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TotenkopfJa es gibt sie: Die sprichwörtlichen „Leichen im Keller“ unserer Banken. Doch welcher Art sind diese Leichen? Wie genau sehen sie aus? Bzw. wie sehen sie nicht aus? – Und so wenden wir uns noch einmal der leidigen „Geldschöpfung aus dem Nichts“ zu, in der einige „Experten“ den Grundfehler unseres Geldsystems zu erkennen vermeinen. Von allen Leichen in den Bankenkellern ist diese die große Unsichtbare.

Die Banken haben ein Motiv -bzw. man könnte ihnen eines unterstellen ohne auf den ersten Blick unlogisch zu sein- , sie haben die Gelegenheit und die Mittel (das Equipment) für die Geldschöpfung per Bilanzverlängerung. Aber es fehlt der Beweis. Es fehlt die Leiche.  Genau diese Leiche fehlt augenscheinlich. Und ohne Leiche kein Verbrechen. Kein Verbrechen, das 'Geldschöpfung aus dem Nichts' genannt werden dürfte.

Außerdem liegen im Motiv selbst schon Zweifel an der Täterschaft. Schließlich stehen die Banken den Vermögenden näher als den „Unvermögenden“, also jenen, die keine oder kaum Rücklagen haben und nur geringe Chancen, Kredite zu bekommen. Mit denen sich daher aus Bankensicht nur schlecht Geschäfte machen lassen. Die Privilegien, die speziell Geldvermögen mit sich bringt, können nur dann gewahrt bleiben, wenn eine allgmeine Inflationsgefahr abwendbar erscheint. Die Mehrung von Geldvermögen einerseits und die Inflation mit ihrem Geld aufzehrenden Charakter andererseits schließen sich aus. Boden und Inflation keineswegs. Wenn Banken Geldmittel, Zahlungsmittel gewohnheitsmäßig aus dem Nichts schöpfen würden, dann bedeutet genau das INFLATION, also die Stärkung jener Kraft, die den Geldvermögen letztlich die Substanz entzieht. Außer, es würde alles neugeschöpfte Geld gleichmäßig auf alle verteilt. Dann würden auch alle gleichmäßig von den Preissteigungen betroffen. Diese Vorstellung hat jedenfalls keine Rolle bei der Verteilung der bisherigen Vermögen gespielt und die Banken wären für dieses Projekt wahrscheinlich nicht die geeigneten Verantwortlichen.

Würden Banken gegeneinander konkurrieren bei der Vergabe von Krediten – dann hätten jene Banken einen Vorteil, die "einlageunabhängige Kredite" vergeben, gegenüber anderen, die die Guthabenzinsen (höhere Kosten) für Einlagen einzuspielen hätten.  Diese Konkurrenz wiederum hätte Auswirkungen auf den Kreditzins, den der Kreditnehmer zahlen muss. Dieser würde nach und nach nach unten konkurriert. Aber haben wir schon mal erlebt, dass der Zins für die Kreditnehmer im Durchschnitt unter eine bestimmte Grenze fiel (ohne Einschränkungen)?

Nicht nur, dass dann nicht mehr – wie von Gesell beschrieben – „die Löcher gestopft würden, die die Sparer in die Umlaufbahn des Geldes gegraben haben“, nein, es würde über jedem Loch auch noch ein Berg entstehen! „Konkurrenz“ unter Geldverleihern kann es in diesem Sinne deshalb nicht geben, da sich sonst eine Bank über den Wettbewerb von der anderen absetzen könnte. Sie könnte ihre Kosten schneller decken und höhere Gewinne dadurch erzielen, indem sie zu einem günstigeren Zinssatz mehr Kredite ausgibt als andere Banken, ebenso wie Unternehmen andere Unternehmen in Bedrängnis bringen können, in dem sie Produkte günstiger anbieten, weil sie über die Menge der günstiger verkauften Produkte dennoch an ihre notwendigen Einnahmen gelangen.

Beim Geldverleih ist das noch drastischer möglich, spielen doch in der Produktion physischer Waren die Stückkosten eine noch größere Rolle und begrenzen das Spiel stärker nach unten. Um den oder die Wettbewerber in der Realwirtschaft ganz aus dem Rennen zu werfen, werden allerdings heute sogar diese (Untergrenzen-)Preise gelegentlich noch mal unterboten. Warum kann diese Erscheinung im Bankensektor nicht beobachtet werden? Sind Banken weniger an den Gewinnen interessiert, die sich aus der Verdrängung von Konkurrenten ergeben würden?

Warum gibt eine Bank also nicht einfach mal zu Werbezwecken „Kredite zum Nulltarif“ aus? So etwas ist in der Wirtschaft ansonsten doch durchaus üblich. Warum sind bei den Banken solche Aktionen, wenn überhaupt, auf Ort, Zeit und Summe eng begrenzt und bestenfalls „Aktiönchen“ zu nennen? Vor Jahren gab zum Beispiel einmal eine schwedische Bank in einer bestimmten Filiale in Berlin für eine Stunde (!) 2.000 Euro zinslos. Doch egal wie viele Tausend Euro damals verliehen wurden, der Betrag ist volkswirtschaftlich irrelevant. Dieses Geld wurde daher sicher auch unter Werbungskosten verbucht und nicht unter Diskont!

Bankenpleiten haben ihren Ursprung nicht in der Unterbietung der Nachbarbank im Hinblick auf die Verzinsung. Und weder die Reichen noch ihre nächsten Sympathisanten haben ein wirkliches Motiv, die Vermögen und vor allem die aus ihnen resultierenden Privilegien aufs Spiel zu setzen, indem sie eine wie auch immer geartete Geldmengenerhöhung anstreben oder diese auch nur dulden. Wenn Einlagen für die Kreditvergabe keine unabdingbare Rolle spielen würden, dann könnten sie sich auch nicht auf die Weise vermehren, wie sie es tun!

Was wollen Banken mit Preissteigerungen? Diese wären die logische Folge einer physischen Vermehrung der Geldzeichen – und auch einer „elektronischen Zahlungsmittelvermehrung“, sofern diese ohne irgendeine Bindung an die Einlagen oder tatsächliches Wirtschaftswachstum stattfinden würde. Preissteigerungen großen und heftigen Stils enteignen die Sparer. Das ist den Banken bestens bewusst. Also rauf mit dem Zins und die Preissteigerung wieder abgewürgt!

Warum sie dann erst anheizen? Warum fordern die Banken im Falle einer Preissteigerung nicht lediglich einen moderaten – sonst üblichen – Zins von den Kreditnehmern? Weil die Sparer enteignet würden! Aber die Sparer würde es doch dank „Geldschöpfung per Bilanzverlängerung“ gar nicht mehr brauchen…? Damit würden also die Einnahmen der Banken steigen, da sowohl jedermann Kredit bekäme und zudem keine Guthabenzinsen mehr als notwendige Kosten über den Kreditrückfluss eingetrieben werden müssten. Doch wo wären dann die Privilegien hin? Und wer würde es noch als eine Erleichterung im täglichen Leben ansehen, wenn die Preise unabänderlich und merklich ansteigen?

Dafür wird es wohl so einfach keine hinreichende Mehrheit geben. Die Gegner kommen aus beiden Lagern. Selbst aus dem Lager der Armen! Banken schöpfen daher kein Geld im Sinne einer „Einlagen- und Wachstumsunabhängigen Schöpfungspraxis“. Zugegeben, der Beweis dafür, etwas unterlassen zu haben, ist schwerer zu erbringen als bei einer Tat. Deswegen muss ja in unserem Rechtssystem auch der vermeintliche Verbrecher überführt werden. Die Tat einfach nur zu behaupten und dabei ihre notwendigen Folgen nicht belegen zu können, entspricht keiner tauglichen Beweisführung.

Gäbe es einen Blockadestreik aller LKW-Fahrer auf der A9, dann gäbe es dort auch einen Stau. Egal ob Sonntag oder Montag, Tag oder Nacht. Wenn es keinen Stau gibt, dann stimmt irgendetwas nicht mit der Behauptung, dass dort alle LKW-Fahrer die Autobahn blockieren. Wenn aber die „Endlichkeit der Geldmenge“ aufgehoben würde (indem jede einzelne, private Bank ohne Rücksicht auf Spareinlagen „Geld per Bilanzverlängerung aus dem Nichts schaffen“ könnte), dann hätte das Auswirkungen auf das Preisniveau – und etliche andere Dinge! Die aber nicht beobachtet werden können.

Diese „Beobachtung des Nichtgeschehens“ lässt nur einen Schluss zu: Wenn es „Leichen in den Kellern“ des Banksystems gibt, dann können diese viele Namen tragen. „Vorteilsnahme“ und „Begünstigung privilegierter Kreise“ gehören sicher dazu. Auch Mithilfe bei der „Ausbeutung von Arbeitern und Angestellten durch das Zinseszinssystem“ lässt sich nachweisen, ebenso wie bei der „Destabilisierung der Gesellschaft durch Unterstützung der Umverteilung von Unten nach Oben“. Heuchelei, Scheinheiligkeit, Unaufrichtigkeit und gelegentliche Unehrlichkeit mögen dort anzutreffen sein und vermutlich auch Hochmut, Eitelkeit, Dünkel und eine ganze Reihe anderer „Untugenden“. Es "menschelt" eben auch in den Banken. Der Vorwurf des „Geldschöpfung aus dem Nichts“ geht jedoch völlig am Kern des Problems vorbei und führt – im Gegenteil – sogar dazu, dass die Praxis der „Papiergeldschöpfung durch Notenbanken“ in Verruf gebracht wird, obschon doch diese die Voraussetzung dafür ist, die Probleme von Inflation und Deflation eines schönen Tages endlich ad Acta legen zu können.

Wann dieser Tag sein wird? Regelmäßige Leser unserer Seiten wissen die Antwort genau: An dem Tag, an dem unser Geld ein Ablaufdatum erhält und wir nicht länger über das Ding (Geld) reden, sondern über die Tat (Währung).

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