Das bedingungslose Grundeinkommen
Geschrieben von: Angelika Garbaya Donnerstag, den 18. Juni 2009 um 19:18 Uhr
1. ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen auf Augenhöhe in ihren
Verhandlungen bringen.
2. Die unwürdigen Prüfpraktiken seitens der Sozialträger beenden und Menschen
ohne Arbeit wieder zu menschlicher Würde verhelfen.
3. Armut soll effektiv bekämpft werden.
4. Soziale Sicherheit soll erreicht werden.
5. Gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum erreicht werden.
6. Lust am Arbeiten und Kreativität sollen freigesetzt werden, weil der „Zwang“ zur
Arbeit entfällt und das BGE allen Bürgern die Freiheit gibt, zu arbeiten oder nicht
zu arbeiten.
7. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen soll dem Mangel an Arbeitsplätzen
Rechnung getragen werden.
Von unserer Seite besteht eine völlige Übereinstimmung mit den angestrebten Zielen, auch in der Kritik der derzeitigen gesellschaftlichen Missstände gibt es keinerlei Dissens. In einem Punkt unterscheiden wir uns allerdings erheblich in den Erkenntnissen: Arbeitslosigkeit ist kein Mangel, dem man Rechnung tragen müsste, denn Arbeitslosigkeit ist kein natürlicher Zustand in der menschlichen Gemeinschaft. Sie ist vielmehr eine schwerwiegende, symptomatische Erscheinung des Kapitalismus. Und diesen gilt es zu überwinden. In diesem Sinne wollen wir keine „Medizin“, um Symptome zu bekämpfen, wir wollen die Fehlentwicklung bereits am Entstehen hindern und sie damit an der Wurzel packen.
Die Fragen, welche das Freiheitswerk in diesem Diskussionsprozess aufwirft sind:
1. Können die gewünschten Verbesserungen tatsächlich durch BGE herbeigeführt
werden?
2. Mit welchen volkswirtschaftlichen Prozessen ist mit der Einführung eines
BGE zu rechnen und was bedeuten sie für uns alle?
3. Welche ökonomischen und gesellschaftlichen „Nebenwirkungen“ bringt
ein BGE mit sich?
Stellen wir die Frage: „Fehlen tatsächlich Arbeit und Arbeitsplätze?“
Aus unserer Sicht fehlt es weder an Arbeit, noch an arbeitswilligen und arbeitsfähigen Menschen. Selbst eine weitgehende Industrialisierung und Technologisierung unserer Gesellschaft sorgen nicht für das Ende der Arbeit. Für uns ist Arbeit untrennbar mit menschlichen Wünschen und Bedürfnissen verknüpft: die Bedürfnisse der einen sorgen für Arbeit der anderen und umgekehrt. Und wenn eines nicht zu Ende geht solange es Menschen gibt, dann sind es eben seine/ihre Wünsche und Bedürfnisse. Je besser wir mit den grundlegenden Dingen wie Nahrung, Kleidung, Wohnung versorgt sind umso anspruchsvoller, geistreicher und auch vielfältiger werden unsere Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen, die wir dem Leben gegenüber haben.
In der Vergangenheit hat die Menschheit schon mehrere Revolutionen in der Produktionsweise erfahren und keine hat dazu geführt, dass uns die Arbeit ausging. Im Gegenteil. Je weiter wir unsere Arbeitstechnologien entwickelt haben, umso größer wurde jeweils der Bedarf an menschlicher Kreativität, Spezialisierung und Arbeitsleistung. Die Arbeit hat in vielen Bereichen ihren Charakter gewandelt, es gab sogar völlige Sektoreinbrüche und –niedergänge, doch gleichzeitig wurden in den neu entstandenen Bereichen Arbeitsleistung benötigt und nachgefragt. Wir sehen keinen Grund, dass sich daran etwas geändert haben sollte und dass nun Technik und Industrie plötzlich weite Teile der Bevölkerung „arbeitslos“ machen würden. Es wird zu weiteren Verschiebungen auf verschiedenen Arbeitssektoren kommen, doch alleine um diese Veränderungen möglich zu machen bedarf es an anderer Stelle Arbeitskräfte (EntwicklerInnen, ForscherInnen, TechnikerInnen, DesignerInnen…) und erst recht viele Arbeitskräfte, um die Verschiebungen möglichst ohne größere Ausfälle bewältigen zu können (AnleiterInnen, AusbilderInnen, VerkäuferInnen, UnternehmerInnen…). Und es sei darauf verwiesen, wie viele Arbeitskräfte heute in Schulen, Kindergärten, in der Pflege, in Krankenhäusern, an den Universitäten, im Transportwesen, in der Landwirtschaft, im Naturschutz… fehlen, weil das Geld, mit dem man sie zu bezahlen hätte nicht an Ort und Stelle ist. So sieht es in den Industriestaaten aus. Weiter südlich ergeben sich noch ganz andere sinnvolle Arbeitsgelegenheiten. Eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden und mehr ist auch kein biblisches Gebot und kann ruhig um die Hälfte reduziert werden. Einige Menschen sollen sich auch vorstellen können, mit 50 Jahren aus dem Berufsleben auszuscheiden.
Die Bedingung für Einkommen ist Arbeit.
Ein BGE ist daher schon vom Wort ein Widerspruch in sich.
Wenn es nicht Technik und Industrie sind, die Arbeitslosigkeit erzeugen, worin liegt dann die Ursache für die nicht aufzuhaltende Massenarbeitslosigkeit?
Wir sehen die Ursache für Massenarbeitslosigkeit in unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem, das zwangsläufig – aufgrund des ihm innewohnenden Renditezwanges – menschliche Arbeitskraft in großem Umfang freisetzt. Würde dies nicht geschehen, könnte nicht genügend Rendite realisiert werden und damit das gesamte Wirtschaftsleben über kurz oder lang zum Erliegen kommen. Im zinsbasierten Kapitalismus muss es zwangsläufig zu immensen Freisetzungen menschlicher Arbeitskraft kommen, denn Arbeitskräfte kosten Geld, anstatt Rendite zu erwirtschaften. Alle Fehlentwicklungen im Wirtschaftleben können wirkungsvoll verhindert werden, wenn im Geld- und Bodenrecht die entsprechenden Korrekturen eingebaut werden. Wohlstand durch Arbeit für alle Menschen ist möglich und dies bei deutlich geringer Arbeitszeit als heute üblich. Die Fehler im Geldwesen zu beheben ist sozusagen ein kleiner Schritt für Bundesbänker, jedoch ein riesiger Schritt für die gesamte Menschheit.
Betrachten wir die nächsten Ziele des BGE: Beendigung der unwürdigen Praktiken durch die Sozialbehörden. Würde ein BGE ausbezahlt werden, so würde tatsächlich die heute bekannte Prüfpraxis komplett überflüssig gemacht werden. Auszahlungsverweigerung, Sanktionen, Kürzungen, Vermittlung in undefinierbare „Arbeitsverhältnisse“, Zwang zur Teilnahme an so genannten Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, komplette Vermögensaufzehrung, erzwungene Ortsgebundenheit und vieles mehr könnten der Vergangenheit angehören. Allerdings wären dazu schier unvorstellbare Abgrenzungen gegenüber hier lebenden Nicht-Deutschen und Einreise begehrenden Menschen erforderlich, die kein freiheitlich denkender Mensch wirklich wünschen kann. Auch die Errichtung von Zollgrenzen würde erforderlich werden, wenn das BGE über die Erhöhung der Mehrwertsteuer (Vorschlag nach Götz Werner) finanziert werden soll. Freiwirtschaft postuliert aber, dass jeder Mensch Anspruch auf die ganze Erdkugel hat. Die Erde zersplittert und durch Mauern, Einreisebestimmungen, Handelsbegrenzungen, Zölle, Embargo´s, Außenhandelsverbote etc. gestaltet, ist jedem freiwirtschaftlich geschultem Menschen ein Greuel.
Die Zustände in unserer Gesellschaft, die demographischen Herausforderungen, die wir zu meistern haben, verlangt nach Menschen, die sich ambitioniert dafür einsetzen, dass wir unser menschliches Potential weiter ausschöpfen, Grenzen erweitern, neue Arbeitsfelder erobern und bekannte Arbeitsfelder so ausgestalten, dass sie den Bezeichnungen Beruf und Arbeit wieder gerecht werden und persönliche Befriedigung bereiten.
Könnte die Zahlung eines BGE soziale Sicherheit bieten, Armut effektiv bekämpfen und eine gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum ermöglichen?
Ein Freiwirt wird diese Frage wohl verneinen müssen. Denn mit der Zahlung eines BGE sind die währungspolitischen „Pfuschereien“ noch lange nicht beseitigt. Inflation und Deflation drohen nach wie vor und so lange nicht beide Phänomene überwunden sind, kann es keine soziale Sicherheit geben. Für keinen. Auch nicht für den Reichen. Auch von einer gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum kann nicht gesprochen werden, solange es noch leistungslose Einkommen durch Zins, Zinseszins und Bodenrente gibt. Wie immer man auch die Verteilung gestaltet, Zins und Zinseszins sind eine Exponentialfunktion, die auch mit BGE die Reichen immer reicher und die Armen immer zahlreicher macht.


























