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In der Wirtschaft herrscht Stillstand – auch wenn manche schon wieder „in Optimismus machen“. Daher war es in den vergangenen Wochen rund um das Freiheitswerk etwas stiller geworden. Doch nun hat es ein Ereignis gegeben, bei dem es gerade wegen dieses „nicht vorwärts und nicht rückwärts“ viele Tote gegeben hat: Die 21 Raver auf der diesjährigen Loveparade in Duisburg.

Wir selbst haben niemanden auf der Loveparade verloren, waren nicht persönlich dabei und kennen auch niemanden, der jemanden verloren hat. Wir sind bedrückt und entsetzt wie alle und wir wissen, dass unsere Traurigkeit eine andere ist, als die der Angehörigen jener, die zu Tode gekommen sind oder verletzt wurden. Auch unser Entsetzen ist nicht das gleiche wie das Entsetzen derer, die in dem Tunnel so eng zusammengedrückt wurden, dass es ihnen die Rippen gequetscht hat und viele schon nicht mehr mit den Füssen auf dem Boden bleiben konnten.

Es gibt Unterschiede im Empfinden und der Betroffenheit und wir wollen diese nicht verschweigen. Wir haben unsere eigene Sicht auf die Dinge. Unsere Wut richtet sich nicht gegen den Oberbürgermeister Sauerland, nicht gegen „die Stadt Duisburg“, nicht gegen den Veranstalter Schaller und auch nicht gegen irgendwelche Chefs der Polizei oder von Sicherheitsfirmen. Keinen aus diesem Personenkreis wollen wir in Schutz nehmen – jedoch uns alle auch nicht gänzlich aus der Verantwortung.  Vor allen Dingen wollen wir jene Personen mit ins Spiel bringen, die für eine florierende Wirtschaft und ein funktionierendes Geldsystem verantwortlich sind.

Denn letztlich war es Geldmangel, der diese 21 Menschen das Leben gekostet hat. Fehlendes Geld ist es, das eine kleine Stadt wie Duisburg hoffen lässt, solch ein Mega-Event könne der Stadt Geld und Ansehen – und in der Folge noch mehr Geld – bringen. Das hat der Katastrophe den Boden bereitet. Fehlendes Geld, um das eigene Unternehmen in dem gewünschten Tempo, bei maximaler Sicherheit voranzutreiben, hat den Veranstalter Schaller dazu gebracht, für ein solches Mega-Event verantwortlich zu zeichnen und Geld zu investieren, das bessere Erträge abwerfen sollte als die üblichen Werbemaßnahmen für seine Fitness-Studios. Fehlendes Geld hat die Stadtverwaltung Duisburg abwinken lassen als der Vorschlag kam, den Tunnel per Video zu überwachen. Sicherheit ist teuer, Sicherheit kostet Geld – und das sollte die Loveparade doch erst einmal einspielen. Die Rechnung ging nicht auf. Das Gegenteil ist geschehen.

Nun geht es wieder einmal darum, die Verantwortlichen auszumachen und Schuldeingeständnisse zu hören. Die Namen Schaller und Sauerland machen die Runde. Die Feuerwehr, die Polizei, die Stadtverwaltung Duisburg – alle befinden sich in der Schusslinie und versuchen das Menschenmögliche, um sich aus selbiger zu bringen. Die Journalisten bekommen keine einzige vernünftige Antwort auf ihre vielen Fragen, der Krisenstab igelt sich ein, die Verlautbarungen sind so dürftig, dass sie nur zu weiterer Wut anreizen.

Doch es geht um 21 Menschenleben. Die Staatsanwalt ermittelt und wer immer sich aus Reih und Glied hervortut mit einem „Rücktritt“, der als Schuldeingeständnis gewertet werden kann, der wird nicht mehr viel Spaß haben im Rest seines Lebens. Es wird ihm der Prozess gemacht werden, in dem es um die Klärung der Frage geht, ob ihm der Tod von 21 Menschen angelastet werden kann. Daher schweigen alle so verkrampft, daher sind die Verlautbarungen so hohl, zäh und belanglos. Wer sollte sich opfern wollen? Für wen und zu welchem Preis?

Es sind immer Menschen, die ein Amt innehaben und auch eine Verwaltung ist kein anonymes Gebilde, sondern setzt sich aus einzelnen Menschen zusammen, die bei genauer Betrachtung mehr oder weniger so sind wie man selbst. Auf jeden Fall keine „bösartigen Ungeheuer“, die, getrieben von Gier und Bosheit, anderen Menschen Schaden zufügen. In den kommenden Tagen wird man sich im Falle der Loveparade auf einen oder mehrere Verantwortliche „einigen“. Die Öffentlichkeit ist zu sehr dran an dieser Sache, als dass man sie irgendwann einfach ad acta legen könnte. Doch wer auch immer den Schuldigen abgeben muss – haben wir dadurch wirklich etwas zum Guten geändert? Wird durch einen Schuldspruch die Garantie gegeben, dass sich so etwas nicht noch einmal wiederholt?

Die Loveparade wird keinen mehr umbringen – sie findet nicht mehr statt. Doch was ist mit anderen Großveranstaltungen und Konzerten, die ja weiterhin stattfinden? Was soll da so anders sein in Zukunft? Und für die Städte mit den leeren Kassen? Für die Unternehmer, die bald schon wieder „irrwitzige Aktionen“ starten müssen, um am Markt bestehen zu können? Für die vielen Oberbürgermeister und Bürgermeister landauf, landab, die vor der Frage stehen, wie sie ihren Flecken Welt noch „wettbewerbsfähig“ halten? Für die Bauunternehmen, die auch irgendwo sparen müssen, um zu überleben – und wenn es an den Dachkonstruktionen ist, die über unsere Konzertsäle, Stadien und sonstige Gebäude gespannt sind? Wie viele Rettungswagen, Krankenhäuser, Sanitäter bleiben übrig, wenn der Rotstift immer öfter und immer radikaler zum Einsatz kommt?

Um es nochmals ganz deutlich zu sagen: Keiner soll hier in Schutz genommen werden. Wer Schaden verursacht, soll dafür verantwortlich gemacht werden – wie auch immer. Doch wir sollten alle wissen, dass wir so viele Veranstalter, Vorstände, Politiker, Minister, Bürgermeister, Polizeikommissare, Banker, Manager und Bundespräsidenten feuern können (oder ihre Rücktritte hinnehmen): Es wird NICHTS dazu beitragen, dass die Dinge besser werden oder diese sinnlosen Opfer zukünftig nicht mehr vorkommen. Im Gegenteil.

Wir werden – wenn wir den Umverteilungsprozess von unten nach oben nicht stoppen – noch Dinge erfahren, die uns an so gut wie allem zweifeln lassen werden. Wir brauchen allgemeinen Wohlstand, um die Dinge, die uns Spass machen und die uns heute möglich sind, auch ordentlich finanzieren zu können. Sicherheit kostet Geld. Sagten wir bereits. Haltbarkeit und Tragfähigkeit kosten Geld. Stabiles Mauerwerk kostet Geld. Genügend breite Tunnel und angemessen große Areale kosten Geld. Es nützt uns als Menschheit nichts, wenn sich die Vermögen bei immer weniger Menschen in astronomischen Höhen anhäufen, mit denen die gar nichts mehr anfangen können. Es nützt uns auch nichts, wenn unsere Kommunen nicht mehr ordentlich arbeiten können, weil niemand umsonst arbeiten kann. Weder als Bürgermeister, noch als Polizist, Security-Mitarbeiter und auch nicht als Unternehmer.

Wenn wir solche dramatischen Ausgänge nicht zum Anlass nehmen, um nach den wirklichen Lösungen zu greifen, dann ist uns nicht zu helfen – und es müssen noch mehr Menschen sterben. Wenn wir diese Gelegenheiten nicht ergreifen, um ein erstes Wort mit unseren Währungshütern zu reden, dann verschaffen wir ihnen nur eine Pause, in der sie froh sind, dass nun endlich mal „andere dran“ sind, die in den Sog der öffentlichen Wut geraten. Leider werden sie die Pause nicht dafür nutzen, darüber nachzudenken, wie der Zins, der Umverteilungsmechanismus schlechthin, systemisch „gegen Null geführt“ werden kann, damit nicht überall die Löcher größer, die Wände dünner und die Löhne kärger werden.

Es war unnötig, dass diese Menschen zu Tode gekommen sind. So unnötig!

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