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Die Tatsache, dass Geld keinen Wert hat, ist nicht gleichzusetzen mit „Geld ist nutzlos“. Ganz im Gegenteil. Je wertloser das Geld, umso nützlicher ist es uns, umso größeren Nutzen haben wir alle von ihm. Wer hingegen vom Wert spricht, der spricht immer von etwas, was „inwendig“ existiert, bzw. existieren soll(te).
 
Was ist denn nun genau „der Wert“ einer Sache?
Um einen Wert festzulegen, müssen sich Dinge miteinander vergleichen lassen. Dann ist das eine Ding wertvoller, das andere weniger wertvoll. Man kann jedoch nur Gleiches mit Gleichem vergleichen. Was ist nun das „Gleiche“, das eine Peter-Fox-CD und ein Wackelpudding miteinander teilen? Worin sind sie sich gleich? Was an ihnen ist gleich? Und worin gleichen beide einem Solardach? Selbst Diogenes in der Tonne könnte sein Lebtag lang darüber nachdenken, worin sich alle Dinge im Kern gleichen – und er käme auf keine vernünftige Antwort. Alles ist unterschiedlich an der CD und am Wackelpudding und am Solardach. Nichts ist gleich, nichts gleicht sich. Es gibt keine Eigenschaft und kein verwendetes Material an all diesen Dingen, die sich gleichen. Nur ähnliche Dinge können sich gleichen. Was für eine Aussage, welch eine Erkenntnis! Doch es muss gesagt werden, denn die heutigen Volkswirtschaftler scheinen dies nicht zu wissen. Schimmelkäse und Schmelzkäse könnte man vergleichen – alles Käse. Butter und Margarine – alles Fett. Stuhl und Sessel – Sitz und Sitz. Wie kommen wir von diesem Stand der Erkenntnis nun weiter zu intelligenteren und notwendigeren Fragen und Antworten?
Welche Rolle spielt Geld in der Wertefrage? Geld, das den Tausch zwischen den unterschiedlichen Dingen ermöglicht, kann dies nach Auffassung der meisten Menschen nur deshalb, weil im Geld ein „Wert“ aufgespeichert ist.
Beim Gold war diese Ansicht noch viel präsenter. Gold ist absolut wertvoll, daran zweifelt selbst heute wohl kaum ein Mensch. Leider. Denn der Gedankenfehler wurde ins Papiergeld hinübergeschleift – und nun hat auch Papiergeld einen inneren Wert, ist wertvoll und daher ein „Wertaufbewahrer“.
Gold hat einen Nutzen, der über die Tauschvermittlung hinausging und geht. Sowohl dieser Nutzen als auch seine Begrenztheit in der Natur machen es für den ausgedehnten Warentausch, für die entwickelte Arbeitsteilung ungeeignet. Alles Gold dieser Erde auf 4 Milliarden Wirtschaftssubjekte aufgeteilt ergibt für jeden 2 Kubikzentimeter Gold. Daraus ließen sich noch etwa 2 bis 6 Münzen fertigen. Je nach Größe und Gewicht. Das würde aber auch bedeuten, dass Gold weder als Schmuck, als Bestandteil der Zahntechnik oder der Unterhaltungsindustrie oder anderer Industrien je noch zum Einsatz kommen könnte. Der Irrtum war, zu glauben, dass Geld einen inneren Wert, also einen eigenständigen Nutzen haben sollte, um als Tauschmittel anerkannt zu werden. So ging die Entwicklung der Tauschmittel folgerichtig von den nützlichsten Dingen über die scheinbar nützlichen Dinge hin zu den völlig nutzlosen Dingen. Vom Rind, Fell, Salz, Tee, über Muschel, Edelmetall, Gold hin zum  Papier.
Wir dürfen uns ziemlich sicher sein, dass ein „externer Beobachter“ unserer Handlungen wohl niemals auf die Idee käme, uns zu den logisch denkenden Arten zu zählen. Denn was würde der außerirdische Besucher erblicken: Verrückte, die in einem bedruckten Schnipsel Papier einen ominösen „Wert“ verorten, den niemand je gesehen hat und den niemand je erklären konnte…
Kommen wir zu den realen Sachverhalten: Geld hat keinen Wert! Es gibt den so genannten „Wert“ nicht. Zumindest ist dieser Begriff im physischen Leben verfehlt. In der Ökonomie allemal. Ersetzen wir den Begriff „Wert“ doch durch das Wort „Nutzen“ und sehen, ob wir damit nicht einen Gedanken logisch und sinnstiftend zu Ende denken können. Wer in der Wüste mit dem Flugzeug abgestürzt ist, wird einem Glas Wasser mehr Wert zumessen als ein Edelsteinhändler dem Hope-Diamanten auf einer Auktion in Amsterdam. Es kommt auf den Nutzen an, den eine Sache dem Interessenten bietet. Und dieser ist von Mensch zu Mensch, von Ort zu Ort, von Minute zu Minute unterschiedlich. Was dem einen nützt, ist für den anderen nur lästiges Zeug. Der Wanderer auf der Hochalm braucht festes Schuhwerk, der Mallorca-Strand-Besucher eher nicht. In der Nacht ist künstliches Licht oftmals sehr hilfreich, am Tag eher überflüssig. Zumindest draußen. Drinnen sieht es unter Umständen schon wieder anders aus, je nachdem, wann die Fenster das letzte Mal geputzt wurden…
Nicht der Wert bestimmt also den Preis, sondern der Nutzen, den eine Sache dem Käufer, Interessenten oder Bedürftigen in seiner aktuellen Lage mit Hinblick auf seine weiteren Pläne bietet. Ein Mensch, der zum Sterben nach Timbuktu unterwegs ist, verzichtet auch beim Absturz in der Wüste vor den Toren Timbuktus unter Umständen auf das gereichte Wasser. Wenn der Zeitpunkt des Todes ihm wichtiger ist, als der Ort des Hinscheidens. So könnten wir ewig weitermachen. Denn alles fließt und nichts kann festgemacht oder festgehalten werden.
Wenn es nun den so genannten Wert gar nicht gibt, dann braucht man doch wohl keinen „Wertaufbewahrer“. Ein Nichts braucht nicht aufgespeichert zu werden. Nichts kann gar nicht aufgespeichert werden. Nur Weizen. Oder Diamanten. Oder Salami. Um diese baut man Silos, Tresore und Rauchöfen. Wenn wir einen Geldschein auseinander nehmen und sehen wollen, was er denn in sich aufspeichert, dann finden wir nichts. In tausend Jahren nicht.
Es kommt auf den Nutzen an. Daher ist der Wertgedanke im Zusammenhang mit dem Geld ein völlig irriger, der leider schon sehr viel Unheil angerichtet hat und es noch tut. Geld ist Tauschvermittler, darüber können wir Einigkeit erzielen. Die Frage ist nun, weshalb Geld den Tausch so gut vermittelt? Abgesehen von seinen physikalischen Vorzügen, die das Tauschmittel Geldschein bietet. Was hat auch Gold in dieser Funktion so gut funktionieren lassen?
Es ist die Nutzlosigkeit und Wertlosigkeit des Geldes als Sache! Der Geldschein taugt als Ding zu fast nichts anderem, als zum Tausch anderer Dinge. Denn wieviel Geldscheine braucht man, um selbst eine kleines Zimmerchen zu tapezieren? Wie viele Kilo Geldscheine braucht es, um selbst ein kleines Feuerchen in Gang zu halten? Wie bekommt man einen ganzen Fisch in Banknoten eingewickelt, ohne dass die Flosse dabei hervorguckt? Der Geldschein taugt zu recht wenig, außer eben zum Tausch. Gerade weil der Geldschein zu fast nichts anderem taugt, ist er so gut als Tauschvermittler. Denn Geld an sich ist völlig nutzlos – ganz im Gegensatz zu den zu tauschenden Dingen. Jedes Ding, das getauscht wird, wird nur deshalb getauscht, weil es für den Käufer einen Nutzen hat. Selbst das Nickhündchen, mit dem die Heckscheibe des Autos dekoriert wird, nur für den einen oder anderen Lacher gut ist.
Beim Tausch gilt folgende Regel: je unähnlicher die Dinge sich sind, je unterschiedlicher der von ihnen gebotene Nutzen, umso leichter ist der Tausch zu machen. Deutlich wird dies, wenn jemand auf die Idee käme, einen Liter Milch gegen einen Liter Milch aus der gleichen Charge zu tauschen. Ein völlig unsinniges Geschäft, das kein Geschäft ist. Ein Tausch kommt nur dann in Frage, wenn die beiden zu tauschenden Dinge sich unterscheiden. Je mehr sie sich unterscheiden, umso leichter ist der Tausch. Selbst eine Gabel ist als Kamm zu benutzen und je nach Situation verzichtet man auf den Kauf eines Kammes. Die Gabel tut es ja auch. Je weniger ein Produkt ein anderes ersetzen kann, umso eher wird zugegriffen. Schauen wir uns nun den Geldschein an. Geld kann, wie oben ausgeführt, so gut wie kein anderes Produkt ersetzen, noch nicht einmal eine Tapete.
Und das ist in Wirklichkeit der Grund, weshalb Geld als Star im Warentausch Bestand hat. Gold brauchte auch kein Mensch wirklich. Gold war genauso nutzlos für die tägliche und angenehme Lebensgestaltung wie der Papiergeldschein. Aus dem Geldschein heute und dem Goldklumpen damals konnte man eben kaum etwas anderes machen als ein Tauschmittel. Aus dem Goldklumpen vielleicht noch ein Kettchen für die Liebste oder eine Krone für den König, aus dem Geldschein höchstens noch einen Papierflieger für das Kind. Doch genau in dieser seiner „Nutzlosigkeit und Wertlosigkeit“ stiftet der Geldschein den höchsten Nutzen: als Tauschmittel! Das beste, das es gibt. Und weil es die Wertlosigkeit ist, die den Geldschein so nützlich macht, müssen wir diese Wertlosigkeit sogar noch etwas weitertreiben, um ihn zu vollenden: Durch einen Nominalverlust von 5 bis 8 Prozent pro Jahr. Dann ist er das „vollkommene Tauschmittel“ und erschafft eine vollkommen funktionierende Wirtschafts- und Geschäftewelt.
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