.

Was heißt hier „wir“ und was heißt „eure Krise“?

In diesem Demonstrationsmotto liegt das ganze Elend der allgemeinen Hilf- und Ratlosigkeit angesichts der sich ausweitenden Wirtschaftskrise.
 
Selbstverständlich bezahlen wir und zwar alle. Noch dazu, wenn nicht bald die richtigen Lösungen auf den Tisch kommen, mit unserem Leben! Milliardäre und Banker eingeschlossen. Eine zusammenbrechende Arbeitsteilung – the real clash of civilization, the big bang – wird nicht auf pompöse Klingelschilder achten oder Porschefahrer ungeschoren davon brausen lassen.
Dass die Gier „gegeißelt“ wird und man sich – politisch korrekt – über früher umschwänzelte Mitcocktailanten entsetzt, daran ist man inzwischen ja schon gewöhnt. Denn heute ist der Wandel vom Paulus zum Saulus angesagt. Der Bundespräsident macht es vor: früher ein glühender Kämpfer für Deregulierung, heute ein bekehrter Fürsprecher der Regulierung. Klar, wer nicht weiß, wovon er redet, kann reden was er will. Hauptsache man stammelt sich international zusammen und es klingt recht bald unisono aus allen Himmelsrichtungen: eine neue Weltfinanzarchitktur muss her. Eine mit ganz starken Regeln, an die sich dann alle halten. Der Ackermann muss sich dran halten, der Karl Lagerfeld muss sich dran halten, DJ Bobo, Obama, die Hamas, die Taliban, mein Vermieter und die Bäckerinnung. Die Merkel mit CDU und die aus Katmandu. Auch Cindy aus Marzahn und die von Big Brother. Und den Papst nicht zu vergessen und die Osho-Anhänger… Viel Spaß, beim Aufbau einer solchen Architektur, kann man da nur wünschen.
Ein Demonstrant in Berlin hat doch tatsächlich allen Ernstes, tief verzweifelt über das, was gerade geschieht, vor laufender Kamera gefordert, dass „die Gier per Gesetz abgeschafft“ werden müsse. Solche Äußerungen können einen denkenden Menschen für einige Stunden schachmatt setzen, weil unbegreiflich bleibt, wie man auf einen solchen Gedankengang überhaupt kommen kann. Ansonsten bliebe ja nur die Forderung, auch Eifersucht und Neid sofort per Dekret abzuschaffen. Und Liebeskummer sollte bei der Gelegenheit ebenso verboten werden. Aber am besten wäre es wohl, gleich die Dummheit zu verbieten. Denn die dürfte wohl das größte menschliche Übel sein und Schäden in nennenswerter Größenordnung hinterlassen.
Ersatzweise könnte natürlich auch überlegt werden, endlich pharmazeutisch gegen die Gier vorzugehen und „Antigieran“ zur Entwicklung in Auftrag zu geben. Allerdings besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt schon am Beipackzettel scheitert. Ab wann und in welcher Dosis muss das Mittel ein eingesetzt werden? Schon am Sonntagmorgen, wenn sich die Kinder um das letzte Brötchen streiten? Oder abends, wenn das Mövenpick-Eis heimlich aus der Gefriertruhe genascht wird? Oder müssen nur diejenigen, die mit Geld umgehen, unter Antigieran gesetzt werden?
Welcher Frage soll man da nachgehen? Am Besten vermutlich dieser: Warum werden die Vorschläge gegen die Krise von Tag zu Tag blöder, während die Krise zunimmt? Vermutlich deshalb, weil nichts und niemand unsere Politiker dazu bringen wird, ihre Einfallslosigkeit zuzugeben und einfach mal den Mund zu halten. Sie verdienen halt schon ihr Lebtag lang die Brötchen mit Gequatsche.
Quatsch beiseite: All dies wird uns nicht vor der Krise, die die unsrige ist, bewahren.  Und wenn wir uns schon Gedanken ums Bezahlen machen, dann sollten wir uns bei Gelegenheit doch mal mit unserem Geld befassen. Vielleicht geht ja doch nicht alles geldrichtig in unserer Wirtschaft zu.

 

Share

Banner

FacebookMySpaceTwitterDiggDeliciousStumbleuponGoogle BookmarksRedditNewsvineTechnoratiLinkedinMixxRSS FeedPinterest

Wer ist online

Aktuell sind 47 Gäste und keine Mitglieder online

News

  • First parts of the content of this website are now available in english language. In the upcoming time we will translate more and more of the vital economic informations we offer on our pages into various languages. In the moment the following articles are at your disposal:

    Our mission
    The problem
    The solution

Zum Seitenanfang