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Krawalle in GriechenlandSollen wir Griechenland retten oder nicht? Haben sie es verdient oder nicht? Wieviel wird uns die Rettung kosten und wer soll das bezahlen? Sollte man Volksstämmen wie den Griechen nicht lieber klar machen, dass mit Schlendrian und einem geradezu jugendlich anmutenden Rentenalter heutzutage nichts mehr zu machen ist?

Die Stimmung ist gereizt, an deutschen Stammtischen wie in griechischen Tavernen. Die einen wollen die Griechen draußen haben und viele Griechen wollen nicht länger drinnen bleiben. In der EU. Wir können lediglich sicher sein, dass alles was derzeit über die Bildschirme flackert und an den Stammtischen in oder vor der Glotze diskutiert wird, nicht dazu beiträgt, das Grundproblem des Euros zu beseitigen. Ein Grundproblem, das ja noch nicht einmal erkannt wird!

Was ist der Stand der Dinge in Griechenland?

1. Griechenland hat in der Vergangenheit immer mehr Schulden zu immer höheren Zinsen gemacht, weil… tja, das „Warum“ ist heute egal. Vielleicht lag es ja daran, dass die Griechen seit dem Tod von Pythagoras und Archimedes nicht mehr mit der Exponentialfunktion „gerechnet“ haben. Jedenfalls wurde die Schuldenspirale dadurch erst richtig befeuert.

2. Ein großer Teil dieser Schulden wurde im Ausland gemacht, so dass schon alleine die Rückzahlung der ständig steigenden Zinslasten zu Nachfrageausfällen im Inland führte – und somit zu Firmeninsolvenzen und Entlassungen.

3. Dadurch brachen dem griechischen Staat die Steuereinahmen weg, weil immer mehr Unternehmen Pleite gingen, was in der Folge dazu führte, dass

4. Griechenland keine neuen Kredite mehr bekam – oder nur zu extrem hohen Zinssätzen –, weil die Geldbesitzer befürchten, dass die Kredite nicht zurückbezahlt werden könnten. Eine Befürchtung, aus der mittlerweile Gewissheit geworden ist, weshalb jetzt

5. die anderen Staaten – und damit die Bürginnen und Bürgen, Entschuldigung: Bürgerinnen und Bürger – dafür sorgen sollen, dass die Kapitalien und Renditen von jenen 5 bis 10 Prozent der heimischen Bevölkerung „gerettet“ werden, die es sich leisten können, ihr Geld in großem Stile zu verleihen. Und dies wird dann

6. den schwitzenden Arbeitern und Angestellten als „Rettung Griechenlands“ verkauft.

Klingt dies vertraut? Sind wir nicht alle schon auf dem Weg in den Hades? Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit Insolvenzen, Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung, Unternehmensrettungen, Bankenrettungen, Länderrettungen und danach…? Wir hätten ja weder gegen eine „Kontinentsrettung“ noch gegen eine „Planetenrettung“ etwas einzuwenden, wenn die Begriffe denn stimmen würden! Aber wie lange werden die bisher als „stark“ geltenden EU-Länder ihre Nasen noch über der Wasserkante tragen? Angesichts einer „exponentiellen Entwicklung“ gewiss nicht mehr sehr lange. Und so wackeln die „Dominosteine“ Portugal, Spanien, Italien und Irland schon jetzt ganz gewaltig und es ist keine „Schwarzmalerei“, sondern eine „mathematische Gewissheit“, dass sie eher früher als später fallen werden – ungeachtet aller Anstrengungen der „Krisenmanager“ in Berlin und Brüssel.

In all der Aufregung, Furcht und Planlosigkeit neigt nun ein Großteil der Bevölkerung dazu, Griechenland „ausschließen“ zu wollen, es dem eigenen Schicksal zu überlassen, Euro-Hilfspakte zu stoppen und dem griechisch-südlichen Schlendrian die nordisch-kalte Schulter zu zeigen. Damit meint man, sich selbst retten zu können, den eigenen Untergang zu verhindern. Und unsere Politiker bedienen noch diese naiven Vorstellungen! Merkel zeigt „Härte“ gegenüber den griechischen Bittstellern und erntet dafür Zustimmung im eigenen Volk. Aber wie verhalten sich die Dinge wirklich? Könnte es nicht sein, dass der Ausstieg Griechenlands aus dem Euro und eine Rückkehr zur Drachme eventuell sogar die bessere Option wäre, um mit den ökonomischen Verwerfungen klar zu kommen? Wobei die Frage hier lauten muss: Für wen? Für Griechenland, oder für die EU?

Ist es in Wahrheit vielleicht so, dass Griechenlands Abkehr vom Euro den Weg in den Hades für alle Euroländer quasi wachsen und wienern würde? Kann es nicht sein, dass für die bislang noch „wirtschaftlich robusten Länder" der Verbleib Griechenlands im Verbund und damit seine milliardenschwere Rettung das vorerst kleinere Übel darstellen würde? Wir meinen ja und dies ist ja auch der Grund, warum hinter den Kulissen alles dafür getan wird, um Griechenland all’ die Milliarden „Rettungseuros“ zu besorgen.

Denn was würde passieren, wenn Griechenland statt der vielen Milliarden nur ein paar Millionen vom IWF bekäme, um damit Drachmen drucken zu lassen? Griechenland würde sich sofort die Inflation ins Haus holen, denn im Ausland würde niemand so richtig der Drachme vertrauen und Kredit gäbe es auch nicht. Griechenland wäre also in punkto Importe ziemlich schlecht gestellt und könnte recht wenig auf dem Weltmarkt einkaufen, so dass sich all die Drachmen auf die im Inland produzierten Waren und Güter stürzen würden. Und das ergäbe eine Inflation. Die ist bekanntlich weniger schlimm als die Deflation – oder zumindest sind ihre Auswirkungen etwas leichter für den Menschen zu überleben als eine Deflation, die an Fahrt aufgenommen hat und den „point of no return“ erreicht hat. Würde das nicht Spanien, Portugal und Italien ermuntern, auch die Euro-Union zu verlassen? Wären nicht alle Südländer sofort bereit, im Austausch gegen die „Chance auf einen Arbeitsplatz“ ab sofort wieder bei jedem beliebigen Grenzübertritt eine Wechselstube aufzusuchen? Mit Sicherheit. Doch mit einer inflationierenden Drachme, einem superbilligen Hellas-Urlaub und soviel Ouzo und Dionysos-Tellern für den Euro wie nie zuvor – hätten wir da weniger Probleme? Wie viele Touristen würden dann noch aus Trotz oder Euro-Solidarität ins dann teuere Mallorca reisen, nach Österreich oder weiterhin mit Heimaturlaub an Mosel und Rhein vorlieb nehmen? Wenn in Griechenland alles so viel billiger wäre?

Wie wir es auch drehen und wenden: Kein EU-Land wird ohne schwerste ökonomische Zerrüttungen in die Zukunft marschieren. Es wird uns alle erwischen, denn auch die Rückkehr in unsere vormaligen Nationalwährungen wird nichts am „real existierenden Umverteilungsmechanismus“ ändern und an der dadurch im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte hervorgerufenen Vermögensverteilung. Einige Ökonomen äußerten dieser Tage die Forderung nach einem „echten“ Umverteilungsmechanismus innerhalb Europas. Niedlich. Aber vielleicht sollten wir vorher mal in Baden-Württemberg nachfragen, ob sich die Menschen dort wirklich für die Idee begeistern können, mit einer Sondersteuer von X % ihren „Brüdern und Schwestern“ von Athina bis Bratislava unter die Arme zu greifen?

Wir sehen in einem Ausstieg Griechenlands aus dem Euro auch nicht wirklich dessen Rettung. Selbst mit der Drachme und einer Inflation wäre die Gefahr eines Bürgerkrieges in Griechenland nicht gebannt. Es ist lediglich so, dass mit solch einem Ausscheren – ob von Griechenland, Portugal oder Spanien – das finale Ende des Euros in greifbare Nähe rückt. Und das ist das Allerletzte, das irgendein europäischer Politiker wirklich brauchen kann. Da sei das Kapital vor, der liebe Gott, oder wer auch immer. Also werden unsere Politiker alle Anstrengungen unternehmen und jede Lüge lügen, um die Existenz des Euros noch eine Weile hinauszuzögern. Von jemandem, der nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat, kann man schließlich nichts anderes erwarten als entweder die Pest oder aber die Cholera.

Nicht, dass es keine andere Wahl gäbe! Doch für jene – fast schon anonymisierten Damen und Herren in gediegenem Business-Outfit – denen wir bislang zugetraut haben, sie würden die Sache mit dem Geld schon für uns regeln, gibt es keine Chance, sich der wirklichen Lösung auch nur im Traum zu nähern. Sie wären ganz am Ende ihrer Karriereleiter angelangt – und wer springt schon wissentlich aus luftiger Höhe in den Abgrund? Lieber warten sie, bis sie von der vollständigen Zerrüttung der „Währung“ herunter gerissen werden. Vorher werden sie ihren Platz nicht räumen.

Und dennoch bleibt es wahr, dass wir alle noch mit einem mehr oder weniger blauen Auge davon kommen könnten, wenn wir uns die Vorzüge eines Geldes mit Ablaufdatum einmal wirklich zu Gemüte führen würden. Vielleicht beschleunigt die Zeit diese „neuronalen Aha-Effekte“. Denn die Exponentialfunktion führt auch Deutschland immer schneller in den Ruin und 1.600.000.000.000 (1,6 Billionen) Euro deutsche Staatsverschuldung sind nunmal „kein Pappenstil“.

Einschub im November 2010: Die deutsche Staatsverschuldung beträgt 1, 7 Billionen!

Einschub Janaur 2011: Die deutsche Staatsverschuldung beträgt 1, 8 Billionen!

Wer also bis heute noch relativ unbeschadet davon gekommen ist, wer noch einen Arbeitsplatz hat und eventuell sogar mehr denn je verdient, sollte sich daher nicht zu früh freuen! Denn auch der wird nicht beliebig viele Firmeninsolvenzen siegreich überstehen. Früher oder später werden wir alle uns vom „Cerberus“ ankläffen lassen müssen, wenn wir nicht aufhören, mit unseren Moneten ständig „auf den Hund zu kommen“.

Wir brauchen eine Währung!

 

Warum steht in den Texten von Silvio Gesell. Zum Beispiel in "Die Ausbeutung, ihre Ursache und ihre Überwindung" oder auch in dem Band "Natürliche Wirtschaftsordnung".

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