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Schlechte ArbeitGarantiert sind Spaniens Gitarren erklungen, als die dortige Regierung ihren neusten Vorschlag zum „Staatsschuldenmanagement“ vorgelegt hat. Der Vorschlag soll die gestörten Beziehungen zwischen Staat und Steuersündern wieder in Ordnung bringen und hat – zumindest nach den Vorstellungen der spanischen Regierung – eine Entlastung des Staatshaushalts zur Folge:

Wer Steuersünder ist, soll sich freikaufen können. Von seinen Sünden. Wie? Mit niedrigverzinslichen spanischen Staatsanleihen! Nun ist endlich klar, dass der Ausspruch „das kommt mir spanisch vor“ nicht von ungefähr kommt…

So richtig vorstellen kann man sich allerdings nicht, dass spanische Steuersünder reihenweise nur auf diesen Vorschlag gewartet haben und sich nun lange Schlangen an den entsprechenden Schaltern bilden. Rechts bitte schön geht es zur Selbstanzeige. Ándale! Ándale! Mit der gestempelten Selbstanzeige geht es dann zum linken Schalter, an dem die Staatsanleihen ausgegeben werden. Über den Kauf wird dann ein Einzahlungsbeleg ausgestellt, der vergleichbar mit dem Joker ist, den man bei Monopoly einsetzt, wenn man eigentlich ins Loch müsste.

Mal wieder eine simple Geschichte, die doch eigentlich klappen müsste. Doch wahrscheinlich ereilt auch diesen Vorschlag das gleiche Schicksal wie den englischen Versuch, über die Erhöhung des Spitzensteuersatzes an mehr Kohle für das Staatssäckel zu gelangen. Auch dieser Versuch entwickelt sich zu einer lächerlichen Luftnummer. Doch nun ist man in England endlich darüber informiert, dass die ganz reichen Briten schon längst in Steuerparadiesen hausen.

Immerhin ist man im europäischen Ausland schon so weit, dass man sich auf Lächerlichkeiten geeinigt hat, während im deutschen Musterland noch erbittert darüber gestritten wird, mit welcher Maßnahme man sich blamieren will. In Deutschland ist man noch dabei, dem Bürger klar zu machen, dass man zuerst mit milliardenschweren „Rettungspaketen“ die ganz Reichen gerettet hat – und nun im Gegenzug dafür dem armen Mann „Sparpakete“ aushändigen muss, die allerdings ehrlicherweise „Einspar-“ oder „Kürzungspakete“ heißen sollten.

Noch ist nicht ganz klar, wie diese Sparpakete geschnürt sein sollen. Gerungen wird noch um all das „Nichts“, das nun leider nicht mehr zu vermeiden ist. Doch bald werden wir erfahren, wie groß die „Ersparnis“ ausfallen wird, der Bürger muss ja schließlich wissen, mit wieviel „weniger“ und wieviel „nichts“ er rechnen muss. Oder eher nicht mehr rechnen kann. Bald könnten weite Teile der Bevölkerung das Rechnen ganz aufgeben, weil es sich nicht mehr lohnt, mit den paar Kröten einen Haushalt führen zu wollen. Studenten wird es zum Beispiel so ergehen, Arbeitslosen, frisch vom Nachwuchs beglückten Eltern und Rentnern.

Bei denen werden in Deutschland nun die „Transferleistungen“ gekürzt. Mehr zahlen dürfen dafür jene, die noch verdienen und sich von daher noch Strom und Bahnfahrten leisten können und müssen. Diese Dinge werden teurer. Nicht weil die Stromkonzerne oder die Bahn es mit der Gier nicht lassen können. Nein. Die deutsche Regierung will von den Energieriesen jährlich 2,3 Milliarden und von der Bundesbahn jährlich 500 Millionen. Das wird natürlich auf die Preise draufgeschlagen und nach außen hin kann man alles auf die Monopole und das Missmanagement in der „Privatwirtschaft“ schieben. Und daraus noch mehr Politik-Erfordernis ableiten. Eine feine Sache für das politische Establishment, bei dem schon jetzt jede Woche ein anderer aus dem Amte rennt.

Aber auch Politik macht halt nicht mehr so richtig Freude. Doch da die Abgeordnetendiäten zur Zeit noch nicht mit dazu beitragen dürfen, den Staatshaushalt zu „sanieren“, wird es bestimmt genug von jenen auf dem Posten halten, die „gutes Geld für schlechte Arbeit“ zu schätzen wissen. Dabei müsste es natürlich genau anders herum sein, damit die Welt wieder in Ordnung kommt: Für gute Arbeit müsste es schlechtes Geld geben! Die gute Arbeit ist klar. Die wollen wir alle und die ist wirklich wichtig. Doch „schlechtes Geld“, was soll denn das sein?

Nun. „Schlechtes Geld“ ist jenes Geld, das keiner länger als notwendig im Geldbeutel oder im Banksafe halten möchte, weil es einen Datumstempel trägt. Dieses Datum gibt Auskunft darüber, ab wann der Geldschein an nominalem Wert verliert. Vor diesem Verlust kann man sich dann dadurch schützen, in dem man damit entweder einkaufen geht, seine Verbindlichkeiten begleicht oder es langfristig bei der Bank anlegt. Schlechtes Geld geht schnell von Hand zu Hand. So schnell wie die Wirtschaft es braucht, um allgemeinen Wohlstand zu schaffen. Schlechtes Geld kann man immer noch reichlich verdienen und auch viel fürs Alter zurücklegen, doch man kann mit dem schlechten Geld kein Geld mehr machen. Schlechtes Geld kann man nicht mehr für sich arbeiten lassen. Fürs schlechte Geld muss man selbst arbeiten. Gut arbeiten.

Unsere aufmerksamen Leser wissen natürlich, dass „schlechtes Geld“ nur eine andere Bezeichnung für „Freigeld“ ist. Wer dieses Geld noch nicht kennt, sollte beginnen, sich damit vertraut zu machen, denn Freigeld ist die nächste anstehende Verbesserung des Geldes, die darin besteht, es „schlechter“ zu machen. Damit es nicht mehr als Wertaufbewahrungsmittel missbraucht werden kann, wodurch seine Tauschmittelfunktion zerstört wird. Das alles hört sich recht paradox und auf jeden Fall ungewöhnlich an. Ungewöhnlich genug, um von Politikern und Ökonomen herablassend vom Tisch gefegt zu werden. Keiner weiteren Beachtung wert. Doch egal wie paradox sich die Freigeldtherorie anhören mag, wir sollten es mit ihr probieren, denn all die scheinbar logischen und prominenten Äußerungen zu diesem Thema bringen definitiv nichts in Ordnung und wir werden es so oder so mit einem neuen gedanklichen Ansatz versuchen müssen.

Wir wissen 100%ig, dass weder Rettungspakete noch Sparpakete den Euro retten können und ihn zu dem machen können, was wir alle so dringend brauchen: eine Währung. Und wir wissen, dass alles was in Europa zur Rettung des Euros und der Sanierung der Staatshaushalte derzeit ersonnen, erdacht und veranlasst wird zusammengepackt und in die Kategorie „Bullshit“ einsortiert werden kann. Es ist dumm zu glauben, dass man den Haushalt sanieren könnte, indem man 95% der Bürger dem Kapital zum Fraße vorwirft und der Ausbeutung anheimfallen lässt. Es ist mehr als dumm, wenn man glaubt, dass man mit Steuern die Wirtschaft steuern könnte. Es ist dumm und brutal und überflüssig wie ein Kropf obendrein. Wie gesagt: Wer immer im Kabinett gesessen und an den diversen „Paketen“ mit herumgebastelt hat, bekommt „gutes Geld für schlechte Arbeit“.

Darüber schon mal nachgedacht?

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