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Wer hätte sich vor wenigen Monaten vorgestellt, dass ausgerechnet in Stuttgart aus „vor sich hin köchelnder Wut“ so rasch erbitterter Volkszorn werden würde? Natürlich hätte man wissen können, dass es auch in Deutschland „immer ungemütlicher“ wird, doch wenn es dann soweit ist, sind insbesondere die, die das „nicht wissen wollten“ total überrascht, entsetzt, fassungslos, entgeistert, schockiert – und so weiter. Und dies auf allen Seiten des politischen Spektrums.

In Stuttgart geht es wirklich ans Eingemachte. Es wird gefährlich. Einige Unternehmer, die noch vor zwei Wochen hochangesehene und vielgelobte Vorbilder und Hoffnungsträger waren, treffen nun auf Menschen, die ihnen Profitgier, Mafiosi-Machenschaften und Skrupellosigkeit unterstellen und ihnen ihren Ärger ins Gesicht brüllen. Herr Würth, dem „Schraubenmilliardär“, ist das – verständlicherweise – sehr zuwider… und er zieht in die Schweiz um! Dort hofft er auf mehr Verlässlichkeit…

Dort meint er, mit weniger „unternehmerfeindlichem Volk“ umgeben zu sein. Es ist nicht richtig, im Sinne einer Lösung, dass Herr Würth mit seiner Unternehmenszentrale einfach wegzieht. Es ist auch nicht richtig, im Sinne einer Lösung, dass auf einmal halb Stuttgart wie von Sinnen ist und auf seine Unternehmer eindrischt. Es wäre aber auch nicht damit gedient, wenn Herr Würth bliebe und das Volk mit dem Demonstrieren aufhören würde. Und nun?

Alle sind mit Latein am Ende. Alle. Restlos alle. Herr Würth, die Politiker und die Demonstranten ebenso wie Herr Herrenknecht – ein anderer Unternehmer aus dem Schwabenland, der den richtigen Namen trägt. Er ist ein „Herr“ – in den Augen der einen – und zugleich auch ein „Knecht“ – in anderer Hinsicht! Unternehmer Herrenknecht weiß das. Denn er kennt die Bedingungen, die für die Weiterführung seines Unternehmens erfüllt sein müssen: Kapital. Dessen Knecht ist er. Wenn aber Herr Herrenknecht nicht für den Bestand seiner Firma sorgt und weitere Aufträge „besorgt“, wer soll dann denen, die ihn als „Herren“ bezeichnen, die Arbeitsplätze besorgen? Diese Sorge „beherrscht“ derzeit viele Arbeitnehmer.

Haben deshalb jene, deren geballte Wut er nun zur Kenntnis nehmen muss, völlig Unrecht? Geschieht ihnen etwa Recht? Den Jugendlichen, die keine Perspektive haben, egal wie lange sie die Schulbank drücken? Oder denjenigen, die zwar noch Arbeit haben, jedoch jeden Tag darum bangen? Oder die Arbeitslosen, die komplett über den Löffel barbiert werden? Nein, auch nicht. Alle wissen, dass es fraglich ist, ob das, was der Büchse der Pandora entwichen ist, wieder eingefangen werden kann und ob es in Stuttgart nochmal glimpflich ausgeht. Ob man mit ein paar äußerlichen Blessuren davon kommt, ungeachtet der innerlichen Verletzungen, die auch in der nächsten Generation noch für Unversöhnlichkeit sorgen können?

In Talkshows schieben sich nun alle gegenseitig die Schuld dafür zu, die Büchse der Pandora geöffnet zu haben. „Die Grünen“ sind es aus unionspolitischer Sicht. Aus deren Sicht sind es die „Gelben und die Schwarzen“. Für die Demonstranten sind es „die Politiker“ und „die gierigen Unternehmer“, für die Unternehmer hingegen „die Politiker“ und „die maßlosen Arbeitnehmer“. Für die Letztgenannten sind es dann auch noch „die unverschämten und vermessenen Nichtmehr-Arbeitnehmer“. Wir könnten – und würden es auch nur zu gerne – allen Mitstreitern sagen, dass „es keiner war“. Die Büchse der Pandora hatte noch nie einen Deckel und ist zudem ein Fass ohne Boden: Es ist das „Zinsen-nehmen“ und das „Zinsen-bekommen“, das Unternehmer allen Anstand vergessen lässt, die Rentner enteignet, die Harz IVer perspektivisch sich und dem Hunger überlässt und den Arbeitenden gnadenlos in die Lohntüte greift.

Ab einem gewissen Punkt der Umverteilung können es die Politiker und Parteien keinem mehr Recht machen. Das ist die Stunde, in der das Volk aufeinander losgeht. Rette sich wer kann, heißt es dann und bei Menschen wie Herrn Würth läuft das Fass endgültig über und sie ziehen in andere Länder. Herr Würth ist – offensichtlich – einer von denen, die glauben, es gäbe andernorts eine Rettung. Wie steht es nun mit der Absicht, „seinem Land“ dienen zu wollen? Mit Arbeitsplätzen und der Schaffung von Wohlstand? Glaubt man denn in der Industrie etwa, dass die Schweizer das bessere Volk sind? Wenn die Unternehmerschaft, allen voran die Reichsten unter ihnen, einen Moment lang darüber nachdenken würden was „Stuttgart 21“ denn tatsächlich den Boden bereitet hat, dann wäre uns allen, dem Land und der Welt wohl gedient.

Sie müssten natürlich ehrlich bleiben bei der Suche nach den Ursachen. Und sie – wie auch die „abhängig Beschäftigten“ – sollten fähig sein, einen ganz neuen Gedanken zu fassen und auf seine Plausibilität hin zu untersuchen. Der neue Gedanke wird sich erstmal „ungewohnt anfühlen“ und „irre anhören“ – doch halt… Nicht so schnell mit dem „Ad-acta-legen“ eines neuen Gedankens! Schließlich haben wir doch noch einiges zu verlieren – oder auch bald schon nichts mehr, wenn es so weitergeht. Angesichts dessen kann es nicht schaden, bei der Suche nach Lösungen auch einen ungewöhnlichen Gedanken so unvoreingenommen wie möglich zu betrachten.

Der zu überprüfende Gedanke lautet:

„Was wäre, wenn Geld nur noch Tauschmittel wäre?“

Wem würde was genau passieren, wenn das Geld auf seine Tauschfunktion reduziert würde? Wie würde sich die Ökonomie hier und an anderen Orten verändern, sich die Gesellschaft entwickeln? Was hieße das für die verschiedenen Industrien, Gewerbe, Dienstleister, Organisationen und die einzelnen Menschen? Die Unternehmer, die Freiberufler, die Arbeitnehmer, die Rentner, Studenten, Arbeitslosen und Schüler?

Stünden sich in „Stuttgart 21“ auch die „Bürger und der Staat“ wie Feinde gegenüber, wenn das Land keinerlei Schwierigkeiten mit den Finanzen hätte? Würden in Ungarn die Dörfer evakuiert werden müssen, wenn genügend Geld für sichere Produktions- und Entsorgungsanlagen da wäre und auch die Gehälter für qualifizierte Ingenieure kein Thema wären? Würden wir alle mit unserem Geld dafür sorgen müssen, dass die Atomkraftwerke länger laufen als jemals gedacht? Würde unser Geld wirklich noch länger für „Terrorismusbekämpfung“ draufgehen, wenn auch in anderen Erdteilen die Menschen eine funktionierende Wirtschaft hätten? Wer ist denn Schuld an all den Missständen, die man doch nur noch als Koma-Patient übersehen kann? Die deutschen Hartz IVer? Oder doch die afghanischen Taliban? Die schwäbischen Unternehmer oder die chinesischen Möchtegernkapitalisten? Die Wallstreetbanker insgesamt oder doch nur ein paar böse Buben?

Wer sich mit dem Gedanken anfreundet, dass all dies eine gemeinsame Wurzel hat, auf einen ursächlichen Umstand zurückgeht, und dieser als „das Zinsproblem“ bezeichnet werden kann, der wird sehen, dass sich auf einmal ein logischer Gedanke an den anderen reiht und sich alles wie ein Puzzle zusammenfügt. Das Puzzle ist ein Schreckensbild, das ist klar. Doch wir können, wenn wir an diesem Punkt der Erkenntnis gelangt sind, überhaupt erst anfangen, die geeigneten Schritte zur Verbesserung einzuleiten. Und wenn wir die richtigen Schritte einläuten, dann wird sich das Gesamtbild sehr schnell aufhellen. Oder, anders ausgedrückt: Die Menschheit geht einer grandiosen Zukunft entgegen, wenn wir „das Zinsproblem“ gelöst haben!

Soweit kann Herr Würth nicht denken und deswegen will er abhauen. Soweit denken die Demonstranten auch nicht – und deswegen bleiben sie hier, halten die Köpfe hin und lassen sich in Keilereien mit der Polizei verwickeln. So weit denken auch die Politiker nicht – und deswegen lungern sie ständig in Talkshows herum und beschuldigen sich gegenseitig. Was für eine Verschwendung von Zeit – nicht zuletzt auch bei den Zuschauern…

Im Grunde genommen haben wir ein einziges großes Problem, welches lautet: Nicht mehr klar denken können! Der Blick ist völlig getrübt und wer sich daran nicht stört, der kann sich völlig sinnfrei in die Arena werfen, um sich beißen und versuchen, nicht gebissen zu werden. Wer keine Lust auf eine sich prügelnde und mordende Gesellschaft hat und den Gedanken an „Flucht“ erst gar nicht aufgreifen möchte, der könnte mithelfen, in unserem Wirtschaftsystem die „Robin-Hood-Automatik“ einzubauen. Denn so geräuschlos und anonym wie derzeit die Ausbeutung vonstatten geht, so systematisch und automatisiert kann auch die „allgemeine Wohlstandsbildung“ erfolgen. Wer sich der Frage stellt, was wäre, wenn unser Geld „nur noch Tauschmittel“ wäre, ist schon auf dem richtigen Weg!


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