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In unsicheren Zeiten muss der Vermögende schon recht viele Anstrengungen unternehmen, um sein Vermögen auch zu sichern. Wenn die Börsenkurse sich nicht durch politische Maßnahmen disziplinieren lassen, sich die Aktionärsverdienste gen „mickrig“ entwickeln, die Rohstoffpreise Kapriolen schlagen und die Preise für Gold und Silber immer nur steigen, dann kommt so mancher Wohlhabende auf die Idee, dass man vielleicht doch lieber „in Boden machen“ sollte, um das eigene Vermögen zu retten.

Volatiles Finanzkapital sucht einen sicheren Hafen im Bereich der Sachwerte – und an oberster Stelle steht der private Bodenbesitz. Wer sein Vermögen auf diese Weise „gerettet“ hat und sich nun schon mit der niedrigen Verzinsung des angelegten Kapitals zufrieden gibt, der möchte dafür wenigstens von weiterem Ungemach unbehelligt bleiben und sich den Hobbies zuwenden, um sich wieder zu fühlen wie vor der Krise: entspannt, locker, sorglos. Doch weit gefehlt.

Überall machen die Unternehmen schlapp, werden Fabriktore geschlossen. Es wird dicht gemacht, Insolvenz angemeldet und die Zahl der Arbeitslosen steigt. Unangenehm, aber als Empfänger von Zinsgewinnen und Bodenrente muss einen das nicht wirklich berühren. Das Elend haben andere gepachtet, man selbst kassiert dafür die Miete. So ist es richtig, so soll es bleiben. Die Ruhe stört jetzt allerdings ein Herr Berggruen. Dabei ist das eigentlich einer aus „den eigenen Reihen“. Ein Finanzinvestor, der mit seinen Milliarden das Unternehmen Karstadt retten will, mithin Einkaufsmöglichkeiten für Millionen und Arbeitsplätze von Tausenden erhalten will. Beim Nachrechnen ist ihm aber wohl klar geworden, dass ein großer Anteil, der monatlich vom Umsatz erbracht werden muss, der Anteil für die Miete ist. Jeden Monat Zig-Millionen Euros, für die Kunden und Angestellte von Karstadt geradestehen müssen – so oder so.

Wer sind denn die Vermieter? Wem gehört denn Haus und Hof? Viel mehr als dass die Miete an das so genannte „Highstreet-Konsortium“ zu zahlen ist – das wiederum zu 80% einem anderen Konsortium gehört, das gleichfalls einige Milliarden Euros „verwaltet – ist nicht zu erfahren. Wessen Vermögen genau darin steckt ist nicht klar und man wird es so schnell wohl auch nicht erfahren. Doch am Ende gehört es bestimmten Personen, die sich nun mit Mietsenkungen einverstanden erklären müssten – sprich mit sinkenden Einnahme aus ihrem Boden- und Immobilienbesitz – damit Karstadt von Herrn Berggruen gerettet werden kann.

Einige von ihnen scheinen sich mit diesem Gedanken gar nicht anfreunden zu können und stellen sich quer oder auf stur – man weiß es nicht so genau. Letztlich erfährt man nur durch das Politikergezänk, dass die Sache mit Karstadt nicht recht gelingen will. Ursula von der Leyen will, dass der Staat vermittelt. Zwischen Berggruen und den Besitzern der Immobilien und den Zig-Tausenden Quadratmetern unter den letzten Karstadt-Erdgeschossen. Das ruft Wirtschaftsminister Brüderle auf den Plan, der in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ Folgendes von sich gab: „Die schwierigen Verhandlungen zwischen den Vermietern und potenziellen Erwerbern im Falle Karstadt zeigen eindrucksvoll, dass es in einer Sozialen Marktwirtschaft nicht Aufgabe des Staates ist, sich in Verhandlungen zwischen privaten Unternehmen einzuschalten. Dies ist die ureigenste Sache der Unternehmen.“

Man möchte es ja gar nicht glauben, was man da zu lesen bekommt… und sollte es auch nicht! Denn dieses leere FDP-Geschwätz ist um nichts besser als das Gequatsche von der CDU, der SPD oder den anderen Parteien. Man fragt sich, ob Brüderle entweder a) selbst sein Geld dem Highstreet-Konsortium anvertraut hat oder b) Geld von Highstreet-Anlegern bekommt oder c) völlig ohne eigene Interessen einfach nur blödes Zeug schwafelt? Andere Möglichkeiten gibt es nicht… und keine der möglichen Optionen steht einem Wirtschaftsminister wirklich gut zu Gesicht.

Leider kann man das Brüderle nicht dazu bewegen, sich mal mit der Währungsproblematik zu befassen und der Wirtschaft zu einem funktionierenden Tauschmittel zu verhelfen. Das würde uns perspektivisch eine Null-Zins-Wirtschaft bringen und mittelfristig zur Vollbeschäftigung führen. Doch man müsste dazu eben auch das zweite große Thema angehen, das auch bereinigt werden muss – und dies ist das Thema „privater Bodenbesitz“. Auch da müsste die Menschheit sich besinnen und Vernunft walten lassen. Der Boden gehört allen und jeder Mensch hat Anspruch auf die ganze Erde. Erst wenn diese Bedingung erfüllt ist, kann wirklich alles gut werden: Boden gehört der Allgemeinheit und darf nur noch zu pachten sein, mit aller Sicherheit, die Pachtverträge bieten. Die Pachteinnahmen müssen dann wieder an das Volk zurückfließen… und für allgemeinen Wohlstand ist gesorgt!

Doch unsere Realität bestimmt immer noch das private Bodenrecht – wie in den Zeiten der Römer! Dieser private Bodenbesitz führt nun zu den wahnsinnigen Umständen, dass einigen wenigen Familien die gesamte Erde gehört – einer davon schon mal halb New York – und die restlichen Mitmenschen immer häufiger in ihren Autos oder unter Brücken nächtigen müssen. Der private Bodenbesitz macht den Boden unterm Eigenheim so teuer, dass man für die eigenen vier Wände gut und gerne 30 Jahre lang völlig verschuldet ist, während man die Zinsen für den Grund und die darauf errichtete Immobilie abzutragen hat – gepachtet würde das Ganze weniger als die Hälfte kosten und vererben könnte man das Häuschen immer noch. Der private Bodenbesitz macht auch, dass nun bei Karstadt alles bereitsteht: Das engagierte Personal, die treuen Kunden, der milliardenschwere Retter… und all das wird unter Umständen nichts nützen, wenn diesem Kampf nicht der richtige Ausgang beschert ist.

Geht es nach Brüderle, dann wissen wir, um wie viele Zehntausend die Arbeitslosenstatistik bald nach oben schnellt, wenn der Amtskollegin nicht beizeiten der passende Statistiktrick einfällt. Und wir wissen auch, wo wir bald nicht mehr einkaufen gehen können. Viel mehr als Lidl, Aldi, Netto und „Rudi’s Resterampe“ bleiben dann nicht mehr übrig. Aber damit wird die Sache noch nicht ausgestanden sein, denn die Umverteilung durch Zins und Zinseszins geht weiter. Bis zum bitteren Ende. Und am Ende werden auch die Investoren des Highstreet-Konsortiums feststellen müssen, dass das letzte Hemd keine Taschen hat.

 

Kann man das nicht schon heute wissen?

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