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Silvio Gesell
Johann Silvio Gesell  wurde am 17. März 1862 in Sankt Vith (heute Belgien) geboren und verstarb am 11. März 1930 in der Obstbau-Genossenschaft Eden bei Oranienburg. Gesell war Kaufmann, Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre. Er lebte abwechselnd in Argentinien, der Schweiz und in Deutschland.


Wichtige Stationen seines Lebens
1887 ging Gesell nach Buenos Aires (Argentinien), wo er sich selbständig machte und eine Filiale des Berliner Geschäfts eröffnete. Die heftigen Wirtschaftskrisen des Landes, die seine Geschäftstätigkeit stark beeinflussten, regten ihn zum Nachdenken über die strukturelle Problematik des Geldwesens an. 1891 veröffentlichte Gesell seine erste währungstheoretische Schrift: Die Reformation des Münzwesens als Brücke zum sozialen Staat. Es folgten Nervus rerum und Die Verstaatlichung des Geldes. Im April 1919 wurde er von Ernst Niekisch in die Revolutionsregierung der Münchner Räterepublik nach München gerufen. Diese bot ihm zunächst einen Sitz in der sogenannten Sozialisierungskommission an und ernannte ihn kurze Zeit später zu ihrem „Volksbeauftragten für Finanzen“ mit Sitz in München. In dieser Zeit arbeitete er mit dem Jura-Professor Karl Polenske von der Universität Greifswald sowie mit dem schweizerischen Arzt und Mathematiker Dr. Theophil Christen zusammen. Seine Amtszeit dauerte allerdings nur sieben Tage. Nach dem blutigen Ende der Räterepublik wurde Gesell nach mehrmonatiger ungesunder Haft in einem Hochverratsprozess vor einem Münchner Standgericht aufgrund seiner Selbstverteidigungsrede freigesprochen. Die Prozesskosten gingen zu Lasten der Staatskasse.
Die Entdeckung der Notwendigkeit einer der Natur und dem Menschen gemäßen Geldordnung gab dem Leben Gesells eine entscheidende Wende. Er wurde zum Sozialreformer. Seine Erkenntnisse verbreitete er durch eine Fülle von Broschüren, Büchern, Aufsätzen und Vorträgen in deutscher und spanischer Sprache. 1916 erschien sein Hauptwerk Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld, das seither zehn Auflagen und zahlreiche Übersetzungen erlebte. Gesell hat seine Erkenntnisse aus praktischen Erfahrungen und Beobachtungen als Geschäftsmann gewonnen, ergänzt durch das Studium wirtschaftlicher Literatur (Pierre-Joseph Proudhon, Karl Marx, Henry George und andere).


Seine Erkenntnisse
Unter dem Einfluss der wirtschaftlichen Krisen Argentiniens auf die eigene Geschäftstätigkeit erfasste Gesell die hohe Bedeutung einer gleichmäßigen Umlaufgeschwindigkeit des Geldes für eine krisenfreie Wirtschaft. Gesell schlussfolgerte, dass Geld der Wirtschaft nur als Tauschmittel dienen, sie aber nicht als Hortungsmittel lähmen darf. Alles in der Natur unterliege dem rhythmischen Wechsel von Werden und Vergehen, nur das Geld scheine der Vergänglichkeit alles Irdischen entzogen.
Da das Geld im Gegensatz zu Waren und menschlicher Arbeitskraft weder „rostet“ noch „verdirbt“, kann ein Geldbesitzer sein Geld nach Gesells Auffassung ohne Nachteil zurückhalten, „horten“. Er kann warten, bis die Waren für ihn billig oder die Zinsen hoch genug sind. Mit dem Zuwarten stört er den Wirtschaftskreislauf. Händler werden gezwungen, ihre Preise zu senken. Durch die Marktüberlegenheit des Geldbesitzers sah Gesell das freie Kräftespiel zwischen Verkäufer und Käufer grundlegend gestört. Geld muss diese Überlegenheit genommen werden, damit aus ihm ein funktionierendes Tauschmittel wird, das   auf dem Markt keine Vormachtstellung mehr hat.  Wenn dem Geldschein ein Datum aufgedruckt wird, ab dem der Schein weniger kaufen kann, dass ist Geld einem ständigen Weitergabedruck unterstellt. Jeder Geldbesitzer werde sein Geld nicht zu lange zurückhalten, sondern damit Waren oder Dienstleistungen kaufen, laufende Rechnungen begleichen oder es langfristig den Banken zu Weiterverleihen überlassen, um so die Kaufkraftminderung zu umgehen. Geld wird dadurch in den Umlauf gezwungen. Damit wird die Grundbedingung für die aktive Steuerung der Geldmenge erfüllt.
Dieses Geld nannte Gesell „Freigeld“. Die Ausgabe des Freigeldes soll dem Staat vorbehalten sein, der hierfür ein Währungsamt einzurichten hat. Bei Inflationsgefahr soll das Währungsamt Freigeld einziehen, bei Deflationsgefahr solches ausgeben. Mit ihm wäre die schädliche risikofreie Hortungsfähigkeit des Geldes überwunden.  
Gesell forderte sehr nachdrücklich die Ablösung der Währung von der Golddeckung.
In Ergänzung zu flexiblen Wechselkursen schlug Gesell auch die Bildung einer internationalen Zahlungsvereinigung (Internationale Valuta-Assoziation, IVA) und die Einführung einer internationalen Währung mit Umlaufsicherung vor. Damit wollte er den internationalen Zahlungsverkehr erleichtern und ihn von bestehenden Länderwährungen unabhängig machen.
Gesell erkannte auch im Bereich des Bodenrechts die Möglichkeit, leistungslose Einkommen zu beziehen. Diese besteht für die Bodeneigentümer darin, von ihren Pächtern und Mietern Bodenrente zu verlangen. Darüber hinaus würden Großgeldbesitzer, denen leistungslose Einkommen aus Zinsen nach der Einführung von Freigeld beschnitten seien, auf den Aufkauf von Grundstücken ausweichen. Dadurch würden die Grundstückspreise in unermessliche Höhen klettern, sehr zum Nachteil aller Übrigen, weil jeder Mensch zum Leben und Arbeiten auf Boden angewiesen sei.
Um auch hier Abhilfe zu schaffen, forderte Gesell, den Boden gegen Entschädigung in öffentliches Eigentum zu überführen, ihn zugleich aber seinen bisherigen Eigentümern gegen Entrichtung einer ständig wiederkehrenden Nutzungsabgabe an den Staat weiterhin zur Nutzung zu überlassen. Die darauf errichteten Gebäude und sonstigen Einrichtungen blieben hingegen weiterhin Privateigentum. Damit würde die Bodenrente der Allgemeinheit zufließen. Handel und Spekulation mit Boden wären unmöglich. Die Höhe der Abgabe solle für jedes Grundstück gesondert in einem Meistbietungsverfahren ermittelt und von Zeit zu Zeit veränderten Verhältnissen angepasst werden. Solchen Boden nannte Gesell „Freiland“.
Bei diesen Überlegungen ging Gesell davon aus, dass Boden ein Produkt der Natur und nicht des Menschen ist. Die Erde sollte allen Menschen gleichermaßen gehören. Deshalb durfte für Gesell Boden kein privates Eigentum sein, im Gegensatz zu den darauf bestehenden Einrichtungen.
Die Einkünfte des Staates aus den laufenden Bodennutzungsabgaben wollte Gesell in voller Höhe an die Mütter verteilt haben gemäß der Zahl ihrer Kinder. Mit der Auszahlung der Bodenrente an die Mütter verfolgte Gesell das Ziel, Frauen von Männern wirtschaftlich unabhängig zu machen.
Zusammen mit dem Wegfall des Urzinses sollte der Wegfall der Bodenrente den Arbeitenden das Recht auf den vollen Arbeitsertrag sichern.
Bisher umgesetzte Erkenntnisse
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden wichtige Erkenntnisse in der Währungs- und wirtschaftspolitk umgesetzt. Diese waren stabiler Geldwert, freie Wechselkurse, Lösung der Währungen von der Bindung des Geldes an Golddeckung sowie der Einführung einer internationalen Währung. Internationale Währung sind die 1969 geschaffenen Sonderziehungsrechte (engl. Special Drawing Rights, SDR) des Internationalen Währungsfonds. 1973 wurde der Übergang zu freien Wechselkursen der großen Währungen eingeleitet. Schließlich wird die Aufhebung der Golddeckung mehr und mehr zur Wirklichkeit. Weiterhin gehören der Abbau von Handelsbeschränkungen und Zöllen dazu.
Was von Gesells Forderungen noch offen ist, ist die Einführung einer Umlaufsicherung auf den offiziellen Währungen und damit die Lösung des Zinsproblems. J. M. Keynes hat – in Kenntnis Gesellscher Gedankengänge – in den Verhandlungen zum Abschluss des Bretton-Woods-Abkommens (1944) eine umlaufgesicherte internationale Währung namens Bancor gefordert, ist aber erfolglos geblieben. Ebenso steht die Lösung der Bodenfrage noch aus.

Alle Menschen wünschen sich Erfolg, doch im Kapitalismus bleibt es nur einigen wenigen Menschen vorbehalten,  ein Geschäft erfolgreich zu starten und damit dauerhaften Geschäftserfolg verbuchen zu können. Der ganz große Rest muss mit ständigem und sich vergrösserndem Misserfolg vorlieb nehmen.

Systemisch können im Kapitalismus nur wenige Menschen gewinnen. Im Kapitalismus spielen wir „Monopoly“ und „Die Reise nach Jerusalem“. In beiden Spielen gewinnt einer, alle übrigen verlieren. Und so geht es bei uns in der Wirtschaft zu.

Im Kapitalismus muss jeder einzelne Mensch bemüht sein, sich Vorteile gegenüber dem anderen zu verschaffen. Doch das Beste, was ihm gelingen kann – sofern er von seiner geistigen oder körperlichen Tätigkeit lebt – ist, dass er später als andere von den Nachteilen des kapitalistischen Systems getroffen wird.  Daher strengt sich jeder an so gut er kann, besucht einen Lehrgang nach dem anderen, arbeitet härter und länger, übt noch stärkeren Verzicht auf Kollegialität und Beziehung und trimmt seinen Geist in teuren Seminaren auf „Erfolg“.

Wir sagen ganz klar "Ja" zu Zielen, Visionen, Erfolg und großartigen, mutigen Plänen. Doch wir wissen auch, dass ein Einzelner für sich nicht lösen kann, was alle betrifft. In einem Wirtschaftssystem, das letztlich darauf programmiert ist, sich selbst zu zerstören, kann der Einzelne nicht gewinnen. Mit keinem Erfolgsseminar und mit keiner Erfolgsliteratur.

Das Gesamtsystem muss so gestaltet sein, dass kein systemisch erzwungener Misserfolg mehr unter der Menschheit wüten kann. Dafür müssen wir zunächst gemeinsam sorgen. Die Rahmenbedingungen müssen so gesetzt sein, dass der Mensch in seinem natürlichen Impuls, für sich das Beste zu wollen, gleichzeitig für das Wohl der Gesamtheit sorgt. Das geht. Was Pflanzen und Tieren möglich ist, ist auch dem Menschen möglich.

Wir sind als Menschheit soweit, das Goldene Jahrtausend anbrechen zu lassen. Wir wissen, wie es geht. Wir können es auch technisch realisieren. Kurz: wir haben alle beisammen.

Entweder wir gewinnen alle gemeinsam,
oder wir gehen gemeinsam unter!

 

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