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(c) Günther Richter, pixelio.deEs ist nicht immer schön, wenn man die Dinge nackt und nüchtern betrachtet, gute Absichten sofort auf Umsetzbarkeit und Plausibilität überprüft, beziehungsweise Projekte und Initiativen ständig am Erfolg und ihrer Wirkung misst. Denn dann bleibt oft nicht viel mehr übrig als heiße Luft.

Dies gilt auch für die jüngste Initiative der Superreichen Warren Buffet und Bill Gates, die ihre „Mitsuperreichen“ dazu motivieren wollen, mindestens die Hälfte ihrer Vermögen – entweder schon zu Lebzeiten, oder aber spätestens im Todesfall – für wohltätige Zwecke zu spenden. Dabei muss schon das Wort „wohltätig“ in dicke Anführungsstriche gesetzt werden, denn ohne genaue Definition können wir dieses Adjektiv leider nicht durchgehen lassen. Sonst könnte sich am Ende herausstellen, dass die „wohltätige Absicht“ letztlich zu einem „miserablen Ergebnis“ führt.

Kaufen wir also die Katze nicht im Sack. Das hat noch keiner der Superreichen je gemacht – und auch den Armen ist dies nicht anzuraten. Und wenn wir die Initiative von Buffet und Gates um 12:00 Uhr mittags in der Sierra Madre – also bei hellstem Tageslicht – betrachten, dann schrumpelt die aktuelle „Spendeninitiative“ schon mal auf das Niveau eines moralischen Appells zusammen. „Kumpels, spendet! Hier habt ihr schon mal ’ne Website, wo ihr eure Namen auf die Absichtsliste der sozialen Superreichen setzen könnt.“

Was kann denn mit diesem Appell erreicht werden? Eine sich füllende „Absichtsliste“ auf der Website www.givingpledge.org. Eine Webseite, die im Alexa-Ranking raketenartig in die Höhe schnellt, weil unzählige Wohltätigkeitsvereine sich als Bittsteller über das Kontaktformular melden werden. Einige Vereine werden vielleicht etwas bekommen, sehr viele aber nichts. Einige Stiftungen werden noch mehr Stiftungsgeld bekommen, mit dem sie aber auch nichts anderes tun, als es zinsbringend auf dem Kapitalmarkt anzulegen – denn die Armen werden für gewöhnlich aus den Zinserträgen „gespeist“, nicht aus dem Basiskapital.

Das Ganze hat für die Reichen zusätzlich einen Steuersparvorteil. Das wiederum ist schlecht für den Staat, der bei sinkenden Einnahmen entweder die Ausgaben – auch für soziale Zwecke – reduzieren, oder – um den Betrieb aufrechterhalten zu können – bei den Superreichen noch mehr Kredite aufnehmen muss. Meistens sogar beides gleichzeitig. Damit diese Kredite dann „bedient werden“ können, muss der Staat noch mehr Gelder für soziale Zwecke streichen und gleichzeitig die Steuern erhöhen. Mit letzterem darf er sich allerdings nicht an die Superreichen wenden, weil die ja für die Stiftungen spenden und so ihre Steuerausgaben auf ein Minimum senken. Ertragreicher sind da schon die Erhöhung von Hunde- und Tabaksteuer, sowie die „Überarbeitung“ des Bußgeldkatalogs, bevor mit der nächsten Mehrwertsteuererhöhung zum großen Rundumschlag ausgeholt wird.

Den Armen fällt es da schon deutlich schwerer, einen Verein oder eine Stiftung zu finden, mit deren Hilfe sich diese Einkommensverluste irgendwie wettmachen ließen. Auf der anderen Seite würden sich – hätte die Initiative wirklich Erfolg – die Kassen der Suppenküchen, Kleiderkammern, Medikamentenhilfevereinen, Wohnungslosenvereinen, etc. füllen und praktisch einen „Hilfsverein-Boom“ auslösen. Damit könnte eventuell sogar die „wachstumsorientierte Defizitreduzierung“ gemeint sein, die Schäuble erst kürzlich gemeinsam mit seiner französischen Amtskollegin ausbaldowert hat – und die bisher noch keiner richtig verstanden hat. Doch was wäre denn das, wenn nicht die „Entwicklung zu einem Entwicklungsland“?

Afrika demnächst auch in Amerika und Europa? Während sich Afrika noch vor der Kolonialzeit bestens selbst ernährte, kamen 150 Jahre später die Entwicklungshilfeorganisationen nach unzähligen gespendeten Milliarden auf den Trichter, dass die Sache mit den Spenden nicht funktioniert: Mit den steigenden Spenden vermehren sich auch die Armen! Daran sind natürlich die Armen schuld… oder etwa doch die Spenden? Wenn es an den Armen liegt, dann kann man natürlich das Spendenexperiment in Amerika starten. Denn dort sind die Menschen bekanntlich anders als in Afrika und bei den US-Bettlern könnte daher klappen, was die Armen in Afrika nicht geschafft haben – sich selbst am eigenen Haarschopf aus dem Spendensumpf zu ziehen.

Sarkasmus beiseite: Die Armut wird in Amerika und Europa genauso hässlich werden, wie in Afrika. Ob der ausgemergelte Mensch hell- oder dunkelhäutig ist, interessiert die Armut nicht! Wenn wir uns daher an die jahrelang stereotyp als fortschrittlich propagierte Idee der „Hilfe zur Selbsthilfe“ halten, dann brauchen wir uns zumindest in Deutschland keine Sorgen machen – bei der Menge an „Bildungsmaßnahmen“, die die JobCenter hierzulande organisieren. Die Ausbilder fallen hier weniger wegen der anderen Hautfarbe auf als durch den Altersunterschied, der schon mal zwei Generationen ausmachen kann: Jugendlicher Schulabbrecher wird durch Hartz-IV-Empfänger im Rentenalter „fit gemacht“. Das kann doch nicht gut gehen! Das können wir jetzt schon wissen und brauchen deshalb auch nicht so zu tun, als wäre die Idee der Superreichen toll und lobenswert. Sie ist es nicht. Und sie wird auch von der „guten Absicht“ nicht gut!

Was Buffet und Gates nicht verstehen ist das, worum es wirklich geht: Die Aufrechterhaltung der Arbeitsteilung, die fortdauernde und gesicherte Produktionsleistung der Volkswirtschaften, die Verbesserung des weltweiten Austauschs von Waren und Dienstleistungen. Um ökonomische Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen diese Vorgänge reibungslos ablaufen, brauchen wir ein Tauschmittel, das den Volkswirtschaften nicht über die Zinsfunktion immer mehr reales Geld entzieht und gleichzeitig die Vermögen – also die „Ansprüche auf Geld“ – in utopische Höhen wachsen lässt. Denn so fehlt der Wirtschaft auf der einen Seite das Geld, weshalb immer mehr Produktion zusammenbricht, während auf der anderen Seite gleichzeitig die Superreichen immer reicher werden.

Immer reichere „Superreiche“ und immer mehr ruinierte Unternehmen – sprich immer mehr Arbeitslose und immer mehr Arme – sind Erscheinungen, die niemals getrennt voneinander vorkommen und nicht getrennt betrachtet werden dürfen… auch wenn Gates und Buffet dies offensichtlich nicht verstehen, oder nicht verstehen wollen. Daran ist allerdings nicht ihr „schlechter Charakter“ schuld, sondern ein Geld, bei dem der zinstragende Effekt nicht zu stoppen ist… oder wenn, dann höchstens zum Preis weltweit darniederliegender Produktionsprozesse. Etwas, das bei 7 Milliarden Menschen niemand wirklich wollen kann.

Also denkt sich ein Herr Buffet vielleicht, dass man das angesammelte Vermögen von den riesigen Vermögenshaufen wenigstens zum Teil via Spenden wieder in den Wirtschaftskreislauf einspeisen könnte. Doch dazu gibt es eine Erkenntnis, die uns Afrika lehren kann: Vermehrtes Spendenaufkommen steht vor dem endgültigen Zusammenbruch ökonomischer Strukturen!

Wenn jemand einem Menschen eine offene Kanüle in die Vene stecke, die dieser nicht entfernen kann, dann läuft ihm das Blut aus der Ader. 6 Liter ungefähr hat er davon. Wenn man nach drei Litern auf die Idee kommt, am anderen Arm mittels einer zweite Spritze wieder Blut zuzuführen, dann macht das aus diesem Menschen noch lange keinen kräftigen Zeitgenossen. Zumal die Bluttransfusionen ja immer seltener von den bekannten staatlichen Stellen ausgegeben werden und sich der Mensch selbst auf die Suche nach „Ersatzquellen“ machen muss. Es hilft nur eines: Die Kanüle entfernen… und schon wird alles wieder gut. Auch ohne Spenden und Transfusionen.

Wenn die Superreichen noch lange genug leben – was wahrscheinlich ist, weil uns der ökonomische Niedergang in den nächsten Jahren ereilen wird – dann werden sie erleben, wie viel Misserfolg der Idee des „Spendens“ noch beschieden sein wird und wie grausam sich dieses Konzept auf ihre eigene Existenz auswirken wird. Zusammenfassend bleibt festzustellen: Die Idee der Superreichen ist superschlecht und sie ist nicht neu. Auf gut Deutsch: immer nur der gleiche Shit.

 

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