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Silvio Gesell, Gesammelte Werke, Band 4, Seite 19-24

Was ist der volle Arbeitsertrag?

Wenn wir vom Rechte auf den „vollen“ Arbeitsertrag und von seiner Verwirklichung sprechen wollen, so müssen wir uns vorher darüber verständigen, was wir als „vollen“ Arbeitsertrag ansehen oder erklären wollen, denn sonst werden wir uns unmöglich einigen können über die Mittel, die angewendet werden müssen, um jenes Recht zu verwirklichen. „Ein Recht verwirklichen“ heißt, einer Person irgendeine Sache rechtmäßig zusprechen und sie vor den Angriffen schützen, die dritte Personen auf dieselbe Sache machen könnten. Es gehören also dazu: Kläger (Berechtigte), Beklagte (Nichtberechtigte) und Richter. Erhebt nun jemand Klage darüber, dass das Maß seines Arbeitsertrages nicht „voll“ war, so muss er: 1) sich an einen Richter wenden, 2) den Beklagten namhaft machen und 3) den Beweis erbringen für die Berechtigung seiner Klage.

Das wäre nun in Bezug auf das Recht, das uns hier beschäftigt, eine heikle Sache, denn wo ist der Maßstab, mit dem man nachmessen könnte, ob der Arbeitsertrag wirklich nicht voll war; wo ist der Richter, der ohne gesetzlich anerkannten Maßstab die Begriffe „voll“, „halbvoll“, „übervoll“ in Bezug auf den Arbeitsertrag juristisch auszulegen wagen wird? Und wo ist schließlich der Beklagte, den man wegen falschen Maßes zur Verantwortung ziehen könnte? Man vergegenwärtige sich doch, worin der Arbeitsertrag überhaupt besteht! Das, was ich mit dem Gelderlös meines verkauften Arbeitsproduktes auf dem Markt an Gebrauchsgegenständen (oft von wildfremden Menschen) erstanden, das ist mein Arbeitsertrag – ein Gemisch aus 1000 verschiedenen Gegenständen fester, flüssiger, gasförmiger, manchmal sogar ätherischer Natur (Konzert z. B.), Produkte fremder Menschen, fremder Länder, Arbeitsprodukte, an denen Unzählige beteiligt sind. Ob dieser Ertrag voll, halb- oder übervoll ist – wer kann das sagen? Ob möglicherweise eine Übervorteilung beim Verkauf gegen Geld, oder beim Einkauf der Gebrauchsgegenstände stattfand? Wenn es sich nur um das Recht auf das volle Arbeitsprodukt handelte, dann wäre ja die Sache einfacher, dann würde jeder sagen: Seht da dieses Ding; ich habe es gemacht, ohne meine Arbeit wäre es nicht da, folglich kann es nur mir gehören, und ich stecke es ein. – Dann brauchte nur jeder dieses Eigentum zu achten, und das Recht auf das volle Arbeitsprodukt wäre verwirklicht.

Aber mit der heutigen Entwicklung der Arbeitsteilung wäre jedem nur wenig mit dem Recht auf das volle Arbeitsprodukt geholfen, denn nicht auf das Arbeitsprodukt hat es heute der arbeitende Mensch abgesehen, sondern auf die mit dem Arbeitsprodukte einzutauschenden Gebrauchsgegenstände, und was nun, wenn er beim Tausch übervorteilt wird? Bei der Urwirtschaft, bei der jeder seine Produkte selbst verbraucht, fällt Produkt und Ertrag in eins zusammen, und das Recht auf das Produkt bedeutet für ihn Recht auf den Ertrag. Was hilft es aber heute z. B. einem Arzt, dass er das Recht auf sein volles Arbeitsprodukt genießt, wenn dann bei der Umwandlung seines Honorars oder Lohnes in Gebrauchsgegenstände die Plünderung losgeht in Form von Zöllen, Monopolen, Zinsen, Rente, Profiten, Raub und Diebstahl? Also, wo ist das Maß, womit der Richter den Arbeitsertrag nachmessen kann, wo der Beklagte, gegen dessen Angriffe der Berechtigte geschützt werden soll? Einen solchen Maßstab gibt es nicht, und so darf daher auch das Recht auf den vollen Arbeitsertrag nicht aufgefasst werden. Da der Arbeitsertrag gar nicht in eigenen Arbeitsprodukten besteht, sondern in den auf dem Wege freihändigen Tausches erworbenen Produkten anderer, so ist der Arbeitsertrag schon nicht mehr ein Produkt der Arbeit, sondern das eines Vertrages, und bei Verträgen bildet doch der Vertrag selbst das Recht. Stellt man aber das Recht über den Vertrag, so fällt letzterer fort, und dann hätten wir in Bezug auf das Recht auf den vollen Arbeitsertrag folgendes: Das „Recht“ anerkennt keinen Vertrag zwischen Käufern und Verkäufern, wenn dieser dem „Recht“ widerspricht. Da es sich aber bei solchen Verträgen regelmäßig nur um das Tauschverhältnis (Preise) handelt, so könnten Rechtsverletzungen nur durch den geforderten Preis stattfinden.

Das „Recht“ müsste also für alle Fälle das Tauschverhältnis angeben. Es müsste also ein allgemeines großes Preisverzeichnis angelegt werden. Was das aber bedeutet, wird jedem klar, wenn er bedenkt, dass für das Tauschverhältnis rein persönliche, wie auch zeitliche und örtliche Umstände, neben der stetig wechselnden Qualität der Waren, die wichtigsten Bestimmungsgründe abgeben. Wie aber, wenn der Verkäufer nicht mit dem Kodexpreis zufrieden ist und den Verkauf verweigert? Soll er dann zum Verkauf gezwungen werden? Das hebt dann das Eigentumsrecht, die Kraft, die den Staat im Innersten zusammenhält, auf. Gesetzlicher Verkaufszwang [nicht zu verwechseln mit materiellem Verkaufszwang] und Eigentum sind Gegensätze. Heben wir aber das Eigentum auf, so wird das Recht auf den vollen Arbeitsertrag seines Zweckes beraubt, der doch offenbar darin besteht, das Eigentumsrecht auf den Arbeitsertrag zu schützen.

Als Versuche einer solchen Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag kann man bezeichnen: Die Maximalpreise Robespierres, das Arbeitsgeld Owens, die Normalarbeitszeit Rodbertus etc.; ja selbst die Fiktion eines Geldes mit so genanntem festen inneren Wert (!), welches die wissenschaftliche Grundlage unseres herkömmlichen Geldsystems bildet (eine nette Grundlage), kann als ein solcher utopistischer Versuch angesehen werden. Arbeitsprodukt = x Mark = Arbeitsertrag = Produkt.

Ein Recht, durch das dem Einzelnen sein voller Arbeitsertrag gesichert werden soll, kann es also nicht geben; und wenn die Forderung auf ein solches Individualrecht erhoben würde, mussten wir es für unmöglich erklären, einen Richter anzustellen, der darüber zu entscheiden hätte, ob beim Tausch der Produkte der Ertrag dem Produkte voll entspricht. Ein Individualrecht auf den vollen Arbeitsertrag ist Schimäre. Jedoch, wenn es auch kein Individualrecht auf den vollen Arbeitsertrag geben kann, so ist ein Kollektivrecht dagegen sehr wohl denkbar; denn betrachten wir Arbeit und Tausch vom Standpunkt der Kollektivität, so fällt Produkt und Ertrag, genau wie bei der Urwirtschaft, in eins zusammen, und alle persönlichen, örtlichen, zeitlichen und qualitativen Umstände, die den Einzelarbeitsertrag beeinflussen, fallen fort. Was der eine weniger einträgt, gewinnt der andere, die Gesamterträge entsprechen immer genau dem Gesamtprodukt. Vorausgesetzt natürlich, dass sämtliche Arbeitsprodukte zur Verteilung innerhalb der Kollektivität der Arbeiter gelangen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, so ist der Kollektivarbeitsertrag „voll“, und das Recht auf diesen verwirklicht. Um das Kollektivrecht auf den vollen Arbeitsertrag zu verwirklichen, ist nichts von alledem nötig, was das Individualrecht verlangt – kein Richter, kein Kläger, kein Beklagter, kein gesetzlich anerkannter Maßstab zum Nachmessen, ob der Arbeitsertrag dem Arbeitsprodukte voll entsprach. Kein Preiskodex, kein Verkaufszwang, kein Attentat auf das Eigentum. Nur eine Bedingung ist zu erfüllen: Es dürfen keine Arbeitsprodukte an Nichtarbeiter abgegeben werden; mit anderen Worten: Das arbeitslose Einkommen muss abgeschafft werden. Ist dies erreicht, so ist damit auch der Beweis erbracht, dass das Kollektiv-recht auf den vollen Arbeitsertrag verwirklicht worden ist. Einen anderen Beweis als diesen kann es nicht geben. Mit der Verwirklichung des Kollektivrechts auf den vollen Arbeitsertrag werden jedoch auch alle „Ansprüche“ des Individuums auf seinen vollen Arbeitsertrag, soweit sie überhaupt mit dem Eigentumsrecht verträglich sind, befriedigt, denn durch die Beseitigung des arbeitslosen Einkommens wächst gleichzeitig mit dem kollektiven Arbeitsertrag (Lohnfonds) auch der Einzelertrag und zwar in gleichem Verhältnis. Betrug das arbeitslose Einkommen 20, 30 oder 40 Prozent des Gesamtarbeitsproduktes, so steigt der Einzelarbeitsertrag auch um 20, 30 oder 40 Prozent – denn das Tauschverhältnis der Produkte wird ja dadurch nicht berührt. Dieses Tauschverhältnis wird nach wie vor durch Nachfrage und Angebot bestimmt werden, und zwar wird diejenige Arbeit den geringsten Ertrag geben, zu der der Andrang verhältnismäßig am größten ist.

(Christen und Kommunisten mögen darüber streiten, ob es richtig, gerecht, moralisch ist, dass eine Arbeit darum schlechter entlohnt wird, weil sie von vielen gemacht werden kann, dass eine andere Arbeit höhere Erträge gibt, nur weil sie wenige machen können. Wir haben es hier nicht mit dem Christentum zu tun, sondern mit dem Eigentum, und solange das Eigentum besteht, wird man nicht verhüten können, dass für ein gutes Buch bessere Preise erzielt werden, als für ein gewöhnliches. Will man dem Austausch der Produkte eine brüderliche, christliche Unterlage geben, so schaffe man das Eigentum zuerst ab. Beides, Christentum und Eigentum, lässt sich unmöglich vereinigen.)

Es wird also immer mehr oder weniger große Unterschiede in der Größe der Einzelarbeitserträge geben, aber diese Unterschiede sind vom Eigentumsrecht auf das Arbeitsprodukt unzertrennbar. Das liegt daran, dass die Produkte verschieden sind und muss in letzter Linie darauf zurückgeführt werden, dass das System der Preisbestimmung durch Nachfrage und Angebot im Grunde genommen Wucher ist. Weil das Angebot klein ist und die Nachfrage groß, erhöhe ich den Preis. Ich tue das und kann es tun, weil dem kleinen Angebot gegenüber die Nachfrage sich in einer „Notlage“ befindet Aber die Ausbeutung der Notlage ist Wucher. Daran lässt sich aber wieder nichts lindern, ohne das Vertragsrecht beim Tausch und somit das Eigentumsrecht anzutasten. Übrigens ist jedem der Ertrag der verschiedenen Arbeiten bekannt, und wenn trotzdem jemand für sich das Straßenkehren als Beruf wählt, so gibt er damit öffentlich seine Ansicht kund, dass er lieber eine Stunde die Straße kehrt als fünf Minuten Ballett zu tanzen oder Unterricht in französischer Grammatik zu geben. Ob aber wieder nicht gerade dadurch jeder zu erkennen gibt, dass er mit dem erwarteten Ertrag seine Arbeit voll bezahlt erachtet? Denn jeder sucht doch das Ziel mit der geringsten Mühe zu erreichen. Dem Außenstehenden mag der Ertrag der Arbeit des einen kärglich und der des anderen übervoll erscheinen, aber nicht dem unmittelbar Beteiligten, denn dieser hat immer seinen persönlichen Maßstab in seinen Muskeln und geistigen Fähigkeiten. Er ganz allein ist imstande, Produkt und Ertrag gegeneinander abzuwägen, er ganz allein kann ein Urteil abgeben, wie hoch er die Mühe rechnet, eine Straße zu kehren oder ein mathematisches Problem zu lösen. Lassen wir ihn also; er ist in Bezug auf seinen Arbeitsertrag gleichzeitig Abschätzer, Richter und Gerichtsvollzieher. Und dort scheint mir das Ideal eines Rechtszustandes zu sein (der das Eigentum anerkennt), wo jeder sich seinen Arbeitsertrag selbst zumisst. Denn ein guter Richter muss alles verstehen und die geheimsten Triebfedern unserer Handlungen kennen.

Wären uns aber alle diese Triebkräfte bekannt, so würden wir vielleicht die Entdeckung machen, dass die auffälligen Unterschiede im Arbeitsertrag gar nicht bestehen, weil z. B. die Produktion der Kartoffeln dem Bauer neben dem materiellen Ertrag noch die Gesundheit eintrug, während die mit den Kartoffeln eingetauschten Kohlen dem Grubenarbeiter neben der schrecklichen Arbeit unter der Erde noch die Gesundheit kosteten.

(So zerbrach ich mir lange Zeit den Kopf, warum mein Nachbar die Mistjauche auf dem Kopfe in einem Kübel auf das Feld trug, wobei er sich regelmäßig von oben bis unten besudelte, statt Fass und Wagen zu benutzen. Als ich ihn schließlich um Auskunft bat, warum er die schauerliche Arbeit auf so schauerliche Weise anführte, antwortete er: So dauert das Vergnügen länger; mit dem Wagen wäre ich ja gleich fertig! Also, wie will der Außenstehende Produkt und Ertrag gegeneinander abwägen? Was der eine um nichts in der Welt machen würde, betrachtet der andere als ein Vergnügen, für das er unter Umständen noch gern etwas bezahlen würde.)

Wir müssen also zugeben, dass mit der Verwirklichung des Kollektivrechts auf den vollen Arbeitsertrag auch die Rechte des Individuums berücksichtigt werden, soweit von „Recht“ hier überhaupt die Rede sein kann und sich das mit dem Eigentumsrecht verträgt.

Das arbeitslose Einkommen, dessen Abschaffung die einzige, aber notwendige Voraussetzung der Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag bildet, setzt sich zusammen aus Zins und Rente. Neben Zins und Rente gibt es zwar in unserer heutigen Volkswirtschaft noch mancherlei Einkommen, das oft schwer auf sichtbare Arbeit zurückzuführen ist; geht man jedoch der Sache auf den Grund, so findet man, dass, wo es sich z. B. um Unternehmer, Kaufleute und Erfinder handelt, in der Regel durch irgendeine Einrichtung, die die geistige Arbeit des Unternehmers usw. darstellt, die Herstellung der Waren vereinfacht oder die Produktions- und Handelsspesen ermäßigt worden sind. Ein Kaufmann, der einen oder eine Reihe von Zwischenhändlern ausschaltet, ein Erfinder, der mehrere Handgriffe überflüssig macht, streichen gewiss oft recht erkleckliche Summen ein, aber diese Summen bedeuten doch immer nur einen Teil, oft sogar nur einen ganz winzigen Teil des Zuwachses, den der allgemeine Arbeitsertrag infolge jener Einrichtungen erfahren hat. Wenn nun aber jemand den allgemeinen Arbeitsertrag vermehrt, kann man dann noch sagen, dass sein Einkommen ein arbeitsloses sei? Es kommt doch immer nur auf den Ertrag an; die Arbeit, wenn wir sie ganz sparen könnten, würde niemand vermissen. Ob nun jemand wie ein Stier von früh bis spät arbeitet oder ob er, um dasselbe Produkt zu erzielen, seine Maschine mit einer Neuerung versah, die ihr Produkt verzehnfacht – was geht das die Anderen an? Die Größe der Arbeit wird von der Kollektivität mit dem Produkt gemessen, nicht mit dem daran verausgabten Schweiß oder gar mit der Fabrikuhr. Alle, die den kollektiven Arbeitsertrag vermehren, gehören also zur Kollektivität der Arbeiter; ihr Einkommen ist kein arbeitsloses, sie stehen der Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag nicht im Wege. Ihr Einkommen, und wenn es noch so groß erscheint, wird niemals das Maß überschreiten können, um welches der allgemeine Arbeitsertrag oder Lohnfonds durch ihre Arbeit vergrößert wurde. Es verbleiben also als wirklich arbeitslose Einkommen nur der Kapitalzins und die Grundrente. [Die staatlichen Sinekuren fallen im Arbeiterstaat selbstverständlich fort.] Gelingt es mir, den Nachweis zu liefern, dass diese beiden Abzüge vom allgemeinen Arbeitsertrag (Lohnfonds) abgeschafft werden können, so wird man meine Aufgabe als gelöst erklären müssen.

Wenn dann als Nebenprodukt der Reformen, die zur Erreichung unseres Zieles eingeführt werden müssen, der Einzelarbeitsertrag noch um ein Erkleckliches erhöht wird, weil:

1. die Handelsspesen durch die Beschleunigung und Sicherung des Warenaustausches ganz außerordentlich herabgesetzt werden,

2. die Arbeitslosigkeit, die Arbeiterreserven, die Wirtschaftskrisen unmöglich werden, so steht das zwar nicht unmittelbar in Beziehung zum Recht auf den vollen Arbeitsertrag, wohl aber zu einem verwandten Begriff, dem „Recht auf das volle Arbeitsprodukt.“

Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag setzt voraus, dass kein arbeitsloses Einkommen den Kollektivarbeitsertrag schmälert, das Recht auf das volle Arbeitsprodukt dagegen verlangt, dass sämtliche Produkte innerhalb der Kollektivität ohne Abzug zur Verteilung gelangen. Nun wird aber durch den Tausch bzw. durch die mit dem Tausch verbundene Arbeit (die auch ihren vollen Ertrag beansprucht) wieder ein Teil, sogar ein recht bedeutender Teil (man rechnet mit 25-30-35%) wieder verbraucht, so dass entsprechend weniger Produkte zur Verteilung unter die eigentlichen Produzenten gelangen. Die Arbeit des Kaufmanns ist ja, so wie die Dinge heute liegen, ganz unentbehrlich; aber es ist keine Arbeit, die das Gesamtprodukt erhöht, im Gegenteil, es ist eine zerstörende Arbeit, und je mehr der Kaufmann arbeiten muss, um den Tausch der Produkte zu vermitteln, umso weniger Produkte bleiben für die Verteilung übrig. Um also das Recht auf das volle Arbeitsprodukt zu verwirklichen, dürfte der Austausch (wozu die Ortsveränderung der fertigen Waren, also die Fracht, auch noch zu rechnen wäre) überhaupt keine Arbeit verursachen, was allerdings unmöglich ist. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, muss das Recht auf das volle Arbeitsprodukt allerdings als ein Ideal angesehen werden; aber diesem Ideal, so unerreichbar es ist, nähern wir uns mit unseren Reformen fast bis an den Sockel.

Eine ganz andere Sache wieder ist das „Recht des Einzelnen auf volle Ausnutzung seiner Arbeitskraft.“ Die Verwirklichung dieses Rechts verlangt, dass die Marktverhältnisse dem Arbeiter für die volle Ausnutzung seiner Arbeitskraft keine Schranken setzen, so dass der Arbeiter nach Maßgabe seiner Arbeitskraft auch seinen Arbeitsertrag vergrößern kann – wenn ihm das als notwendig oder wünschenswert erscheint. Unbegrenzter Absatz, die Verhinderung der Arbeitslosigkeit und der Wirtschaftskrisen – das sind die Voraussetzungen für die Verwirklichung dieses Rechts. Und diese Voraussetzungen werden mit unseren Reformen voll erfüllt werden.

Diese werden also ein dreifaches Recht verwirklichen:

Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag
Das Recht auf das volle Arbeitsprodukt
Das Recht des Einzelnen auf volle Ausnutzung seiner Arbeitskraft


In Ziffern ausgedrückt, liefert uns das Gesagte folgende Rechnung:

1. Vor der Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag

Einzelbeiträge zum Kollektivarbeitsprodukt:



Dieser Lohnfonds (den man sich in Waren, nicht in Geld vorzustellen hat) kommt durch den Tausch zur Verteilung unter die oben bezeichneten verschiedenen Arbeiterkategorien, zu denen aber noch die Kaufleute treten, die die Verteilung vermitteln. Der Einzelertrag wird durch die Berufswahl nach dem Grundsatz bestimmt, dass Nachfrage und Angebot das Tauschverhältnis der Produkte bestimmen. Die Größe des Lohnfonds hängt ab von der Produktivität der Arbeit einerseits und von den Abzügen durch Zins und Rente andererseits.

2. Nach der Verwirklichung des Rechts auf den vollen Arbeitsertrag:

Einzelbeiträge zum Kollektivarbeitsprodukt:



Der Lohnfonds oder der Kollektivarbeitsertrag ist also gleich dem Kollektivarbeitsprodukt. Die Verteilung erfolgt nach dem gleichen Grundsatz wie bei Nr. 1. Der Arbeitsertrag ist „voll“, weil kein arbeitsloses Einkommen den Lohnfonds geschmälert hat. Eine Veränderung kann der Lohnfonds nur durch eine Veränderung im Kollektivarbeitsprodukte erfahren.

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