschaften getrennt werden. Im Gegenteil. Das Wirtschaften beschreibt immer den Stand der Kultur. So wie die Tauschwirtschaft einigen Millionen Menschen ein relativ sicheres Überleben garantierte, kann die Marktwirtschaft, wenn sie nicht von ihrem Geld zerstört wird, einer Gruppe von 7 Milliarden Menschen ein gutes Leben ermöglichen. Mit allem drum und dran.

Wenn wir aber in unserem falschen Leben verharren, weil wir uns etwas anderes gar nicht mehr vorstellen können und auch nicht mehr glauben, dass es eine Lösung geben könnte, dann ist das Ende nah. Für alle. Für die im Osten und die im Westen. Für Arm und Reich. Denn es gibt kein richtiges Leben im Falschen!

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