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Streik

Wikipedia kennt 23 verschiedene Arten von Streiks. Die meisten haben eine eigene Seite, auf der der jeweils abgehandelte Streik en detail beschrieben wird. Mit ausführlicher Beschreibung der Geschichte, der Hintergründe, wichtiger Protagonisten, der Ergebnisse, des Für und Wider – kurz und knapp: Mit allem Drum und Dran.

Man erfährt aus Wikipedia auch, dass der erste bekannte Streik am 4. November 1159 v.Chr. in Deir el-Medineh (Theben) stattfand. Damals hieß der 4. November noch 10. Peret II, der Bundeskanzler und Präsident trug den Titel „Pharao“ und hieß Ramses III, um es genau zu sagen.

Spätestens ab der Griechenland-Krise im Mai des Jahres 2010 n.Ch. müssten die Wikipedia-Streikseiten enorm an Umfang zunehmen, denn dort wird nun gestreikt „was das Zeug hält“. Generalgestreikt, wohlgemerkt. Das heißt, das gesamte Land ist irgendwie lahm gelegt. Es ist sogar schwierig, von A nach B zu kommen. Es gibt kein Fortkommen mehr, weil auch die Fähren ihren Betrieb einstellen. Vielleicht ist daher der Zeitpunkt gut gewählt, sich ein paar Gedanken zum Thema „Streik“ zu machen, denn in wenigen Monaten wird auch in Deutschland in einem Monat mehr gestreikt werden als in all den Jahren davor zusammengenommen. Wetten, dass…?

Die erste Überlegung könnte uns zur Frage führen, ob „Streik“ tatsächlich zu den Mitteln zu zählen ist, die „nachhaltig“ für Verbesserungen sorgen? Wir wissen nicht genau, ob die Arbeiter, die vor 3168 ½ Jahren in Theben-West an den Königsgräbern gebuddelt haben, am 5. November dann doch mit dem Weizen entlohnt wurden, für dessen Erhalt sie ihre Arbeit niedergelegt hatten. Vielleicht. Hoffentlich. Doch wie sah es am 5. Dezember 1159 v.Chr. in Theben aus? Oder am 7. April 1000 v.Chr.? Eine über 3000 jährige Streikgeschichte, die letztlich doch nur in der globalen Weltwirtschafts- und Finanzkrise von 2010 n.Ch. mündet, kann uns verraten, dass wir mit Streiks nicht weiterkommen. Nicht fortkommen, genau wie die Griechen.

Ein Streik wird ja nicht einfach so angezettelt. Er wird geführt, weil ernsthafte Verwerfungen in der Ökonomie dafür sorgen, dass bei der Bevölkerung zu wenig ankommt: Zu wenig Weizen, zu wenig Kohle, zu wenig Geld. Immer die gleiche Geschichte. Und nie ging es dabei primär um das Geld, viel eher um die Dinge, die man sich für die Moneten kaufen konnte. Die Thebener Bauarbeiter wollten bestimmt auch einen Teil des Weizens gegen Bier und „bestimmte Dienste“ eintauschen und nicht nur in der brüllenden Hitze Thebens auf den Weizenfladen herumkauen. Wenn Menschen streiken, dann wollen sie ihre Lebensbedingungen und ihre Lebensumstände verbessern. Sie wehren sich dagegen, dass sie weniger medizinische Versorgung bekommen, weniger einkaufen können, mit immer weniger Ouzo klar kommen müssen und gefüllte Weinblätter und Hammelfleisch mit Bohnen irgendwann nur noch aus dem Reklameteil der Zeitung kennen.

Menschen streiken auch, wenn sich immer mehr von ihnen auf immer weniger Quadratmetern Wohnfläche drängen müssen. Wenn die Balkone herab brechen und der Putz von der Fassade fällt. Die Schlaglöcher in den Strassen tiefer werden und die Autos rostiger. Keiner ruft zum Streik auf oder versammelt sich zum selbigen, um für mehr Fernreisen, für mehr Goldschmuck, bessere Faltencreme oder Schönheitsoperationen für alle zu demonstrieren. Streiks sind keine Marotte von irgendwelchen Spinnern und auch kein Hobby von gelangweilten Frührentnern oder nicht ausgelasteten Studenten.
Wenn nun aber für bessere Lebenssituationen gestreikt wird und diese wiederum ihren Ausdruck in einer besseren Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung, Wohnungen, Bildung und medizinischer Versorgung findet, wie kann dann dabei der Streik das richtige Mittel sein? Denn wird gestreikt wird ja nicht noch nebenbei an den Schlaglöchern gearbeitet. Es wird keine Sprechstunde in der Praxis abgehalten, Mauern werden nicht hoch- und neue Decken eingezogen, am Band wird nicht gestanden und es werden keine weiteren Autos produziert. Nichts wird lackiert, repariert, gesägt, gefräst, geschraubt, entworfen und geplant. Die Arbeit wird niedergelegt. Nichts mehr wird gemacht. Es wird gestreikt.

Ohne das Anliegen der Streikenden für unrecht zu erklären, muss man doch als klar denkender Mensch erkennen, dass der Streik höchsten noch mehr von den Widrigkeiten hervorbringt, die mit ihm eigentlich aus der Welt geschaffen werden sollen. Es wird weniger gearbeitet, weniger produziert und das verschafft den Streikenden auf keinen Fall größere und bessere Wohnungen. Kann es nicht. Was also tun, wenn „nicht arbeiten“ das Falsche ist? Weiterarbeiten? Wie bisher? Obwohl die Löcher im Geldbeutel immer größer werden?

Wir vom Freiheitswerk nähern uns Problemen bekannterweise immer mit der Frage, was sie denn genau verursacht hat. Solange sich nicht gewünschte Ergebnisse abzeichnen – ganz konkret, unmittelbar, spürbar, direkt, fühlbar und erlebbar – werden wir diese Frage weiterhin aufwerfen, völlig unabhängig von den Verlautbarungen, Statements, Statistiken, Glaubenssätzen und Hoffnungen unserer Experten und Politiker, die heute mal einen Mini-Aufschwung, morgen schon ein Comeback des Euros, im Allgemeinen eine robuste Wirtschaft und nur allzu gerne eine – wenn auch holprige – Erholung der Ökonomie ausmachen. Wer öfter bei uns liest, weiß schon, dass wir die Ursache in unserem Geld ausgemacht haben. Damit finden wir uns leider nicht in einer großen Menge „übereinstimmender Geister“ wieder und so haben wir in der Wikipedia-Streik-Liste vergeblich nach jenem Streik gesucht, der alles erklären könnte: Die Not der Arbeitenden und die Vergeblichkeit ihrer Arbeitsniederlegungen. Der alles entscheidende Streik fehlt nämlich in Wikipedia – denn der alles entscheidende Streik ist der „Geld-Streik“.

Dieser Streik ist mit keinem der uns bekannten Streiks zu vergleichen, da diese mehr oder weniger absichtlich von bestimmten Gruppen geplant und vorbereitet werden. Beim Geld-Streik ist dies nicht der Fall. Der Geld-Streik ist eher ein Ergebnis, das aus dem Umstand resultiert, dass das Tauschmittel Geld kein öffentliches Gut, sondern Privatbesitz ist, das sich überdies noch hervorragend zurückhalten lässt. Nichts zwingt einen Geldbesitzer dazu, sein Geld ausschließlich im Wirtschaftskreislauf zu halten. Die „irrsinnige Logik des Kapitalismus“ rät vielmehr dazu, Geld, das man übrig hat, nur gegen Lohn (Zinsen) anderen Wirtschaftsteilnehmern zur Verfügung zu stellen. Einen Teil des Geldes sollte man auch ruhig im Safe liegen lassen. Zur Sicherheit.

Wer am meisten Zinsen für sein Geldkapital bekommt, ist der Tollste. 10% Rendite, 20 Prozent, in einem halben Jahr, in drei Monaten – das sind die Erfolgreichen! Bis es dann zur Krise kommt, zu immer mehr Störungen im Warenaustausch, zu immer mehr Produktionsrückgang und immer mehr Arbeitslosigkeit. Nicht ein Geldschein wurde vernichtet, doch das Geld verteilt sich immer schlechter und immer mehr Menschen stehen ohne das Tauschmittel da und können keine Nachfrage halten. Was also zuerst seinen Dienst als Tauschmittel versagt ist das Geld. Nicht der Besitzer des Geldes entscheidet so irrig, sondern die Machart des Geldes führt zum Funktionsverlust als Tauschmittel. Und keiner will das sehen. Nicht die Politiker, nicht die Ökonomen und auch nicht die Gewerkschaften. Sei rufen zum Streik auf und weil es keiner besser weiß, wird aus vereinzelten Streiks bald der Generalstreik. Und später einer nach dem anderen.

Nun ist die Wirtschaftskrise ein globales Problem und es sieht nicht so aus, als wüssten wir hier in Deutschland mehr über die Ursache als die Griechen. Auch die Spanier wissen nicht mehr, die Franzosen nicht, die Amerikaner nicht – keiner weiß letztlich mehr als die Griechen. Die Chancen, dass wir auch in Deutschland in einigen Monaten mit immer größeren Streiks zu rechnen haben, sind daher ziemlich hoch. Auch anderenorts wird immer mehr gestreikt werden. Was sollen die Menschen denn auch anders tun, wenn ihnen keiner sagt, woran die Wirtschaft wirklich krankt?

Wenn wir dann rund um die Welt alle dafür streiken, dass es uns besser geht… was wird sich dann wohl wirklich verändern? Welche Ergebnisse werden wir dadurch erzielen? Wer fördert das Öl, das Gas und die Kohle? Wer regelt den Verkehr und wer backt das Brot? Wer unterrichtet die Kinder, wer steht am Band und wer packt Zahnpastatuben auf Paletten? Wer trägt die Post aus und wer kommt, wenn die Waschmaschine leckt? Und, Entschuldigung, wer ist dann noch für die Rohstofflieferung an die Klopapierfabrik zuständig?

Wir wollen es der Vorstellungskraft unserer Leser überlassen, sich die Folgen von noch mehr Streiks auszumalen. Das probate Mittel gegen all diese Verarmungs- und Ausbeutungsprozesse legen wir auch vor. Wer kann sich vorstellen, wenn er sich schließlich die Folgen von ausufernden Streiks zu Ende vorgestellt hat, ein paar Stunden zu lesen? Zum Beispiel die NWO.

Wir werden nicht mit Gewalt – weder von oben noch von unten – die Situation verbessern. Und auch nicht mit Streiks! Von alleine wird sich die Situation allerdings auch nicht bessern. Am Ende unserer Weisheit angelangt, können wir dann doch nicht anderes machen als das Studium erneut aufzunehmen. Je früher wir das tun, umso besser. Denn je weniger Wissen, desto mehr Probleme. Silvio Gesell hatte schon vor über 100 Jahren erkannt, dass die Parole der Gewerkschaften an die Arbeiter „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!“ nicht die Lösung ist, sondern das Gegenteil davon: „Alle Räder müssen laufen, soll das Kapital ersaufen!“ Das war die Wortwahl vor 100 Jahren. Heute würden wir das vielleicht anders ausdrücken, doch der Sinn bleibt der Gleiche. Der erschließt sich uns allerdings nur, wenn wir wissen, was eine „Währung“ und ein „Geldschein mit Datum“ miteinander zu tun haben.

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