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Die Notenbanker treffen sich in Jackson Hole. Die Kulisse in Wyoming täuscht, da sind viele schöne Rocky-Mountaingipfel zu sehen. Der Name umschreibt die Veranstaltung schon viel besser. Wenn man die fest zu erwartenden ausbleibenden Ergebnisse dieses „hochkarätigen“ Treffens vorwegnimmt – und das kann man so sicher wie das Amen in der Kirche – dann hätten sich die Herren auch schnell bei Rudi in der Eckkneipe treffen können.

Steuermittel für solche Zusammenkünfte zu verschwenden, reißt hingegen schon bei der Anreise ein „Hole“ in die jeweiligen Staatshaushaushalte. Und dann landen die Manager in Jackson Hole, wo auch nichts zu holen ist in punkto Währung und erfolgreiche Krisenbewältigung. Wenn man sich die Berichterstattung über das Treffen in Wirtschaftsmagazinen anschaut, dann muss man zur Überzeugung gelangen, dass diese Gruppe ungefähr wie folgt funktioniert: Die einen sind gegen die Gelddruckerei der Notenbanken – weil sie gegen die Inflation sind. Die anderen sind mehr gegen die Deflation – und deshalb für die Gelddruckerei. Und nun?

Wenn sich nun gleich viele gegen die Inflation und gleich viele gegen die Deflation aussprechen, dann meint man in diesem Kreise wohl, dass man die Währungsgefahren gegeneinander aufgerechnet habe und sich unterm Strich daher wohl irgendwann so etwas wie „Nullgefahr“ einpendeln werde. Dazu braucht man – in deren Vorstellung – nichts wirklich zu machen, sondern nur ein langes Geduldsfädchen. Man sollte es lediglich abkönnen, anderen beim Sterben zuzusehen. Denn das ist es, was man als Notenbanker „mindestens draufhaben“ muss in diesen Tagen.

Es wird viel gewettert gegen den „homo oeconomicus“, dem gar die Schuld für das ganze Elend zugeschoben wird. Leider ist von der Sorte „homo oeconomicus“ keiner, aber auch gar niemand in den Reihen unserer Notenbanker auszumachen. Dort scheinen alle ausschließlich dem Stamm der „homo stupidi“ zu entspringen, denn sie sind nicht in der Lage, das Währungsproblem bis zu seinen Ursachen zurückzuverfolgen und sie können auch nicht verstehen, dass wir erst dann zum „homo oeconomicus“ aufsteigen, wenn wir es verstanden haben, eine für alle funktionierende Wirtschaft, sprich „Währung“, zu etablieren.

Nur eine sichere Währung, eine die willentlich erzeugt und hergestellt wird, kann garantieren, dass die internationale Arbeitsteilung sich auf bekanntem Niveau fortsetzt und der internationale Handel und Austausch der Waren und Rohstoffe pannenfrei und reibungslos verläuft. Stattdessen fühlen sich die Milliardäre in den USA – aber auch anderenorts – dazu berufen, es den letzten Eingeborenenstämmen von Papa Neuguinea gleichzutun: Sie ziehen sich in Bergwelten zurück und wollen dort, fernab der der Zivilisation, ihr Überleben in autarken Enklaven sichern. Das muss man sich mal überlegen: Milliardär XY im selbstgestickten Lendenschurz nach dem endgültigen Versagen der Währungen auf der Jagd nach irgendwas.

Sicher gab und gibt es auch im „normalen“ Volk ähnliche Überlegungen und die dazu passenden Geschäftstüchtigen, die an diesen menschlichen Irrungen ihr Geld verdienen. „Wenn es crasht, dann haue ich ab in die Wälder Norwegens“, oder „ich grab heimlich im Garten schon mal einen Brunnen“ und „ich hab alles bei mir im Keller“ und „eine Knarre hab ich mir auch schon zugelegt“ sind doch öfter mal zu vernehmende Kommentare, wenn man ins Volk hineinhört. Und vielleicht liegt es an der Dichte des Volkes, dass man hier dennoch irgendwie versteht, dass man nicht alleine mit solchen Überlegungen ist und dass sie daher nicht funktionieren können. Denn so viele Kugeln, die man für ein solches „Überleben“ bräuchte, kann man nur schwerlich im Internethandel beziehen.

Bei den Milliardären lichten sich die Reihen natürlich stark und so mag es angehen, dass sie noch eine Weile denken können „ich bau‘ mir und meiner Sippe `ne autarke Farm in Wyoming“ und nicht erkennen können, wie verblödet dieses Ansinnen ist. „Weil ich so reich bin, kann ich mir die Abgeschiedenheit und die Abkehr von der Zivilisation leisten.“ Doch um so arm zu leben wie die Indianer in den Regenwäldern Amazoniens oder so abgeschnitten von der Zivilisationen wie die Bewohner des Himalaya bei Naturkatastrophen, muss man nicht viel Geld ausgeben und nicht extra einen Aufriss betreiben und Farmen bauen. Man legt alles einfach ab und marschiert los. Egal in welche Himmelsrichtung. Irgendwann kommt man in Gegenden, die so verlassen sind, dass es so aussieht, als wäre der Mensch von der Erde verschwunden. Voila. Herzlich willkommen in der Einöde und viel Spaß beim Überleben.

Aber die Milliardäre wollen ja nicht so leben wie irgendwelche indigenen Stammesangehörigen. Sie wollen ja möglichst viel Zivilisation in ihre „Abgeschiedenheit“ mitnehmen, um es in der Zivilisationsferne auch weiterhin bequem zu haben. Dieser Gedankengang ist so irre, dass einem kaum ein passendes Bild zu dieser Unlogik einfällt. Das ist einfach nur völlig plemplem. Aber man darf vermuten, dass die Notenbanker bei ihrem Treffen sogar die eine oder andere im Bau befindliche Farm besichtigen. Um sich mal unverbindlich zu informieren, an was man so alles denken sollte, wenn man sich für ein „zivilisiertes Leben nach der Zivilisation“ einrichten will. Und wie viel das kostet. Man kann ja nie wissen.

Aber genau das ist falsch! Man kann wissen und man sollte wissen. Erst recht, wenn man sich als Notenbanker verdingt und noch einigermaßen bei Verstand ist. Der Notenbanker sollte wissen, wie er in die Lage kommt, die Geldmenge steuern zu können. Damit die durchschnittlichen Preise auf Dauer stabil gehalten werden können. Mehr bräuchte er nicht an Wissen – aber weniger darf es eben auch nicht sein. Das Zivilisationsspiel wird ohne Währung verloren sein und „Das Zivilisationsspiel am Ende der Zivilisation“ ebenso. Die Folgen vom „Ende der Zivilisation“ werden sogar an den völlig von der Außenwelt abgeschiedenen Zwergmenschen auf Borneo nicht spurlos vorübergehen –auch wenn die gar nicht wissen werden wie ihnen geschieht, wenn der ganze Zivilisationsmüll einer nicht mehr existierenden Außenwelt bei ihnen ankommt.

Wie gesagt, ein Treffen bei Rudi an der Ecke könnte den Notenbankern eher die Augen öffnen und sie für die tatsächliche Gefahr, in der wir alle gemeinsam – ob Milliardär oder Stadtberber – schweben, sensibilisieren. Eher jedenfalls als solch ein Treffen in Jackson Hole. Dabei fasziniert mich immer folgender Gedankengang: Die Milliardäre und ihre dienstbaren Geister verschanzen sich in Bunkern und auf Farmen mit ganz viel Astronautennahrung, Saatgut für die nächsten 100 Jahre und Selbstschussanlagen rund ums Gelände. Nach einiger Zeit merken sie, dass gar keiner vorbeikommt und sie nichts von dem verteidigen müssen, um das sie so große Sorge hatten. Die ersten Mutigen wagen sich wieder in die Außenwelt und stellen fest, dass es die noch gibt. Und zwar so doll wie nie zuvor. Es ist mächtig viel los, alle haben gute Laune, sind gut genährt und scheinen irgendwie miteinander befreundet zu sein. Überall Party. Der Milliardär kann nicht glauben was er sieht und fragt sich, wieso er völlig verkrampft mit den degenerierten Seinen seit Jahren in einem Bunker gehockt hat und vom Vitamin D-Mangel Hautkrebs bekommen hat. Vor allen Dingen fragt er sich, wie es kommt, dass er der Einzige ist, der nicht kapiert, warum auf den Geldscheinen ein Datum aufgedruckt ist…

Damit die Geschichte so ausgeht, muss einiges geschehen. Vor allem das Richtige. Deswegen ist es jetzt an der Zeit, dass sich das Volk darüber schlau macht wie wir zu stabilen Preisen kommen.

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